Reisewarnung: Kein Urlaub wegen Corona?

In der Reisebranche geht es wegen Corona drunter und drüber. Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung bis Ende September verlängert. Viele Verbraucher haben Ärger mit Reiseanbietern und Fluggesellschaften. Das sollten sie wissen.

Idyllischer Strand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Das Auswärtige Amt hat seine Reisewarnung für zahlreiche Länder bis Ende September verlängert. 
  2. Gebuchte Pauschalreisen können bei Vorliegen einer Reisewarnung kostenfrei storniert werden. Für Individualreisende greifen andere Regelungen.
  3. Insbesondere stornierte Flüge bereiten Verbrauchern jedoch viele Probleme. Die Airline spielen auf Zeit und erstatten kein Geld.
  4. Die Verbraucherzentrale rät Reisenden, hartnäckig zu bleiben, sich unabhängig beraten zu lassen und/oder eine Schlichtungsstelle einzuschalten.
Stand: 11.09.2020

Aufgrund des Coronavirus warnt das Auswärtige Amt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in mehr als 160 Länder bzw. ausgewählte Regionen. Auch beliebte Urlaubsländer wie Frankreich, Spanien, Kroatien oder Bulgarien gehören dazu. Die aktuelle Reisewarnung gilt vorerst bis einschließlich 30. September 2020. Je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens vor Ort werden Reisewarnung aufgehoben oder erneut ausgesprochen. Vielerorts ist weiterhin mit drastischen Einschränkungen zu rechnen. 

Kostenfreie Stornierung von Reisen möglich

Pauschalreisen: In von der aktuellen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes betroffene Länder können Verbraucher ihre Reise kostenfrei stornieren – wenn sie eine Pauschalreise gebucht haben. Eine Pauschalreise besteht immer aus zwei touristischen Hauptleistungen, also etwa den Übernachtungen in einem Hotel und dem Flug. Ist der Urlaub bereits bezahlt, müssen Betroffene ihr Geld zurückerhalten.

Das sollten Sie tun: Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter auf, um die weiteren Schritte zu besprechen und bleiben Sie hartnäckig! Leider melden sich bei uns zurzeit viele Verbraucher, die gerne ihr Geld wiedersehen möchten, doch man wimmelt sie ab, vertröstet auf später oder bietet Gutscheine an. Manchmal sind die betroffenen Unternehmen auch gar nicht zu erreichen.

Individualreisen: Für Reisende, die Ferienhaus, Hotel oder Flug separat gebucht haben, gelten die Regelungen des Pauschalreiserechts leider nicht. Können sie als Urlauber ihr Ziel aufgrund der Lage ihrer Unterkunft in einem Sperrgebiet nicht erreichen, bekommen sie ihr Geld nur dann zurück, wenn dies nach dem nationalen Recht des Landes, in dem die Unterkunft liegt, vorgesehen ist. Geht der Flieger, besteht grundsätzlich kein Recht zur kostenfreien Stornierung. Etwas anderes gilt nach Auffassung der Verbraucherzentralen, wenn Verbraucher in das Zielland aufgrund eines Einreiseverbots nicht betreten dürfen.

Gut zu wissen

Generell ist eine Reisewarnung eine Empfehlung des Auswärtigen Amtes, aber kein Reiseverbot. Wenn Sie trotzdem in die betroffenen Länder oder Regionen reisen möchten, können Sie das natürlich tun (sofern es keine Einreisebeschränkungen gibt). Allerdings müssen Sie dann neben den Quarantäne- bzw. Corona-Test-Vorgaben auch Auswirkungen auf eine Reiserücktritts- oder Auslandskrankenversicherung in Kauf nehmen. Letztere kann beispielsweise das Bezahlen von Arztkosten im Reiseland verweigern.

Ärger mit Fluggesellschaften

Wird ein Flug annulliert, müssen Verbraucher selbstverständlich den Ticketpreis zurückbekommen. Gilt die sogenannte EU-Fluggastrechteverordnung, so hat die Erstattung des Geldes innerhalb von 7 Tagen zu erfolgen. Die Verordnung greift bei Flügen,

  • die in der Europäischen Union angetreten werden,
  • die von einer Fluggesellschaft mit Sitz in der  EU durchgeführt werden oder die von einer Fluggesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat des Europäischen Wirtschaftsraums (z.B. Island, Norwegen oder die Schweiz) durchgeführt werden und einen Flughafen in der EU als Ziel haben.

Die jeweilige Frist für die Rückzahlung des Ticketpreises beginnt mit Eingang des Forderungsschreibens bei der Fluggesellschaft.

Die Frist wird zum großen Ärger vieler Passagiere von etlichen Fluggesellschaften zurzeit nicht eingehalten. Auch versuchen viele Fluggesellschaften ihre Kunden mit Gutscheinen statt Geld abzuspeisen. Nicht nur, dass viele Betroffene ihr Geld nicht zeitnah erhalten, vielmehr tragen sie während der „Wartezeit“ auch das Insolvenzrisiko. Das bedeutet: Geht die Airline vor Auszahlung der Erstattung pleite, haben die Verbraucher das Nachsehen.

Das sollten Sie tun: Haben Sie die Fluggesellschaft nachweisbar zur Erstattung aufgefordert und reagiert diese nicht innerhalb von zwei Monaten, so sollten Sie sich an die zuständige Schlichtungsstelle wenden. Das ist entweder die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr oder das Bundesamt für Justiz. Das Schlichtungsverfahren ist kostenfrei. Einen Gutschein seitens der Fluggesellschaft müssen Sie übrigens nicht akzeptieren. Es handelt sich hierbei um ein freiwilliges Angebot, das Sie annehmen können – oder auch nicht. Bedenken Sie bei Ihrer Entscheidung, dass ein Gutschein im Falle einer Insolvenz der Airline nicht abgesichert ist. Geht die Fluggesellschaft pleite, ist der Gutschein wertlos.

Ob Reisende über den Ticketpreis hinausgehende Ansprüche auf Ausgleichszahlungen oder Schadensersatz haben, lässt sich nicht pauschal beurteilen, sondern ist im Einzelfall zu prüfen.

Wir fordern seit Jahren, dass nicht nur Pauschalreisen, sondern auch „nur“ Flugbuchungen gegen Insolvenzen abgesichert sein sollten. Da der Flugpreis oft viele Wochen im Voraus gezahlt werden muss, tragen Reisende über einen langen Zeitraum das wirtschaftliche Risiko ganz allein und gehen im schlimmsten Fall am Ende sogar leer aus.​​​

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