Sommerurlaub: abwarten, stornieren oder noch buchen?

Corona wird uns voraussichtlich in den nächsten Monaten weiter begleiten – einschließlich der vielen Einschränkungen, die damit verbunden sind. Die weltweit Reisewarnung ist bis Mitte Juni verlängert. Doch was heißt das für den Sommerurlaub? Wir beantworten wichtige Fragen.

Sandburg am Strand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Das Auswärtige Amt hat die weltweite Reisewarnung bis Mitte Juni verlängert.
  2. Für die Erstattung von bereits gezahlten Beträgen ist entscheidend, ob eine Reisewarnung vorliegt und die Reise zum Zeitpunkt des Sommerurlaubs „erheblich erschwert“ ist.
  3. Wenn eine Reise nicht stattfindet, sollten Betroffene darauf drängen, dass ihnen Geld erstattet wird. Gutscheine sind im Insolvenzfall nicht abgesichert.
Stand: 14.05.2020

Die schönste Zeit des Jahres naht und damit auch der Sommerurlaub. Doch die Unsicherheit ist angesichts der Corona-Pandemie groß. Eine normale Urlaubssaison mit vollen Strandbars und Berghütten wird es laut Außenminister Heiko Maas diesen Sommer nicht geben können. Das Auswärtige Amt hat die weltweite Reisewarnung bis Mitte Juni verlängert. Viele Verbraucher fragen sich nun, ob sie überhaupt in den Urlaub fahren können oder eine schon gebuchte Reise doch lieber stornieren sollten.

Leider ist die Situation für Urlauber aktuell sehr unklar und häufig von individuellen Umständen abhängig. Wir versuchen dennoch Fragen zu beantworten, die nun viele Menschen haben. Sollten Sie darüber hinaus gehende Fragen haben, lassen Sie sich gerne von unseren Experten beraten.

Sollte ich meine Pauschalreise für den Sommer stornieren?

Ob Sie Ihren Sommerurlaub absagen und vorsorglich von Ihrer geplanten Reise zurücktreten, müssen Sie letztendlich für sich selbst entscheiden. Grundsätzlich ist beim Stornieren jedoch Vorsicht geboten. Denn kostenfrei können Sie Ihre Pauschalreise nur dann absagen, wenn an Ihrem Urlaubsort während der Urlaubszeit im Juli und August außergewöhnliche Umstände bestehen und die Reise „erheblich erschwert“ ist. Ob das so sein wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt jedoch niemand sagen. Auch eine dann geltende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes kann zu einer kostenfreien Stornierung berechtigen.

  • Wenn Sie eigentlich sehr gerne verreisen möchten und meinen, mit Ihren Reiseplanungen kein Risiko einzugehen, stornieren Sie Ihre Reise nicht vorschnell. Warten Sie ab, ob Ihre (Pauschal)Reise in den Sommermonaten durchgeführt werden kann.
  • Wenn Sie auf keinen Fall verreisen möchten, weil Sie beispielsweise Corona-Risikopatient sind oder eigentlich in einem Land Urlaub machen wollen, in dem es besonders viele Corona-Infektionen gibt, aber die Gesundheitsversorgung eher schlecht ist, sollten Sie Ihre Reise so schnell als möglich stornieren. Je früher Sie absagen, desto weniger Stornokosten müssen Sie zahlen. 

Unser Tipp: Wollen Sie Ihre Reise stornieren, so tun Sie dies auf jeden Fall schriftlich – am besten per Einwurf-Einschreiben. So können Sie im Streitfall den Zeitpunkt der Stornierung nachweisen.

Gut zu wissen

Sie können eine Pauschalreise kostenfrei absagen, wenn diese als „erheblich erschwert“ gilt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie als Urlauber entweder gar nicht in ein Land einreisen können oder – beispielsweise bei einer gebuchten Städtetour – alle öffentlichen Einrichtungen wie Museen und dergleichen geschlossen sind. Auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes berechtigt regelmäßig zur kostenfreien Stornierung. Die aktuelle Warnung gilt bis einschließlich 14. Juni 2020.

Aktuell lässt sich bei vielen Reisezielen allerdings nicht absehen, ob das im Sommer der Fall sein wird. Aus diesem Grund werden Reiseveranstalter vermutlich Stornokosten von Ihnen fordern, wenn Sie Ihre Reise absagen, und diese mit bereits geleisteten Anzahlungen verrechnen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) geht entsprechend eines veröffentlichten Gutachtens davon aus, dass alle bis Ende August 2020 geplanten Auslandsreisen bereits jetzt kostenfrei storniert werden können. Sie sollten Ihre Stornierung daher damit begründen, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Wahrscheinlichkeit der erheblichen Beeinträchtigung durch die Pandemie zum Reisezeitpunkt so hoch ist, dass ein kostenfreier Rücktritt möglich ist. Im Streitfall wird ein Gericht klären müssen, ob Sie zur Zahlung von Stornokosten verpflichtet sind.

Sollte ich Flug und Unterkunft für meinen Sommerurlaub stornieren?

Die Entscheidung, ob Sie Flug und Unterkunft für Ihren Sommerurlaub jetzt stornieren sollten, müssen Sie am Ende allein treffen. Fakt ist: Haben Sie für den Sommer keine Pauschalreise, sondern einzelne Reiseleistungen unabhängig voneinander gebucht, ist die Rechtslage komplizierter.

Sollten Sie sich bei Ihrem Flug für einen Tarif entschieden haben, der keine Stornierung zulässt, so erhalten Sie – unabhängig vom Zeitpunkt der Stornierung – lediglich Steuern und Gebühren zurück. Nur wenn die Fluggesellschaft den Flug annulliert oder ein Einreiseverbot für Ihr Urlaubsland besteht, wird Ihnen der Ticketpreis erstattet.

Bei der Buchung von Unterkünften müssen Sie grundsätzlich den Mietpreis entrichten, auch wenn Sie nicht anreisen. Allerdings können Sie diesen um die Einnahme einer anderweitigen Vermietung sowie die ersparten Aufwendungen kürzen.
Etwas anders verhält es sich, wenn in dem Bundesland (innerhalb Deutschlands), in das Sie eigentlich reisen wollen, zum Zeitpunkt Ihres Urlaubs keine touristischen Vermietungen erlaubt sind. In dem Fall müssen Sie Ihr Geld zurückbekommen. Befindet sich die Ferienunterkunft im Ausland, richten sich Ihre Rechte nach dem Recht des Landes, in dem die Unterkunft liegt.

Unser Tipp: Insbesondere bei Individualreisen gibt es viele verschiedene mögliche Konstellationen. Lassen Sie sich vor einer Stornierung gegebenenfalls für Ihren konkreten Einzelfall beraten.

Sollte ich weitere Zahlungen für meinen Sommerurlaub leisten?

Wer nicht storniert und wessen Reise nicht annulliert wurde, der befindet sich weiter in einem gültigen Vertrag. Den letzten Teilbetrag dürfen Veranstalter frühestens 30 Tage vor Reiseantritt  von Ihnen verlangen.

Zahlen Sie nicht vorschnell, wenn unklar ist, ob Ihre Reise überhaupt durchgeführt werden kann. Bevor ein Anbieter zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt wäre, müsste er Ihnen zunächst eine Frist zur Zahlung setzen. Dadurch lässt sich im Zweifel Zeit gewinnen, um die weiteren Entwicklungen und eine eventuelle Möglichkeit zur kostenfreien Stornierung besser einschätzen zu können. Zahlen Sie dann innerhalb der gesetzten Frist nicht, kann der  Reiseveranstalter den Vertrag kündigen und Sie mit den Stornokosten belasten.

Eine andere Möglichkeit die Restzahlung zu verweigern, kann das Erheben der sogenannten Unsicherheitseinrede sein. Die funktioniert wie folgt: Haben Sie Bedenken hinsichtlich der Durchführbarkeit Ihrer Reise und führen die „Unsicherheitseinrede“ als Begründung an, so können Sie die Restzahlung solange verweigern bis klar ist, das Ihre Reise tatsächlich stattfindet. Allerdings muss die Zahlung noch vor Reisebeginn erfolgen. Das Geld sollte also spätestens drei Tage vor Reiseantritt überwiesen werden. Da die derzeitige Situation für alle neu ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Gerichte die „Unsicherheitseinrede“ für zulässig halten.

Welche Rechte habe ich, wenn mein Sommerurlaub abgesagt wurde?

Nicht nur Verbraucher können einen Vertrag stornieren, auch Fluglinien, Hotels oder Reiseveranstalter können Ihnen aufgrund besonderer Umstände kündigen.

Pauschalreise: Sagt ein Veranstalter Ihre Reise ab, so muss er Ihnen innerhalb von 14 Tagen den gezahlten Reisepreis erstatten. Sollten Sie kein Geld erhalten, fordern Sie das Reiseunternehmen per Einwurf-Einschreiben zur Rückzahlung der bereits geleisteten Beträge auf. Setzen Sie dabei unbedingt eine konkrete Frist.
Trifft den Veranstalter kein Verschulden an der Absage (wie es wegen der Corona-Pandemie wohl der Fall wäre), steht Ihnen über Ihr gezahltes Geld hinaus kein Schadensersatzanspruch zu, beispielsweise wegen entgangener Urlaubsfreuden.

Flug: Annulliert eine Fluggesellschaft Ihren Urlaubsflug, so muss man Ihnen den vollen Flugpreis zurückzahlen.

Hotel / Ferienwohnung: Storniert Ihr Vermieter den Aufenthalt, hat er Ihnen selbstverständlich den gezahlten Mietpreis zu erstatten.

Sollte ich Gutscheine für abgesagte Reisen und Flüge akzeptieren?

Veranstalter können Verträge ebenfalls kündigen, wenn sie eine Reise nicht mehr wie geplant durchführen können. In diesem Fall müssen Ihnen geleistete Zahlungen binnen 14 Tagen vollständig erstattet werden. Zahlreiche Unternehmen bieten Reisenden nun Gutscheine für den nächsten Urlaub an, und auch die Bundesregierung favorisiert das Gutschein-Modell. Das kann für Sie gut ausgehen, muss es aber nicht.

Zwar sind die Leistungen von Pauschalreisen im Insolvenzfall abgesichert, doch für Gutscheine als geldwerter Vorteil ist das nicht klar im Gesetzestext geregelt. Wir raten daher davon ab, unter den aktuellen Umständen Gutscheine von Unternehmen anzunehmen.

Stellt Ihnen die Fluggesellschaft für einen annullierten Flug einen Gutschein aus, müssen Sie das nicht akzeptieren. Einige Unternehmen beziehen sich in ihrer Argumentation auf einen Beschluss der Bundesregierung. Dieser Beschluss war aber lediglich der Wunschzettel der Bundesregierung an die EU-Kommission, die bestehenden rechtlichen Regelungen im Bereich Flug und Pauschalreise zugunsten eines verpflichtenden Gutschein-Modells abzuändern. Diesem Vorschlag hat die EU-Kommission eine Absage erteilt. Lediglich eine freiwillige Gutschein-Lösung darf es geben.

Entscheiden sich Kunden für einen Gutschein statt einer Erstattung des Geldes, so muss sichergestellt sein, dass dieser gegen die Insolvenz der Airline bzw. des Reiseveranstalters abgesichert ist. Einzelne EU-Länder, die national bereits eine verpflichtende Gutschein-Lösung eingeführt hatten, erhielten Post aus Brüssel, in der sie zur Einhaltung der (zwingenden) EU-Regeln aufgefordert wurden.

Kann ein Veranstalter meine Reise umbuchen?

Viele Unternehmen bieten Reisenden zurzeit an, Pauschalreisen auf einen späteren Zeitraum zu verlegen. So wollen sie Erstattungen möglichst aus dem Weg gehen. Kunden haben bei den entsprechenden Voraussetzungen (Reisewarnung des Auswärtigen Amts, erheblich erschwerte Bedingungen) eigentlich ein Recht auf die Rückzahlung des Reisepreises. Entscheiden Sie sich dennoch für eine Umbuchung, sind Ihre Zahlungen durch den Sicherungsschein im Fall der Insolvenz des Reiseveranstalters geschützt.

Sollte ich jetzt noch einen Sommerurlaub buchen?

Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter bieten nach wie vor Flüge und Urlaubsreisen für diesen Sommer oder auch das nächste Jahr an. Einer Buchung steht also eigentlich nichts im Wege. 

Angesichts der vielen Unwägbarkeiten raten wir Ihnen, bei Ihrer Urlaubsplanung für die Zeit nach der Reisewarnung lieber Pauschalreisen zu buchen. Warum? Pauschalreisen sind durch einen sogenannten Sicherungsschein abgesichert. Leisten Sie also eine Anzahlung, so sehen Sie Ihr Geld wieder, auch wenn der Reiseveranstalter möglicherweise Insolvenz anmelden muss. Bei der Stornierung von Reisen sind Pauschalreisende ebenfalls grundsätzlich besser gestellt als Individualreisende, die Flug, Hotel oder Mietwagen selbst buchen.

Die Politik rät zurzeit übrigens zum Sommerurlaub in Deutschland.

Unser Angebot

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Erde aus. Die Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Vor allem in Sachen Reisen sind noch viele Fragen offen. Haben Sie ein Problem mit Ihrem Reiseanbieter oder wissen nicht, was in Ihrem Fall zu tun ist. Dann kontaktieren Sie unsere Experten telefonisch oder per E-Mail. Alle Kontaktdaten finden Sie am Ende dieser Seite.

Bücher und Broschüren