Urlaub buchen trotz Corona?

Urlaub im Ausland war lange undenkbar, doch dann entspannte sich die Lage. Nun steigen die Corona-Fallzahlen in ganz Europa wieder, und es gelten neue Reisewarnungen. Reisende fragen sich, was jetzt mit ihrem Urlaub passiert.

Menschen laufen in Fußgängerzone der Sonne entgegen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Das Auswärtige Amt hat neue Reisewarnungen für verschiedene Ländern und Regionen in Europa ausgesprochen.
  2. Für die Erstattung von bereits gezahlten Beträgen für Urlaubsreisen ist entscheidend, ob eine Reisewarnung vorliegt bzw. die Reise zum Zeitpunkt des Urlaubs „erheblich erschwert“ ist.
  3. Wenn eine Reise nicht stattfindet, sollten Betroffene darauf drängen, dass ihnen Geld erstattet wird.
Stand: 30.09.2020

Die Urlaubszeit ist die wohl schönste Zeit des Jahres. Nun stehen die Herbstferien vor der Tür. Doch die Unsicherheit vieler Menschen ist angesichts steigender Corona-Fallzahlen in vielen Ländern groß. Sie fragen sich, ob sie überhaupt in den Urlaub fahren können oder eine schon gebuchte Reise doch lieber stornieren sollten.

Leider ist die Situation für Urlauber weiterhin sehr unklar und häufig von individuellen Umständen und aktuellen Reisewarnungen abhängig. Wir versuchen wichtige Fragen zu beantworten. Insbesondere bei Individualreisen gibt es jedoch viele verschiedene Konstellationen. Lassen Sie sich vor einer Stornierung gegebenenfalls für Ihren konkreten Einzelfall von uns beraten.

Sollte ich meine Pauschalreise stornieren?

Ob Sie Ihren Urlaub absagen und vorsorglich von Ihrer geplanten Reise zurücktreten, müssen Sie letztendlich für sich selbst entscheiden. Grundsätzlich ist beim Stornieren jedoch Vorsicht geboten. Denn kostenfrei können Sie Ihre Pauschalreise nur dann absagen, wenn an Ihrem Urlaubsort während der Urlaubszeit außergewöhnliche Umstände bestehen und die Reise „erheblich erschwert“ ist. Auch eine dann geltende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes kann zu einer kostenfreien Stornierung berechtigen.

  • Wenn Sie eigentlich sehr gerne verreisen möchten und meinen, mit Ihren Reiseplanungen kein Risiko einzugehen, stornieren Sie Ihre Reise nicht vorschnell. Warten Sie ab, ob Ihre (Pauschal)Reise tatsächlich durchgeführt werden kann.
  • Wenn Sie auf keinen Fall verreisen möchten, weil Sie beispielsweise Corona-Risikopatient sind oder eigentlich in einem Land Urlaub machen wollen, in dem es besonders viele Corona-Infektionen gibt, aber die Gesundheitsversorgung eher schlecht ist, sollten Sie Ihre Reise so schnell als möglich stornieren. Je früher Sie absagen, desto weniger Stornokosten müssen Sie zahlen. 

Unser Tipp: Wollen Sie Ihre Reise stornieren, so tun Sie dies auf jeden Fall schriftlich – am besten per Einwurf-Einschreiben. So können Sie im Streitfall den Zeitpunkt der Stornierung nachweisen.

Gut zu wissen

Sie können eine Pauschalreise kostenfrei absagen, wenn diese als „erheblich erschwert“ gilt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie als Urlauber entweder gar nicht in ein Land einreisen können, im Reiseland erst einmal in eine Quarantäne müssen oder – beispielsweise bei einer gebuchten Städtetour – alle öffentlichen Einrichtungen wie Museen und dergleichen geschlossen sind. Auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes berechtigt regelmäßig zur kostenfreien Stornierung. Die aktuelle Warnung gilt bis einschließlich 14. September 2020.

Sind die zuvor genannten Umstände nicht gegeben, werden Reiseveranstalter vermutlich Stornokosten von Ihnen fordern, wenn Sie Ihre Reise absagen, und diese mit bereits geleisteten Anzahlungen verrechnen.

Sollte ich Flug und Unterkunft für meinen Urlaub stornieren?

Die Entscheidung, ob Sie Flug und Unterkunft für Ihre Reise jetzt stornieren sollten, müssen Sie am Ende allein treffen. Fakt ist: Haben Sie keine Pauschalreise, sondern einzelne Reiseleistungen unabhängig voneinander gebucht, ist die Rechtslage komplizierter.

Sollten Sie sich bei Ihrem Flug für einen Tarif entschieden haben, der keine Stornierung zulässt, so erhalten Sie – unabhängig vom Zeitpunkt der Stornierung – lediglich Steuern und Gebühren zurück. Nur wenn die Fluggesellschaft den Flug annulliert oder ein Einreiseverbot für Ihr Urlaubsland besteht, wird Ihnen der Ticketpreis erstattet.

Bei der Buchung von Unterkünften müssen Sie grundsätzlich den Mietpreis entrichten, auch wenn Sie nicht anreisen. Allerdings können Sie diesen um die Einnahme einer anderweitigen Vermietung sowie die ersparten Aufwendungen kürzen.
Etwas anders verhält es sich, wenn in dem Bundesland (innerhalb Deutschlands), in das Sie eigentlich reisen wollen, zum Zeitpunkt Ihres Urlaubs keine touristischen Vermietungen erlaubt sind. In dem Fall müssen Sie Ihr Geld zurückbekommen. Befindet sich die Ferienunterkunft im Ausland, richten sich Ihre Rechte nach dem Recht des Landes, in dem die Unterkunft liegt.

Sollte ich weitere Zahlungen für meinen Urlaub leisten?

Wer nicht storniert und wessen Reise nicht annulliert wurde, der befindet sich weiter in einem gültigen Vertrag. Den letzten Teilbetrag dürfen Veranstalter frühestens 30 Tage vor Reiseantritt  von Ihnen verlangen.

Zahlen Sie nicht vorschnell, wenn unklar ist, ob Ihre Reise überhaupt durchgeführt werden kann. Bevor ein Anbieter zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt wäre, müsste er Ihnen zunächst eine Frist zur Zahlung setzen. Dadurch lässt sich im Zweifel Zeit gewinnen, um die weiteren Entwicklungen und eine eventuelle Möglichkeit zur kostenfreien Stornierung besser einschätzen zu können. Zahlen Sie dann innerhalb der gesetzten Frist nicht, kann der  Reiseveranstalter den Vertrag kündigen und Sie mit den Stornokosten belasten.

Eine andere Möglichkeit die Restzahlung zu verweigern, kann das Erheben der sogenannten Unsicherheitseinrede sein. Die funktioniert wie folgt: Haben Sie Bedenken hinsichtlich der Durchführbarkeit Ihrer Reise und führen die „Unsicherheitseinrede“ als Begründung an, so können Sie die Restzahlung solange verweigern bis klar ist, das Ihre Reise tatsächlich stattfindet. Allerdings muss die Zahlung noch vor Reisebeginn erfolgen. Das Geld sollte also spätestens drei Tage vor Reiseantritt überwiesen werden. Da die derzeitige Situation für alle neu ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Gerichte die „Unsicherheitseinrede“ für zulässig halten.

Welche Rechte habe ich, wenn mein Urlaub abgesagt wurde?

Nicht nur Verbraucher können einen Vertrag stornieren, auch Fluglinien, Hotels oder Reiseveranstalter können Ihnen aufgrund besonderer Umstände kündigen.

Pauschalreise: Sagt ein Veranstalter Ihre Reise ab, so muss er Ihnen innerhalb von 14 Tagen den gezahlten Reisepreis erstatten. Sollten Sie kein Geld erhalten, fordern Sie das Reiseunternehmen per Einwurf-Einschreiben zur Rückzahlung der bereits geleisteten Beträge auf. Setzen Sie dabei unbedingt eine konkrete Frist. Trifft den Veranstalter kein Verschulden an der Absage (wie es wegen der Corona-Pandemie wohl der Fall wäre), steht Ihnen über Ihr gezahltes Geld hinaus kein Schadensersatzanspruch zu, beispielsweise wegen entgangener Urlaubsfreuden.

Flug: Annulliert eine Fluggesellschaft Ihren Urlaubsflug, so muss man Ihnen den vollen Flugpreis zurückzahlen.

Hotel / Ferienwohnung: Storniert Ihr Vermieter den Aufenthalt, hat er Ihnen selbstverständlich den gezahlten Mietpreis zu erstatten.

Sollte ich Gutscheine für abgesagte Reisen und Flüge akzeptieren?

Veranstalter können Verträge ebenfalls kündigen, wenn sie eine Reise nicht mehr wie geplant durchführen können. In diesem Fall müssen Ihnen geleistete Zahlungen binnen 14 Tagen vollständig erstattet werden. Zahlreiche Unternehmen bieten Reisenden Gutscheine für den nächsten Urlaub an.

Die Leistungen von Pauschalreisen sind im Insolvenzfall abgesichert. Neuerdings sind auch Gutscheine teilweise – wie die Pauschalreise selbst – im Insolvenzfall abgesichert. Voraussetzung ist, dass die Reise vor dem 8. März 2020 gebucht wurde und der Reisende oder der Veranstalter wegen erheblicher Beeinträchtigung der Reise aufgrund der COVID-19-Pandemie vom Vertrag zurücktritt. Das bedeutet: Geht das Reiseunternehmen pleite, das Ihnen den Gutschein ausgestellt hat, ist Ihr Geld nicht verloren. Lösen Sie Ihren Gutschein nicht bis Ende 2021 ein, muss er ausgezahlt werden. Achtung, die Insolvenzsicherung durch einen Kundengeldabsicherer muss sich aus dem Gutschein ergeben. Wichtig, anders als bei Veranstaltungen sind Sie nicht verpflichtet, den Gutschein zu akzeptieren. Sie können auch weiterhin die Rückzahlung des Reisepreises fordern.

Stellt Ihnen die Fluggesellschaft für einen annullierten Flug einen Gutschein aus, müssen Sie das nicht akzeptieren. Einige Unternehmen beziehen sich in ihrer Argumentation auf einen Beschluss der Bundesregierung. Dieser Beschluss war aber lediglich der „Wunschzettel“ der Bundesregierung an die EU-Kommission, die bestehenden rechtlichen Regelungen im Bereich Flug und Pauschalreise zugunsten eines verpflichtenden Gutschein-Modells abzuändern. Diesem Vorschlag hat die EU-Kommission eine Absage erteilt. Bisher darf es nur eine freiwillige Gutschein-Lösung geben. Wichtig: Wenn Sie überlegen einen Gutschein von einer Airline zu akzeptieren, so bedenken Sie, dass dieser im Fall der Insolvenz nicht abgesichert ist (sie Ihr Geld also möglicherweise nicht wiedersehen).

Kann ein Veranstalter meine Reise umbuchen?

Viele Unternehmen bieten Reisenden zurzeit an, Pauschalreisen auf einen späteren Zeitraum zu verlegen. So wollen sie Erstattungen möglichst aus dem Weg gehen. Kunden haben bei den entsprechenden Voraussetzungen (Reisewarnung des Auswärtigen Amts, erheblich erschwerte Bedingungen) eigentlich ein Recht auf die Rückzahlung des Reisepreises. Entscheiden Sie sich dennoch für eine Umbuchung, sind Ihre Zahlungen durch den Sicherungsschein im Fall der Insolvenz des Reiseveranstalters geschützt.

Sollte ich jetzt noch eine Urlaubsreise buchen?

Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter bieten nach wie vor Flüge und Urlaubsreisen für diesen Sommer oder auch das nächste Jahr an. Einer Buchung steht also eigentlich nichts im Wege. 

Angesichts der vielen Unwägbarkeiten – insbesondere bei Reisen außerhalb Europas – raten wir Ihnen, für die Zeit nach der Reisewarnung lieber Pauschalreisen zu buchen. Warum? Pauschalreisen sind durch einen sogenannten Sicherungsschein abgesichert. Leisten Sie also eine Anzahlung, so muss Ihnen Ihr Geld erstattet werden, auch wenn der Reiseveranstalter möglicherweise pleite geht. Bei der Stornierung von Reisen sind Pauschalreisende ebenfalls grundsätzlich besser gestellt als Individualreisende, die Flug, Hotel oder Mietwagen selbst buchen.

Unser Angebot

Vor allem in Sachen Reisen sind aufgrund der Corona-Pandemie weiterhin viele Fragen offen. Haben Sie ein Problem mit Ihrem Reiseanbieter oder wissen nicht, was in Ihrem Fall zu tun ist. Dann kontaktieren Sie unsere Experten telefonisch oder per E-Mail. Alle Kontaktdaten finden Sie am Ende dieser Seite.

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