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Urlaub buchen trotz Corona?

Lange schien ein Urlaub im Ausland unvorstellbar, doch nun ist das Reisen vielerorts wieder möglich. Aber was ist – mit Blick auf Corona – bei der Urlaubsplanung zu beachten? Was tun, wenn eine Reise nicht stattfinden kann? Wir beantworten wichtige Fragen.

Menschen laufen in Fußgängerzone der Sonne entgegen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Angesichts möglicher Einschränkungen wegen der weltweiten Corona-Pandemie sollten Verbraucherinnen und Verbraucher vor der Buchung einer Reise einiges beachten.
  2. Die rechtliche Situation in Sachen Reisen ist kompliziert und in vielen Punkten ungeklärt. Bei Pauschalreisen sind Reisende grundsätzlich besser vor finanziellen Verlusten geschützt als bei einzeln gebuchten Flügen oder Übernachtungen.
  3. Für die Erstattung von bereits gezahlten Beträgen für Urlaubs(pauschal)reisen ist entscheidend, ob eine Reisewarnung für ein Land oder eine Region vorliegt bzw. die Reise zum Zeitpunkt des Urlaubs „erheblich erschwert“ ist. Ob allein eine Reisewarnung für Hochinzidenzgebiete weiterhin zur kostenfreien Stornierung berechtigt, könnte künftig wohl zu Streit führen.
Stand: 21.06.2022

Auch wenn sich die Situation rund ums Reisen wieder entspannt, so ist die Unsicherheit vieler Menschen nach wie vor groß. Sollte man überhaupt in den Urlaub fahren? Wohin kann man reisen? Wie lange im Voraus sollte man planen? Wann kann man eine schon gebuchte Reise stornieren?

Leider ist die Situation für Reisende sehr unklar und häufig von individuellen Umständen und aktuellen Reisewarnungen abhängig. Wir versuchen, wichtige Fragen zu beantworten, aber gerade bei Individualreisen gibt es viele verschiedene Konstellationen. Lassen Sie sich gegebenenfalls für Ihren konkreten Einzelfall von uns beraten.

Sollte ich eine Urlaubsreise buchen?

Fluggesellschaften und Reiseveranstalter bieten wieder Flüge und Urlaubsreisen an. Einer Buchung steht also eigentlich nichts im Wege. Doch damit die Urlaubsvorfreude nicht zum Verlustgeschäft wird, sollten Sie einiges beachten.

Tipp 1: Lieber Pauschalreisen buchen
Bei Pauschalreisen sind Ihre Zahlungen gegen die Insolvenz des Reiseveranstalters abgesichert. Das muss das Reiseunternehmen mit einem Sicherungsschein bei der Buchung nachweisen. Erst dann dürfen Veranstalter oder Reisebüros eine Anzahlung von Ihnen verlangen. Ebenso können Sie Ihre Pauschalreise grundsätzlich kostenfrei stornieren, wenn diese durch Einschränkungen unmöglich ist oder stark erschwert wird, zum Beispiel bei einem Lockdown, Einreise- oder Beherbergungsverboten sowie Ausgangssperren am Reiseziel.
Bei Individualreisen – also wenn Sie Flug und Unterkunft selbst buchen – sollten Sie vorab genau prüfen, unter welchen Voraussetzungen eine kostenfreie Stornierung möglich ist. Viele Betroffene hatten sich im vergangenen Jahr bei uns beschwert, weil Ferienhausanbieter trotz geschlossener Grenzen bis zu 100 Prozent des Mietpreises verlangten.

Tipp 2: Vorauszahlungen vermeiden
Für Individualreisen gibt es keinen gesetzlichen Insolvenzschutz. Buchen Sie Hotel oder Flug Monate im Voraus und zahlen sofort, ist das Geld im Fall der Insolvenz des Vermieters oder der Airline in der Regel verloren. Sollten Sie nur einen Flug buchen wollen, tun Sie das am besten direkt bei der Airline und zahlen Sie per Kreditkarte. Falls die Fluggesellschaft Insolvenz anmeldet, besteht so eine größere Chance auf Erstattung. Voraussetzung ist, dass Ihre Kreditkartengesellschaft ein Chargeback-Verfahren anbietet.

Tipp 3: Kurzfristig reisen, wichtige Fragen vorab klären
Wenn Sie Ihre Individualreise spontan buchen und erst kurz vor Reisebeginn bezahlen, ist das Risiko geringer, weil sich die Gegebenheiten vor Ort besser einschätzen lassen. Informieren Sie sich vor Ihrer Reise über die Situation an Ihrem Urlaubsziel. Ist das Reiseland als Hochrisikogebiet oder Virusvariantengebiet eingestuft? Gelten Einschränkungen vor Ort und bei Ihrer Rückkehr? Müssen Sie bestimmte Auflagen erfüllen? Sie sollten außerdem wissen, welche Stornierungsmöglichkeiten im Vertrag festgehalten sind. Manche Anbieter ermöglichen gegen Zuzahlung eine kostenfreie Umbuchung oder Rücktrittsmöglichkeit bis 14 Tage vor Reisebeginn, wenn Sie beispielsweise aus persönlichen Gründen nicht reisen möchten, aber die Reise objektiv ohne erhebliche Einschränkungen möglich wäre. Achten Sie bei diesen Angeboten auf das Kleingedruckte. Auch sollten Sie sich nie auf mündliche Zusagen verlassen. Entscheidend ist, was im Vertrag steht oder Ihnen schriftlich zugesichert wurde.

Sollte ich meine Reise zusätzlich versichern?

Grundsätzlich besteht aus unserer Sicht keine Notwendigkeit, spezielle Versicherungsverträge abzuschließen. Haben Sie teure Reise gebucht, kann der Abschluss einer Reiserücktritts- oder abbruchversicherung sinnvoll sein. Achten Sie darauf, dass die Versicherung auch den Rücktritt oder Abbruch aufgrund einer Corona-Erkrankung einschließt.

Wann kann eine Reise storniert werden?

Verschlechtert sich die Infektionslage an Ihrem Urlaubsort oder auch in Deutschland, kann der Traum vom erholsamen Urlaub doch noch platzen. Verreisen oder nicht? Lieber stornieren oder weiterzahlen? Wie viel Geld bleibt auf der Strecke? Das sollten Sie wissen, wenn Sie die Absage einer Reise in Betracht ziehen.

Sollte ich meine Pauschalreise stornieren?

Grundsätzlich ist beim Stornieren Vorsicht geboten. Denn kostenfrei können Sie Ihre Pauschalreise nur dann absagen, wenn an Ihrem Urlaubsort während der Urlaubszeit außergewöhnliche Umstände bestehen und die Reise „erheblich erschwert“ ist. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie entweder gar nicht in ein Land einreisen können, im Reiseland erst einmal in Quarantäne müssen oder – beispielsweise bei einer gebuchten Städtetour – alle öffentlichen Einrichtungen wie Museen und dergleichen geschlossen sind. Auch eine geltende Reisewarnung des Auswärtigen Amtes berechtigte in der Vergangenheit regelmäßig zu einer kostenfreien Stornierung. Allerdings steht zu befürchten, dass die Frage, ob allein eine Reisewarnung für Hochinzidenzgebiete zur kostenfreien Stornierung berechtigt, künftig zu Streit führen kann.

Sind die zuvor genannten Umstände nicht gegeben, werden Reiseveranstalter vermutlich Stornokosten von Ihnen fordern, wenn Sie Ihre Reise absagen, und diese mit bereits geleisteten Anzahlungen verrechnen.

  • Wenn Sie eigentlich sehr gerne verreisen möchten und meinen, mit Ihren Reiseplanungen kein Risiko einzugehen, stornieren Sie Ihre Reise nicht vorschnell. Warten Sie ab, ob Ihre (Pauschal)Reise tatsächlich durchgeführt werden kann.
  • Wenn Sie auf keinen Fall verreisen möchten, weil es in Ihrem Urlaubsland besonders viele Corona-Infektionen gibt, aber die Gesundheitsversorgung eher schlecht ist (und Sie kein Risiko eingehen wollen), sollten Sie Ihre Reise so schnell als möglich stornieren. Je früher Sie absagen, desto weniger Stornokosten müssen Sie zahlen. 

Unser Tipp: Wollen Sie Ihre Reise stornieren, so tun Sie dies auf jeden Fall schriftlich – am besten per Einwurf-Einschreiben. So können Sie im Streitfall den Zeitpunkt der Stornierung nachweisen.

Sollte ich Flug und Unterkunft für meinen Urlaub stornieren?

Haben Sie keine Pauschalreise, sondern einzelne Reiseleistungen unabhängig voneinander gebucht, ist die Rechtslage kompliziert.

Sollten Sie sich bei Ihrem Flug für einen Tarif entschieden haben, der keine Stornierung zulässt, so erhalten Sie – unabhängig vom Zeitpunkt der Stornierung – lediglich Steuern und Gebühren zurück. Nur wenn die Fluggesellschaft den Flug annulliert oder ein Einreiseverbot für Ihr Urlaubsland besteht, wird Ihnen der Ticketpreis erstattet. Viele Airlines bieten mittlerweile auch die Möglichkeit an, einen Flug kurzfristig umzubuchen, sollte man seine Reise doch nicht antreten können.

Bei der Buchung von Unterkünften müssen Sie grundsätzlich den Mietpreis entrichten, auch wenn Sie nicht anreisen. Allerdings können Sie diesen um die Einnahme einer anderweitigen Vermietung sowie die ersparten Aufwendungen kürzen.
Etwas anders verhält es sich, wenn in dem Bundesland (innerhalb Deutschlands), in das Sie eigentlich reisen wollen, zum Zeitpunkt Ihres Urlaubs keine touristischen Vermietungen erlaubt sind. In dem Fall müssen Sie Ihr Geld zurückbekommen. Befindet sich die Ferienunterkunft im Ausland, richten sich Ihre Rechte nach dem Recht des Landes, in dem die Unterkunft liegt.

Sollte ich weitere Zahlungen leisten?

Wer nicht storniert und wessen Reise nicht annulliert wurde, der befindet sich weiter in einem gültigen Vertrag. Den letzten Teilbetrag dürfen Veranstalter frühestens 30 Tage vor Reiseantritt  von Ihnen verlangen.

Zahlen Sie nicht vorschnell, wenn unklar ist, ob Ihre Reise überhaupt durchgeführt werden kann. Bevor ein Anbieter zum Rücktritt vom Vertrag berechtigt wäre, müsste er Ihnen zunächst eine Frist zur Zahlung setzen. Dadurch lässt sich im Zweifel Zeit gewinnen, um die weiteren Entwicklungen und eine eventuelle Möglichkeit zur kostenfreien Stornierung besser einschätzen zu können. Zahlen Sie dann innerhalb der gesetzten Frist nicht, kann der Reiseveranstalter den Vertrag kündigen und Sie mit den Stornokosten belasten.

Eine andere Möglichkeit die Restzahlung zu verweigern, kann das Erheben der sogenannten Unsicherheitseinrede sein. Die funktioniert wie folgt: Haben Sie Bedenken hinsichtlich der Durchführbarkeit Ihrer Reise und führen die „Unsicherheitseinrede“ als Begründung an, so können Sie die Restzahlung verweigern bis klar ist, dass Ihre Reise tatsächlich stattfindet. Allerdings muss die Zahlung noch vor Reisebeginn erfolgen. Das Geld sollte also spätestens drei Tage vor Reiseantritt überwiesen werden. Da die derzeitige Situation noch immer neu ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob die Gerichte die „Unsicherheitseinrede“ für zulässig halten.

Welche Rechte habe ich, wenn mein Urlaub abgesagt wurde?

Nicht nur Verbraucherinnen und Verbraucher können einen Vertrag stornieren, auch Fluglinien, Hotels oder Reiseveranstalter dürfen Ihnen aufgrund besonderer Umstände kündigen.

Pauschalreise: Sagt ein Veranstalter Ihre Reise ab, so muss er Ihnen innerhalb von 14 Tagen den gezahlten Reisepreis erstatten. Sollten Sie kein Geld erhalten, fordern Sie das Reiseunternehmen per Einwurf-Einschreiben zur Rückzahlung der bereits geleisteten Beträge auf. Setzen Sie dabei unbedingt eine konkrete Frist. Trifft den Veranstalter kein Verschulden an der Absage (wie es wegen der Corona-Pandemie wohl der Fall wäre), steht Ihnen über Ihr gezahltes Geld hinaus kein Schadensersatzanspruch zu, beispielsweise wegen entgangener Urlaubsfreuden.

Flug: Annulliert eine Fluggesellschaft Ihren Urlaubsflug, so muss man Ihnen den vollen Flugpreis zurückzahlen.

Hotel / Ferienwohnung: Storniert Ihr Vermieter den Aufenthalt, hat er Ihnen selbstverständlich den gezahlten Mietpreis zu erstatten.

Sollte ich Gutscheine für abgesagte Reisen und Flüge akzeptieren?

Veranstalter können Verträge ebenfalls kündigen, wenn sie eine Reise nicht mehr wie geplant durchführen können. In diesem Fall müssen Ihnen geleistete Zahlungen binnen 14 Tagen vollständig erstattet werden. Zahlreiche Unternehmen bieten Reisenden Gutscheine für den nächsten Urlaub an.

Grundsätzlich ist bei Pauschalreisen der Reisepreis im Insolvenzfall abgesichert. Gutscheine hingegen sind nicht von diesem Insolvenzschutz erfasst. Das bedeutet: Geht das Reiseunternehmen pleite, das Ihnen den Gutschein ausgestellt hat, ist Ihr Geld verloren. Etwas anders gilt nur, wenn Sie Ihre Reise vor dem 8. März 2020 gebucht haben und Ihnen ein Gutschein ausgestellt wurde, weil Sie oder der Veranstalter wegen erheblicher Beeinträchtigung der Reise aufgrund der COVID-19-Pandemie vom Vertrag zurückgetreten ist.

Stellt Ihnen die Fluggesellschaft für einen annullierten Flug einen Gutschein aus, müssen Sie das nicht akzeptieren. Wenn Sie überlegen einen Gutschein von einer Airline zu akzeptieren, so bedenken Sie, dass dieser im Fall der Insolvenz nicht abgesichert ist (Sie Ihr Geld also möglicherweise nicht wiedersehen).

Kann ein Veranstalter meine Reise umbuchen?

Viele Unternehmen bieten Reisenden an, Pauschalreisen auf einen späteren Zeitraum zu verlegen. So wollen sie Erstattungen möglichst aus dem Weg gehen. Kunden haben bei den entsprechenden Voraussetzungen (Reisewarnung des Auswärtigen Amts, erheblich erschwerte Bedingungen) eigentlich ein Recht auf die Rückzahlung des Reisepreises. Entscheiden Sie sich dennoch für eine Umbuchung, sind Ihre Zahlungen durch den Sicherungsschein im Fall der Insolvenz des Reiseveranstalters geschützt.

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