Fonds: Ethisch? Ökologisch? Na ja!

Stand: 08.10.2014

Die meisten Menschen wollen Rüstung, Waffen und Kinderarbeit nicht in einem nachhaltigen Fonds sehen. Eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bremen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Warentest hat Fondsprodukte dahingehend überprüft, wie konsequent sie diese und weitere ethisch und ökologisch bedenkliche Bereiche ausschließen. 34 Aktienfonds und 12 Rentenfonds haben die Verbraucherschützer genauer unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis in der Zusammenfassung

  • 39 von 44 untersuchten Investmentfonds, die in Unternehmensaktien oder -anleihen investieren, schließen die klimaschädliche Kohle- und Ölindustrie nicht aus.

  • Acht nachhaltige Investmentfonds garantieren nicht, dass kein Geld mit Investitionen in Kriegsgerät wie Panzer oder Waffen verdient wird.

  • Fünf getestete Fonds lehnen Kinderarbeit nicht explizit ab.

  • Nur ein Aktienfonds meidet bei Investitionen alle im Rahmen der Untersuchung als kontrovers bewerteten Geschäftsfelder konsequent.

Das Fazit

Nachhaltig ist nicht gleich nachhaltig! Generell gibt es bei den untersuchten Fonds große Unterschiede hinsichtlich der Ausschlusskriterien. Bei vielen wird der Klimaschutz nicht ausreichend berücksichtigt. Ölkonzerne werden beispielsweise von Fondsmanagern ethisch-ökologischer Investmentfonds immer noch als Investition ausgewählt. Firmen, die die international geächteten Waffengattungen Antipersonenminen und Streumunition herstellen, schließen hingegen alle untersuchten Fonds aus.

Ergebnisse im Detail

Ausführliche Informationen zu allen untersuchten Fonds sind in nach den Fondsgruppen Aktienfonds Welt und Rentenfonds Welt (Euro) gegliederten Marktübersichten dargestellt. Damit können Sie sich als Anleger besser auf dem Markt der ethisch-ökologischen Investmentfonds orientieren.

Die Übersichten zeigen neben den Bewertungen, in welche Bereiche die jeweiligen Fonds konkret nicht investieren, in welche Bereiche sie gezielt investieren und welches bei den Aktienfonds die zehn größten Positionen sind. Gerade weil jeder Anbieter Nachhaltigkeit anders definiert und es für ethisch-ökologische Finanzprodukte keine Mindeststandards gibt, ist es für Verbraucher wichtig, zu erfahren, ob ein Fonds bestimmte Bereiche konsequent ausschließt und wenn ja, welche dies sind.

Klimaschutz im Fokus

Bei den ethisch-ökologischen Aktienfonds wurde außerdem der Aspekt Klimaschutz besonders ins Auge gefasst und hierzu eine separate Marktübersicht mit den klimafreundlichsten Aktienfonds zusammengestellt. Wichtig war an dieser Stelle nicht nur, dass ein Fonds in bestimmte Bereiche wie Erneuerbare Energien oder Energieeffizienz investiert, sondern auch, dass Unternehmen aus der klimaschädlichen Kohle- und Ölindustrie ausgeschlossen werden. Auch das überschaubare Angebot an ETF in dem Bereich hat die Verbraucherzentrale Bremen bewertet.

Mangelhafte Kommunikation

Ein weiterer Kritikpunkt aus Verbrauchersicht: Bei vielen Anbietern lässt die Kommunikation zu wünschen übrig. Nur 13 der 46 untersuchten Fonds haben eine sehr hohe bzw. hohe Transparenz. Nahezu die Hälfte – nämlich 20 Fonds – kommunizieren die Nachhaltigkeit ihrer Investitionen eher schlecht.

Test-Methode und Darstellung der Nachhaltigkeitsansätze

Für die Untersuchung erhielten die Fondsgesellschaften einen umfangreichen Fragebogen.

Die in der Untersuchung veröffentlichten Fondsdaten zu den Nachhaltigkeitsansätzen stammen von den Anbietern selbst. Um nach ihren jeweiligen Kriterien nachhaltige Titel auszuwählen, arbeiten die Anbieter mit Agenturen zusammen, die Firmen und Staaten nach ethischen und ökologischen Kriterien bewerten. Sie verlassen sich dabei oft auf die Angaben der Unternehmen. Ethisch-ökologische Investments sind daher spätestens an dieser Stelle auch in dieser Untersuchung Vertrauenssache.

Über das Projekt

Mit dem gemeinsamen Projekt „Klimafreundliche Geldanlage“ wollen die Verbraucherzentralen Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein einen Beitrag zu mehr Transparenz und Verbraucherschutz im grünen Finanzmarkt leisten.