Geld für die gute Sache

Was zählt ist die Rendite? Weit gefehlt. Ihre Zinsen sollen nicht auf der Basis von Kinderarbeit oder der Abholzung von Regenwäldern erwirtschaftet werden. Immer mehr Verbraucher schauen nicht nur auf die Zinseinnahmen, sondern wollen auch wissen, was mit ihrem ausgeliehenen Geld passiert. Was sicher und sinnvoll ist. Wo Fallstricke lauern.

Baum in den Bergen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Das Interesse an ethisch-ökologischen Geldanlagen wächst.
  2. Anbieter verwenden unterschiedliche ethisch-ökologische Anlagesätze.
  3. Es gibt für alle Anlageformen ethisch-ökologische Finanzprodukte.
Stand: 26.09.2017

Immer mehr Menschen möchten mit ihrem Geld neben einer angemessenen Rendite auch einen positiven Beitrag für den Klimaschutz, die Umwelt oder ethische bzw. soziale Belange leisten.

Diese Anleger entscheiden sich für nachhaltige bzw. ethisch-ökologische Geldanlagen. Für diese Finanzprodukte werden ethische, ökologische oder soziale Kriterien angewendet. Mittlerweile gibt es für alle Anlageformen ethisch-ökologische Alternativen, egal ob Sparanlagen, Investmentfonds oder Altersvorsorgeprodukte.

Grundsätze für nachhaltige Geldanlagen

Es gibt keine einheitliche Definition oder allgemeingültige Standards für ethisch-ökologische – oder auch "nachhaltige", "grüne" oder "klimafreundliche“ – Geldanlagen. Jeder Anbieter versteht darunter etwas anderes, der Markt für diese Finanzprodukte ist unübersichtlich.

Daher sollten Sie sich die Kriterien für ethisch-ökologische Geldanlangen genau anschauen. Finanzprodukte, die das Label „Nachhaltigkeit“ tragen, können auch Unternehmen aus Branchen wie "Technologie", "Energie" und "Gesundheit", ebenso wie "Industriegüter", "Versicherung" und „Automobil" enthalten.

Bei ethisch-ökologischen bzw. nachhaltigen Geldanlagen lassen sich vier grundlegende Anlageansätze unterscheiden:

Gezielte Investitionen

Nach bestimmten Kriterien wird festgelegt, in welche nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen und Branchen investiert wird. Beispielsweise können dies Gesellschaften aus dem Bereich der erneuerbaren Energien sein oder Firmen, die sich durch ein besonderes soziales Engagement auszeichnen. Nachteil für Anleger: Je geringe die Streuung der Investments, desto höher ist die Gefahr, bei einer wirtschaftlichen Flaute hohe Verluste zu erleiden.

Ausschlusskriterien

Es wird bestimmt, in welche Unternehmen oder Branchen kein Geld fließt. Sehr häufig wird beispielsweise die Produktion von Atomenergie, Waffen, Tabak und Alkohol ausgeschlossen. Oder es bleiben alle Firmen außen vor, die Kinderarbeit zulassen oder mit Gentechnologie arbeiten.

Best-in-Class

 

Die Anbieter suchen Firmen aus, die in ihrer Branche in Sachen Umwelt- und/oder Sozialstandards eine Vorreiterrolle einnehmen. Keine Branche wird von vorneherein ausgeschlossen. Deshalb können auch Wirtschaftszweige wie die Atom- oder die Rüstungsindustrie im Portfolio landen. Dies mag auf den ersten Blick verwundern. Dahinter steckt aber die Idee, dass so auch die weniger engagierten Branchenvertreter animiert werden, es dem „klassenbesten“ Unternehmen gleich zu tun und ihr soziales, ethisches und ökologisches Engagement zu verstärken. Langfristig soll so die gesamte Branche nachhaltiger werden.

Engagement

Finanzanbieter wie Fondsgesellschaften, Versicherungen oder Banken treten in den direkten Dialog mit Aktiengesellschaften oder nutzen ihr Stimmrecht als Aktionär dazu, um Umwelt- oder Sozialstandards in die Unternehmenspolitik zu integrieren und durchzusetzen.

Alle ethisch-ökologischen Anlageansätze haben zum Ziel, die vorhandenen Anlagemöglichkeiten zu filtern. Die Grundlage dafür ist das Nachhaltigkeitsverständnis des jeweiligen Anbieters. Verbraucher sollten daher prüfen, ob dieses zu ihren eigenen Vorstellungen passt.

Verschiedene Anlageansätze können kombiniert werden

Je nach Anlageform unterscheidet sich die Anwendung dieser Ansätze. Bei ethisch-ökologischen Investmentfonds werden oft  mehrere Ansätze von den Anbietern miteinander kombiniert. Die Informationen, ob ein Titel auch den ethischen und ökologischen Anforderungen des Fonds entspricht, liefern hier dann meist so genannte Nachhaltigkeits-Ratingagenturen. In einigen Fällen haben Fondsgesellschaften auch eine eigene Abteilung, die für das Nachhaltigkeits-Rating zuständig ist.

Wie bei konventionellen Geldanlagen prüft der Anbieter außerdem, ob das Investment nach klassischen Finanzkennzahlen als tragfähig einzustufen ist. Denn auch eine ethisch-ökologische Form der Geldanlage muss sich rechnen.

Gut zu wissen

Wie sicher sind ethisch-ökologische Geldanlagen? Grundsätzlich gilt: Ethisch-ökologische Geldanlagen bergen die gleichen Chancen und Risiken wie konventionelle Geldanlagen. Wie hoch die Ertragschancen, aber auch die Verlustrisiken sind, hängt dabei in erster Linie von der Anlageform ab.

Vor jeder Anlageentscheidung ist daher erst einmal zu prüfen, welche Anlageform den persönlichen Bedürfnissen an Sicherheit, Rentabilität und Liquidität entspricht. Dabei sollte bedacht werden: Eine höhere Renditeerwartung ist in der Regel auch mit einem höheren Risiko verbunden. Die höchste Sicherheit bieten Sparanlagen aufgrund der gesetzlichen Einlagensicherung.

Für alle Anlageformen gibt es mittlerweile Finanzprodukte, bei denen die jeweiligen Anbieter ethisch-ökologische Kriterien berücksichtigen – egal ob Girokonto, Sparbuch, Investmentfonds oder Riester-Versicherung.

Sicher investieren in ethisch ökologische Sparanlagen

Tagesgelder, Sparbücher, Sparbriefe und Rentensparverträge gehören zum klassischen Einlagengeschäft der Banken und Sparkassen. Die Ersparnisse sind bei diesen Anlageformen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.

Ethisch-ökologische Sparprodukte gibt es auch bei konventionellen Kreditinstituten. Sie garantieren dem Verbraucher, dass die Gelder nur in entsprechende Vorhaben investiert werden. Zu den Anbietern gehören bisher Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Alles was Sie über ethisch-ökologische Sparprodukte wissen müssen, lesen Sie unserem Artikel:

Ethisch-ökologische Sparprodukte findet man jedoch vor allem bei Kreditinstituten, die auf solche Geldanlagen spezialisiert sind. Diese sogenannten alternativen und kirchlichen Banken richten ihre gesamte Geschäftspolitik nach eigenen Umwelt-, Klima- und Sozialstandards aus. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag:

Ethisch-ökologische Investmentfonds

Wer sein Gespartes in Investmentfonds steckt, muss damit rechnen, dass das Geld in ökologisch und sozial umstrittene Branchen wie die Atom- und Rüstungsindustrie fließt oder Unternehmen zugutekommt, die ihre Produkte durch Kinderarbeit im Ausland herstellen lassen.

Ethisch-ökologische oder auch nachhaltig genannte Investmentfonds wollen es besser machen und formulieren zusätzlich zu den wirtschaftlichen Aspekten eine nachhaltige Anlagestrategie. Dafür legen sie ethische und ökologische Kriterien fest. Sie investieren dann nur in solche Titel, die diesen Kriterien entsprechen. Sie wollen mehr über ethisch-ökologische Investmentfonds erfahren? Hier finden Sie weitere Informationen:

Ethisch-ökologische Rentenversicherungen

Private Rentenversicherungen sind nicht immer die ideale Altersvorsorge. Zwar investieren viele Menschen in eine private Rentenversicherung, aber generell gilt: Diese sind wegen hoher Abschluss- und Verwaltungskosten teuer. Außerdem sind Rentenversicherungen wegen langer Laufzeiten unflexibel, bei einem vorzeitigen Abbruch drohen weitere Verluste. Das gilt für konventionelle ebenso wie für ethisch-ökologische Rentenversicherungen. In diesem Artikel haben wir ethisch-ökologische Rentenversicherungen unter die Lupe genommen:

Riskante Umweltinvestments

Mit Umweltschutz und der Energiewende Geld verdienen- das klingt verlockend, weil es Rendite mit gutem Gewissen verspricht. Doch auch für Firmen in der Umweltbranche gilt: Hohe Rendite bedeutet hohes Risiko. Besondere Vorsicht ist bei direkten Beteiligungen in bestimmte Unternehmen oder Projekte geboten. Scheitert ein Projekt oder geht das Unternehmen pleite, droht der Totalverlust der Geldanlage. Der folgende Artikel untersucht mit Hilfe eines Marktchecks, ob interessierte Anleger ausreichend über alle Risiken informiert werden:

Über das Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“

Im Rahmen des Projekts „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ untersuchen die Verbraucherzentralen Hamburg und Bremen regelmäßig Anbieter von nachhaltigen Geldanlage- und Altersvorsorgeprodukten und gehen gegen unseriöse und irreführende Werbung vor. Das bundesweite Projekt wird in Kooperation mit den Verbraucherzentralen Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein umgesetzt. Gefördert wird „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative.

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