Postbank droht mit Kontokündigung

Die Postbank will 99 Cent pro Papierauftrag und droht widersprechenden Kunden mit Kontokündigung. Nur bei Kunden über 60 ist sie kulant. Aber nur, wenn die sich schriftlich beschweren.

Postbank Filiale Colourbox
Stand: 07.05.2015

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel den Stand der Dinge zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wiedergibt.

Die Postbank will seit 1. April 2015 von ihren Girokonto-Kunden für jeden Papierauftrag 99 Cent kassieren. Nur für Onlineaufträge soll es bei der bisherigen Unentgeltlichkeit bleiben. Das Vorhaben bringt der Bank reichlich Ärger. Die Kunden laufen Sturm. Uns liegen zahlreiche Beschwerden vor.

Das Entgelt kommt als Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) daher. Neue AGB bedeuten eine Änderung des bestehenden Vertrages. Kunden, die der Änderung widersprechen, teilt die Postbank jetzt mit: „Wir bitten Sie, Ihren Widerspruch noch einmal zu überdenken.“ Ansonsten werde man das Girokonto mit einer Frist von von zwei Monaten kündigen. Beigefügt ist ein Formular zur Rücknahme des Widerspruchs innerhalb von vier Wochen.

Die Drohung mit dem Rauswurf macht die Postbank nach unseren Informationen nur gegenüber Kunden unter 60 Jahren wahr. Bei älteren Kunden ist sie kulant.

Was sollen Kunden tun?

Wer unter 60 Jahre alt ist

  • und ohnehin oder aus Ärger die Bank wechseln will, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Suchen Sie sich für den Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung der Postbank eine neue Bank oder Sparkasse. Für die Wahl können Ihnen die vergleichenden Tests der Stiftung Warentest unter test.de helfen.
  • und bei der Postbank bleiben will, sollte seinen Widerspruch zurücknehmen und möglichst auf Onlineaufträge umstellen.

Wer 60 Jahre oder älter ist

  • und ohnehin oder aus Ärger die Bank wechseln will, jetzt ist der richtige Moment dafür. Suchen Sie sich für den Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Kündigung der Postbank eine neue Bank oder Sparkasse. Für die Wahl können Ihnen die vergleichenden Tests der Stiftung Warentest unter test.de helfen.
  • und bei der Postbank bleiben will, sollte sich auf die interne Kulanzregelung der Bank berufen und sich nicht von einer gleichwohl möglichen Kündigungsdrohung der Postbank einschüchtern lassen.

Ü60-Post für die Postbank

Nach massiven Protesten verzichtet die Bank nämlich für Kunden ab 60 Jahren auf das ab 1. April geltende Entgelt von 99 Cent pro Papierauftrag. Das geht laut Hamburger Abendblatt aus der bankinternen Mitteilung Nr. 7 vom 12. Februar 2015 hervor. Darin heißt es, so die Zeitung: „Ältere Kunden nutzen verstärkt die beleghafte Auftragserteilung an die Postbank. Um diese Kunden nicht überproportional in Bezug auf die Rente mit neuen Entgelten zu belasten, kann eine Individualkondition für ältere Kunden eingerichtet werden.“ Sodann werden zwei Voraussetzungen genannt: Die Beschwerde des Kunden muss formlos, aber schriftlich vorliegen. Der Kunde muss mindestens 60 Jahre alt sein.

Wir finden: Das sollte für alle Kunden gelten, unabhängig davon, ob sie sich rühren oder nicht.

Was ältere Postbank-Kunden sagen

Wir hatten zahlreiche Proteste älterer Postbank-Kunden erhalten und daraufhin den Postbank-Vorstand angeschrieben. Beispielhaft hatten wir hier die Beschwerden von Herrn M. und Herrn H. veröffentlicht.

Hans M. aus Hamburg ist 92 Jahre alt und sauer auf die Postbank. Sie verlangt jetzt 99 Cent pro Überweisung per Papierformular. Nur Onlineüberweisungen sind weiterhin unentgeltlich. Gut 60 Jahre führt er sein Konto bei der Postbank. Wenn die Postbank als Alternative zur Postbanküberweisung die Nutzung des Internets empfehle, klinge das wie ein Hohn. Herr M. schreibt an die Postbank: „Was Sie jetzt haben, wie Sie mir jüngst lapidar mitgeteilt haben, ist schlicht ein Skandal!“ Hier sein Brief an die Postbank, den er an uns in Kopie geschickt hat.

Den Vorschlag des Herrn M. finden wir sehr bescheiden: Bei den Kunden ab Jahrgang 1930 (!) und älter solle die Postbank es bei der bisherigen Unentgeltlichkeit der Überweisung per Überweisungsträger belassen!

Auch Hartmut H. aus einer norddeutschen Kleinstadt hat uns einen empörten Brief geschrieben. Zwei Beispiele von vielen!

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