Riester: Doppelt hält schlechter

Die Württembergische Lebensversicherung berechnet mehrfach Abschluss- und Vertriebskosten bei Riester-Rentenversicherungen. Davon besonders häufig betroffen sind Riester-Sparer mit Kindern. Dabei will der Gesetzgeber diese eigentlich besonders fördern.

Viele Kinderfuesse

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Württembergische berechnet mehrfach Abschluss- und Vertriebskosten für Riester-Rentenversicherungen.
  2. Besonders häufig betroffen sind Riester-Sparer mit Kindern.
  3. Eine Reform der privaten Altersvorsorge ist dringend geboten.
Stand: 14.12.2018

Das Szenario ist bekannt: Ein Verbraucher mit einer Riester-Rentenversicherung erhält neue Kinderzulagen. Dadurch sinken seine Eigenbeiträge, auf die er bereits die vollen Abschluss- und Vertriebskosten bezahlt hat. Verliert der Sparer mit dem Älterwerden der Kinder irgendwann wieder seine Zulagenberechtigung, steigen auch seine Eigenbeiträge wieder an. So weit, so gut, so verständlich.

Die Württembergische Versicherung bittet ihre Kunden in einem solchen Fall ein weiteres Mal zu Kasse und verlangt für neue Kinderzulagen erneut Abschluss- und Vertriebskosten. Doch damit nicht genug. Fällt die Zulage des Riester-Sparers wieder weg, verlangt die Württembergische abermals Abschluss- und Vertriebskosten auf die dann wieder erhöhten Eigenbeiträge. Obwohl sich der Gesamtbeitrag des Versicherten nicht verändert, zahlt er bei jeder zulagenbedingten Änderung des Eigenbeitrags erneut Abschluss- und Vertriebskosten.

Diese mehrfache Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten ist per Gesetz nicht ausgeschlossen. Dabei führt sie zu spürbaren finanziellen Einbußen bei Verbrauchern. Sie belastet ausgerechnet die Verbraucher am meisten, die vom Gesetzgeber als besonders förderungswürdig erachtet werden: Riester-Sparer mit Kindern.

Unser Rat

Wissen Sie, wie Ihr Versicherer mit zulagenbedingten Veränderungen umgeht? Fragen Sie bei ihrem Anbieter nach, wie die Kosten Ihres Vertrages berechnet werden.

Wir befürchten, dass auch andere Versicherer für jede Form von Zulagenerhöhung die Abschluss- und Vertriebskosten erneut berechnen – zum Beispiel bei der jüngsten Erhöhung der Riester-Grundzulage um 21 Euro. Dies lässt sich aber weder in den Verträgen noch in den Standmitteilungen eindeutig erkennen. Konkrete Fälle liegen dazu noch nicht vor. Über entsprechende Hinweise von Verbrauchern sind wir darum sehr dankbar. Melden Sie diese über unser Beschwerdeformular.

„Das Ziel des Gesetzgebers, mit Riester-Verträgen eine flexible, transparente und in den Kosten klar geregelte Altersversorgung für den Verbraucher zu schaffen, wird durch Anbieter wie die Württembergische konterkariert.“

Sandra Klug, Teamleiterin Marktwächter FInanzen in der Verbraucherzentrale Hamburg

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, die mehrfache Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten gesetzlich zu unterbinden. Kosten dürften nur entstehen, wenn die Gesamtsparleistung der Verbraucher auch wirklich steigt. Aus Sicht des vzbv sollte die private Altersorge durch einen Altersvorsorgefonds nach schwedischem Vorbild grundsätzlich reformiert werden. Ein solcher Fonds würde mit stark reduzierten Vertriebskosten auskommen und flexible Einzahlungen zulassen.

Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Insgesamt untersuchen fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt: Baden-Württemberg (Geldanlage und Altersvorsorge), Bremen (Immobilienfinanzierung), Hamburg (Versicherungen), Hessen (Grauer Kapitalmarkt) und Sachsen (Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite). Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert.

Weitere Informationen über das Marktwächter-Projekt finden Sie auf der Marktwächter-Website und im Marktwächter-Twitter-Kanal.

Bücher und Broschüren