Geno pleite, Geld futsch?

„Vielen Menschen den schuldenfreien Erwerb von Immobilien und ein lebenslanges sicheres und flexibles Wohnen zu ermöglichen“ – das hatte sich die Geno Wohnbaugenossenschaft eG auf die Fahnen geschrieben. Doch das Geschäftsmodell der Ludwigsburger Genossenschaft funktionierte nicht. Nun läuft das Insolvenzverfahren und viele Anleger bangen um ihr Geld. Wir informieren über den aktuellen Stand der Dinge.

Paar schaut auf Grundriss einer Immobilie

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Geno Wohnbaugenossenschaft eG aus Ludwigsburg ist zahlungsunfähig; das Insolvenzverfahren wurde eröffnet.
  2. Mitglieder der Genossenschaft können bis zum 24. September ihre Insolvenzforderungen anmelden.
  3. Die Verbraucherzentrale rät, Schadensersatzansprüche zu prüfen und das Angebot der GPW Inkasso kritisch zu hinterfragen.
Stand: 15.08.2018

Genossenschaftsmitglied werden und sich den Traum von einer eigenen Immobilie verwirklichen – das Geschäftsmodell der Geno Wohnbaugenossenschaft eG (vormals Genotec Wohnbaugenossenschaft eG) klang für Verbraucher durchaus attraktiv. Doch es gab zu wenige Immobilienobjekte für die vielen Interessenten und außerdem zu hohe laufende Fixkosten. Nun ist die Genossenschaft pleite und das Amtsgericht Ludwigsburg hat Rechtsanwalt Dr. Dietmar Haffa aus der Kanzlei Schultze & Braun zum Insolvenzverwalter über deren Vermögen (Az. 2 IN 250/18) bestellt.

Forderungen anmelden und Schadensersatzansprüche prüfen lassen

Anlegern der Geno Wohnbaugenossenschaft eG, denen nach der Kündigung ihrer Mitgliedschaft die Auszahlung eines Auseinandersetzungsguthabens zusteht, werden wohl in den kommenden Tagen Post vom Insolvenzverwalter erhalten und aufgefordert, ihre Insolvenzforderungen bis zum 24. September 2018 anzumelden. Angesichts des großen Schuldenbergs der Geno werden Betroffene vermutlich nicht viel von ihrem Geld wiedersehen. Das ist ärgerlich, weil einige Mitglieder zum Teil schon seit Jahren darauf warten, dass ihnen ihr Auseinandersetzungsguthaben ausgezahlt wird.

Wenn Sie von der Pleite der Geno betroffen sind, sollten Sie daher neben der Anmeldung von Forderungen zur Insolvenztabelle auch prüfen lassen, ob Sie Schadensersatzansprüche gegen Vertriebsverantwortliche der Geno Unternehmensgruppe geltend machen können. Das ist dann möglich, wenn Sie nicht ordnungsgemäß über die Risiken der Geno-Mitgliedschaft aufgeklärt wurden. Wir können Ihnen eine erste Einschätzung geben.

GPW Inkasso besser nicht beauftragen

Die Geno-Pleite hat bereits einen anderen „Helfer“ auf den Plan gerufen. Die GPW Inkasso GmbH bietet Geno-Mitgliedern eine kostenpflichtige Unterstützung im Insolvenzverfahren an – gegen ein einmaliges Entgelt von 200 Euro und eine sich anschließende jährliche Gebühr von 80 Euro, beide zuzüglich Umsatzsteuer. Wir raten von einer Beauftragung der GPW Inkasso ab. Sie hat die Adressen der Anleger direkt von der Geno AG erhalten. Die beiden Firmen haben bereits vor der Insolvenz zusammengearbeitet. Das klingt in unseren Ohren alles andere als vertrauenerweckend, und ob Sie für Ihr Geld eine nennenswerte Gegenleistung erhalten, steht unseres Erachtens in den Sternen.

Gut zu wissen

Bei der ursprünglich für den 14. Mai 2018 anberaumten außerordentlichen Mitgliederversammlung wollte die Genossenschaft von ihren Mitgliedern „die Genehmigung der Anpassung der zwischen der Geno eG und der Geno AG vereinbarten Vertriebsprovision sowie der Leistung einer Abstandszahlung hierzu“ einholen. Dies hätte wohl bedeutet, dass die Geno AG als Vertriebsunternehmen im Gegenzug für eine relativ geringfügige Reduzierung der vereinbarten Provision von 1,73 auf 1,50 Prozent der jeweiligen Wohnsparvertragssumme für die nächsten Jahre 7,16 Millionen Euro vorab erhält. Dies wurde verhindert, indem der Aufsichtsrat die Vorstände Jens Meier und Martin Däuber ihres Amtes enthob und eine Sonderprüfung zu Pflichtwidrigkeiten und Schadenersatzansprüchen in Auftrag gab.

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