P&R Container Pleite – was tun?

Schiffscontainer kaufen, vermieten und wieder verkaufen. Das Anlagemodell von P&R Container klingt simpel und war für viele Verbraucher über Jahre hinweg lukrativ. Doch das Unternehmen meldete für verschiedene Gesellschaften Insolvenz an. Jetzt ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft. Wir beraten Betroffene und informieren zum aktuellen Stand der Dinge.

Schiff mit Containern auf der Elbe
Stand: 18.05.2018

Mitte März meldete P&R Container die Insolvenz für drei Gesellschaften an. Ende April folgten zwei weitere deutsche Gesellschaften der P&R Gruppe. Seither haben sich viele besorgte Anleger bei uns gemeldet, die wissen wollen, was das für sie bedeutet. Zehntausende Anleger sind betroffen. Es geht um Investitionen im Umfang von mehreren Milliarden Euro bei den folgenden Gesellschaften:

  • P&R Container Leasing GmbH (Az. 1542 IN 727/18)
  • P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 726/18)
  • P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 728/18)
  • P&R Transport-Container GmbH (Az. 1542 IN 1127/18)
  • P&R AG (Az. 1542 IN 1128/18)

Viele Verbraucher schauen auf eine jahrelange Historie der Investition in Container bei P&R zurück, sie haben oft mehrere Verträge mit P&R-Gesellschaften abgeschlossen und in der Vergangenheit gute Erfahrungen hinsichtlich der erzielten Rendite gemacht. Doch nun wurden sie bitter enttäuscht. Investitionen in Schiffscontainer gehören zum sogenannten Grauen Kapitalmarkt, bei denen grundsätzlich ein Totalverlust des eingesetzten Geldes möglich ist.

In den sogenannten vorläufigen Insolvenzverfahren wird nun die Finanzsituation der betroffenen Gesellschaften überprüft und anschließend über das weitere Vorgehen entschieden. Die Insolvenzverwalter sehen sich vor die Aufgabe gestellt, die relevanten Daten, unter anderem zur Zahl der tatsächlich noch vorhandenen Container und zu den Eigentumsverhältnissen an den einzelnen Containern sowie zu den Zahlungsströmen in aufwändiger Detailarbeit zu ermitteln. Zudem wurden vorläufige Gläubigerausschüsse eingesetzt, in die auch Anwälte von Anlegern berufen wurden, die die Insolvenzverwalter kontrollieren und unterstützen sollen.

Unser Rat

  • Stellen Sie Ihre Unterlagen zusammen. Dokumentieren Sie genau, welche Verträge Sie wann mit den verschiedenen Gesellschaften der P&R-Gruppe abgeschlossen haben.
  • Sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist, sollten Sie Ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Sie erhalten hierfür ein Formular, das Sie innerhalb einer bestimmten Frist ausfüllen und einreichen müssen. Da es aber sehr darauf ankommt, wie Sie Ihre Forderungen bezeichnen, werden wir uns die entsprechenden Erläuterungen des Insolvenzverwalters sehr genau ansehen. Nach den neuesten Meldungen kommen nicht nur Ansprüche aus Eigentum oder Vertrag, sondern auch Schadensersatzansprüche in Betracht. Da zurzeit nicht klar ist, wie die vorläufigen Insolvenzverfahren ausgehen, besteht momentan noch kein Handlungsbedarf.
  • Lassen Sie außerdem prüfen, ob Sie beim Abschluss der Anlage falsch beraten worden sind. Zwar wurden die meisten der noch laufenden oder gerade ausgelaufenen Verträge im Direktkontakt mit P&R und nicht über Berater oder Vermittler abgeschlossen (keine Schadensersatzansprüche wegen einer etwaigen Falschberatung möglich), doch tauchen nun auch manche Finanzberater mehrfach auf, die sich mal besser mal schlechter in den Beratungsprotokollen gegen eine Inanspruchnahme wegen Falschberatung abgesichert haben. Eine Überprüfung Ihrer P&R-Verträge durch unsere Finanzexperten kann also sinnvoll sein.

Aktuelle Meldungen

Tag für Tag dringen neue Hiobsbotschaften in Sachen P&R Container an die Öffentlichkeit. Wir halten Sie auf dem Laufenden und informieren an dieser Stelle regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen.

18. Mai 2018: Betrugsverdacht bei P&R

Nach Angaben des Insolvenzverwalters  Michael Jaffé sind von den vier deutschen Container-Verwaltungsgesellschaften zum heutigen Stand rund 1,6 Mio. Container an die rund 54.000 Anleger verkauft worden. Dem steht jedoch eine Containerflotte von lediglich rund 600.000 gegenüber. Damit hat sich die Vermutung bestätigt, dass die Zahl der vorhandenen Container deutlich unter der Zahl der an Anleger veräußerten Container liegt. Die Differenz von rund 1 Mio. Containern baute sich nach ersten Erkenntnissen über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren auf. Sämtliche Angaben müssen laut Insolvenzverwalter jedoch noch im Einzelnen überprüft werden. Dazu werden aktuell sämtliche Zahlungsströme der letzten Jahre untersucht und ausgewertet, auch um zu überprüfen, wann und in welchem Umfang Container am Markt ge- und verkauft wurden. Zur Pressemitteilung der Kanzlei Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter vom 17. Mai 2018.

Die Staatsanwaltschaft München I hat laut einer Presseinformation am 11. Mai 2018 Ermittlungen gegen frühere und heutige Geschäftsführer der P&R Gruppe unter anderem wegen des Verdachtes des Betruges aufgenommen. Zur Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft München I vom 17. Mai 2018.

14. Mai 2018: Zwei weitere P&R-Gesellschaften insolvent

Am 26. April 2018 haben zwei weitere deutsche Gesellschaften der P&R Gruppe – die P&R Transport-Container GmbH und die P&R AG Insolvenz beantragt.

Für die ab 2017 von der P&R Transport-Container GmbH unterbreiteten Angebote galt die durch das Kleinanlegerschutzgesetz neu eingeführte Prospektpflicht für Direktinvestments, doch wichtige Fragen blieben darin laut Finanztest unbeantwortet. So hat die GmbH von Februar bis Ende Mai 2017 über 34.000 Container verkauft, ohne deren Alter offenzulegen. Auch die wirtschaftliche Lage der P&R-Gruppe wurde nicht vollständig transparent dargestellt. Bis Ende 2016 legten drei Vertriebsgesellschaften des Unternehmens Jahresabschlüsse mit nur eingeschränktem Bestätigungsvermerk des Wirtschaftsprüfers vor, weil sie nicht alle Angaben zu finanziellen Verpflichtungen und Geschäftsführerbezügen enthielten. Die Schweizer P&R Equipment & Finance Corp., über die die Verwaltung der Container läuft, hat erhebliche Verpflichtungen gegenüber den deutschen P&R Gesellschaften bis 2022 übernommen. Die Mietauszahlungen an die Anleger waren durch die Mieteinnahmen in dreistelliger Millionenhöhe nicht gedeckt. P&R behauptete, über hohe Liquidität und finanzielle Sicherungssysteme bzw. Rücklagen zu verfügen, mit der sie Unterdeckungen auffangen könnten. Da nicht offen gelegt wurde, woher die Mittel kommen sollen, wurde das Angebot von der Stiftung Warentest (Heft 12/2017) als mangelhaft bewertet.
Das letzte Angebot der Gesellschaft wurde laut Mitteilung der Insolvenzverwalter (vgl. www.frachtcontainer-inso.de) am 7. März 2018 vom Unternehmen geschlossen.

Die P&R AG übernahm für die deutschen Tochtergesellschaften die komplette Geschäftsabwicklung und kassierte hierfür von diesen eine Umlage.

Der Insolvenzverwalter hat die Vorlage seines Berichts schon für Ende Mai in Aussicht gestellt. Angesichts der schieren Menge an Daten (es ist von 52.000 bis 54.000 Anlegern und einer 1,25 Mio. Einheiten umfassenden Containerflotte die Rede) und der Tatsache, dass wichtige Daten in der benötigten Form nicht vorhanden sind, eine Mammutaufgabe.

Wichtig ist laut Insolvenzverwalter, dass die Containervermietung durch die Schweizer Gesellschaft P&R Equipment & Finance Corp. störungsfrei fortgeführt werde, um die Mieteingänge zu realisieren. Diese sollen – nach Abzug der Insolvenzkosten – letztlich den Gläubigern der Gesellschaften, bei denen es sich in der Hauptsache um die Anleger handelt, zugute kommen.

Schneeballähnliche Praxis bei P&R?

Bedenklich stimmt die Information, dass den Verträgen mit den Anlegern oftmals keine Containernummern zugeordnet wurden. Eigentums-Zertifikate könnten deshalb – aber auch aus insolvenzrechtlichen Gründen – nun nicht mehr ausgestellt werden. Die Mieteinnahmen lassen sich in diesen Fällen keinen konkreten Anlegern zuordnen. Wenn die Anleger jedoch kein Eigentum an den Containern erworben haben, weil ihnen „ihre“ Container nicht zugeordnet werden können, so hätte dies nicht nur Auswirkungen im Insolvenzverfahren sondern auch auf die Steuervorteile, die die Anleger in der Vergangenheit geltend machen konnten. Hier können auf die Anleger noch böse Überraschungen zukommen. Einzig positiver Aspekt dieser Nachricht: eine persönliche Haftung der Anleger für Standgebühren oder Schäden durch „ihre Container“ ist dann nicht zu befürchten.

Es besteht der Verdacht auf erhebliche Unregelmäßigkeiten. Nach Angaben der Insolvenzverwalter wurden 2016 und 2017 Container veräußert, um die versprochenen Mieten und hohen Rücknahmepreise zahlen zu können. Der Finanz-Journalist Stefan Loipfinger (investmentcheck.de), der schon länger warnte, dass die gezahlten Mieten über den erwirtschafteten lagen, spricht von einer „schneeballähnlichen“ Praxis. Er entnimmt der im Verkaufsprospekt der P&R Transport-Container GmbH abgedruckten Zwischenbilanz, dass Zahlungen, die an die Schweizer P&R Equipment & Finance Corp. zum Kauf der Container  hätten fließen müssen, nicht gezahlt wurden und dass deswegen noch keine Standardcontainer übereignet wurden. Gleichwohl habe der Geschäftsführer Martin Ebben den Anlegern Eigentumszertifikate ausgestellt.

16. April 2018: P&R Container pleite

Am 15. März 2018 hatte P&R Insolvenz für die drei Gesellschaften P&R Container Leasing GmbH (Az. 1542 IN 727/18), P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 726/18) und P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH (Az. 1542 IN 728/18) angemeldet.

Noch im Februar 2018 – also knapp einen Monat vor dem Insolvenzantrag – hatte P&R Verbrauchern neue Angebote unterbreitet. In den Schreiben wurde auf die Kursstürze an den internationalen Aktienmärkten hingewiesen und die dadurch möglichen hohen Verluste, die Anleger erleiden können. Dem gegenüber sei die Investition in stabile Sachwerte mit überschaubaren Anlagezeiträumen, soliden Renditen und regelmäßigen Rückflüssen bei P&R Container eine sehr gute Wahl. 

Es scheint kaum vorstellbar, dass die Aktiengesellschaft zu diesem Zeitpunkt noch selbst an diese Werbeaussagen glaubte.

Manche Verbraucher sahen glücklicherweise von einer Investition ab, als sie ab Jahresanfang 2017 den Verkaufsprospekt zum Containerinvestment erhielten. Nach Lektüre der Risikohinweise legten sie glücklicherweise kein Geld bei P&R an. Doch viele Anleger, die sich 2017 oder sogar noch 2018 für Container als Kapitalanlage entschieden, haben offenbar gar keinen Prospekt zu Gesicht bekommen. Ihnen wurde eine Internetadresse mitgeteilt, unter der sie den Verkaufsprospekt online herunterladen und einsehen konnten, was sie jedoch nicht taten. Das zweiseitige Vermögensanlagen-Informationsblatt, in dem durchaus prominent auf die Risiken der Anlage hingewiesen wird, war ihnen leider nicht Warnung genug. Für Direktinvestments wie beispielsweise die in Container von P&R gilt eine Prospektpflicht, die Anfang 2017 durch das sogenannte Kleinanlegerschutzgesetz neu eingeführt wurde.

Viele Verbraucher berichten auch, dass sie Rückkaufangebote erhalten haben, die aufgrund des Insolvenzantrags nicht mehr zum Zuge kamen und auf Mietzahlungen warten.

Solange das endgültige Insolvenzverfahren noch nicht eröffnet ist, können auch keine Forderungen zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Es kann noch einige Zeit dauern, bis der vorläufige Insolvenzverwalter sich den erforderlichen Überblick verschafft hat, um zu entscheiden, ob der Betrieb von P&R weitergeführt werden kann oder der Übergang in das endgültige Insolvenzverfahren unausweichlich ist.

Unser Angebot

Unsere Finanzexperten beraten Sie persönlich, schriftlich oder am Telefon bei Problemen mit der Geldanlage und vor allem dann, wenn Ihre Investition zu scheitern droht oder schon gescheitert ist, also auch im Fall von P&R Container.

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