Protectum Wohnungsbaugenossenschaft abgemahnt

Wegen eines Verstoßes gegen das Genossenschaftsgesetz hat das Marktwächter-Team der Verbraucherzentralen die Protectum Wohnungsbaugenossenschaft eG erfolgreich abgemahnt. Das Unternehmen hatte die gesetzlichen Regelungen zur Beitrittserklärung missachtet, indem es lediglich mündliche Vollmachten eingeholt hatte.

Pause beim Hausbau

Das Wichtigste in kürze

  1. Die Marktwächter der Verbraucherzentralen haben die Protectum Wohnungsbaugenossenschaft eG erfolgreich abgemahnt.
  2. Protectum hatte sich nicht an Vorgaben des Genossenschaftsgesetzes gehalten, wonach es einer schriftlichen Vollmacht seitens eines Verbrauchers bedarf, um eine Beitrittserklärung abzugeben.
  3. Genossenschaftsbeteiligungen sind riskante Geldanlagen, mit denen Verbraucher ihr Vermögen vollständig verlieren können.

Das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hessen war aufgrund zahlreicher Verbraucherbeschwerden auf die Protectum Wohnungsbaugenossenschaft aufmerksam geworden. Am Telefon ließen sich Mitarbeiter der Genossenschaft von Verbrauchern eine mündliche Vollmacht erteilen und traten dann in deren Namen der Genossenschaft bei. Als die Betroffenen statt der erwarteten Informationen per Post gleich eine rechtlich bindende Beitrittsbestätigung erhielten, fühlten sie sich überrumpelt und suchten die Beratungsstellen der Verbraucherzentralen auf. Auch an die Verbraucherzentrale Hamburg hatten sich Betroffene gewendet.

Beitrittserklärung muss schriftlich erfolgen

Seit dem 17. Juli 2017 bedarf es nach der Änderung des Genossenschaftsgesetzes einer schriftlichen Vollmacht, um eine Beitrittserklärung für eine Genossenschaft abgeben zu können. Protectum hatte ungeachtet der neuen Gesetzeslage weiterhin lediglich mündliche Vollmachten eingeholt. Die Marktwächter mahnten das Unternehmen daher ab und stoppten so die gesetzeswidrigen telefonischen Bevollmächtigungen. Der Verbraucherzentrale Hessen liegen Unterlagen von Verbrauchern vor, in denen die erforderliche schriftliche Vollmacht fehlte.

Unser Rat

Bei Genossenschaftsbeteiligungen handelt es sich nicht mehr um den üblichen Banksparplan oder einen Bausparvertrag, sondern um die Beteiligung an einem Unternehmen. Das Investment ist hochriskant, im schlimmsten Fall kann es einen Totalverlust Ihres Geldes bedeuten. 

Seit 2015 erreichten die Marktwächter der Verbraucherzentralen Beschwerden aus allen 16 Bundesländern zur Protectum Wohnungsbaugenossenschaft eG und der Schwestergesellschaft GenoKap Wohnungsbaugenossenschaft eG. Beide Genossenschaften haben ihren Sitz in Großwallstadt bei Aschaffenburg und bieten Anteile an Wohnungsgenossenschaften als Vermögenswirksame Leistungen (VL) an. Bei diesen Beteiligungen ist nicht sicher, dass Verbrauchern das investierte Geld tatsächlich ausgezahlt werden kann, wenn sie ihren Vertrag kündigen. Dass dies nicht nur eine theoretische Möglichkeit ist, zeigte die Insolvenz der Wohnungsgenossenschaft Eventus eG Ende 2017. Verbraucher hatten in diesem Fall zehn Millionen Euro investiert.

Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Insgesamt untersuchen fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt: Baden-Württemberg (Geldanlage und Altersvorsorge), Bremen (Immobilienfinanzierung), Hamburg (Versicherungen), Hessen (Grauer Kapitalmarkt) und Sachsen (Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite). Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert. www.marktwaechter.de/finanzen

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