Vom Anwalt eiskalt erwischt

Die Masche ist so altbekannt wie verboten: Verbraucher werden zum Zwecke der Werbung für ein Produkt oder eine Dienstleistung „kalt“ angerufen – also ohne ihre Einwilligung. Sogar geschädigte Kapitalanleger sollen überredet werden, einer Interessengemeinschaft beizutreten oder einem Anwalt ein Mandat zu übertragen.

Mann in dunklem Anzug mit Smartphone in der Hand
Stand: 09.06.2015

In letzter Zeit beschwerten sich Verbraucher über „cold calls”, also unerwünschte Anrufe, bei uns, die sie als Gesellschafter eines geschlossenen Fonds – etwa eines Schiffsfonds oder Immobilienfonds  – erhalten hatten. Während des Gesprächs wies man sie darauf hin, dass ihnen ein Kapitalverlust bei ihrer Geldanlage drohe und dass durch den Beitritt zu einer Interessengemeinschaft oder durch Mandatsübertragung an einen Rechtsanwalt der drohende Schaden verhindert werden könne.

Fall Nr. 1: IKV

Mitarbeiter der Interessengemeinschaft für Kapitalanleger und Versicherte e.V. (IKV) riefen betroffene Kapitalanleger an und warben für den Beitritt zur IKV. Die IKV ist ein Verein, der laut eigener Homepage die Interessen seiner Mitglieder im Bereich der Vermögens- und Wertpapieranlagen sowie im Versicherungswesen wahrnimmt. Er verlangt für seine Dienste einen Monatsbeitrag von 12 Euro und führt in erster Linie dem Hamburger Rechtsanwalt Prof. Dr. Rolf Thiel Mandate zu.

Fall Nr. 2: Verband Deutscher Kapitalanleger

In einem anderen Fall wurde eine Verbraucherin von einem Vertreter des Verbands Deutscher Kapitalanleger „kalt“ am Telefon erwischt. Man bot ihr unter Hinweis auf ihre Beteiligung am Schiffsfonds MPC Santa-B-Flotte und dem drohenden Schaden ein persönliches Gespräch an. Bei diesem Termin erhielt sie dann eine Honorarvereinbarung gegenüber dem Vermittler, eine Vollmacht auf eine unbenannte Rechtsanwaltskanzlei und eine pauschale Vergütungsvereinbarung mit der Rechtsanwaltskanzlei zum Unterzeichnen.

Danke für Ihren Hinweis

Wenn Sie bereits ähnliche Erfahrungen mit „kalten“ Anrufen gemacht haben, also als Kapitalanleger von Vermittlern, Interessengemeinschaften oder Anwälten ohne Einwilligung angerufen wurden, weil Ihnen aufgrund eines Investments bereits eine Schädigung droht oder drohen könnte, teilen Sie uns Ihre Erfahrungen bitte mit. Wir freuen uns über eine E-Mail.

So sehen wir das

Mal ganz abgesehen vom Sinn einer kostenpflichtigen Mandatsvermittlung an Rechtsanwälte (deren Adressen und Qualifikation man übrigens auch kostenlos bei den Rechtsanwaltskammern erfragen kann) und der Verletzung des Werbeverbots für Rechtsanwälte, ist unerwünschte Telefonwerbung ganz prinzipiell ein Verstoß gegen § 7 Abs. 1 Nr. 2 UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb). Diese Vorschrift soll Verbraucher vor einer unzumutbaren Beeinträchtigung ihrer Privatsphäre, ihrer Entscheidungsfreiheit und unüberlegten Geschäftsabschlüssen schützen.

Im Bereich der gescheiterten Geldanlage haben unerwünschte Werbeanrufe nun wirklich gar nichts zu suchen. Menschen, die aufgrund der unerfreulichen Entwicklung ihrer Investition ohnehin schon verunsichert sind, sind eine leichte Beute für im Kundenfang geschulte Vertriebler.

Ratgeber