Augenärzte: Nur 2 von 30 beraten sehr gut

Eine Patientin leidet unter unregelmäßigen Schmerzattacken im Bereich hinter den Augen. Sie geht zum Augenarzt. Doch nur von zwei Medizinern wird sie sehr gut beraten. Das ergab unser Check von 30 Augenarztpraxen.

Augenärztin untersucht ältere Dame

Das Wichtigste in Kürze

  1. Augenärzte schnitten bei einer Untersuchung ihrer Erstberatung mit einer Durchschnittsnote von 3,5 lediglich mittelmäßig ab.
  2. Nur zwei Mediziner nahmen die Krankengeschichte der Patientin gewissenhaft auf, machten eine sehr gute Anamnese, stellten schnell die richtige Diagnose und kommunizierten dabei verständlich und einfühlsam.
  3. Die Fachgesellschaften und Berufsverbände der Augenärzte sollten noch mehr tun, um die Leistungsqualität all ihrer Mitglieder zu steigern bzw. aufrechtzuerhalten.
Stand: 20.05.2014

Beim Erstkontakt mit Anamnese, Untersuchung, Diagnose sowie Beratung zur weiteren Behandlung schneiden Augenärzte mit der Durchschnittsnote 3,5 nur mittelmäßig ab. Zu dieser Einschätzung kommen wir nach einem Check von 30 Augenarztpraxen, bei dem wir insgesamt nur zweimal die Note „sehr gut“, viermal ein „gut“, elfmal ein „befriedigend“, viermal die Note „ausreichend“ und neunmal ein „mangelhaft“ vergeben haben.

Für die Überprüfung suchte eine Patientin wegen tränender Augen und Kopfschmerzen direkt hinter den Augäpfeln zufällig ausgewählte Hamburger Fachärzte für Augenheilkunde auf. Zwölf der 30 konsultierten Mediziner ignorierten die Kopfschmerzen der Patientin, obwohl sie die Hauptbeschwerde und der Grund ihres Besuchs waren. Lediglich drei Augenärzte machten eine gezielte Anamnese in Bezug auf die Kopfschmerzen, die weichenstellend für den weiteren Verlauf der Behandlung war.

Nur zwei Mediziner „sehr gut“ – neun Ärzte „mangelhaft“

Die gesamte Erstberatung war nur bei zwei Medizinern sehr gut. Die beiden Ärzte nahmen die Krankengeschichte der Patientin gewissenhaft auf, machten eine sehr gute Anamnese, stellten schnell die richtige Diagnose und kommunizierten dabei verständlich und einfühlsam. Das zeigt uns, dass es also durchaus möglich ist, als Augenarzt nach den offiziellen Leitlinien zu handeln und die Beschwerden der Patienten ernst zu nehmen. Immerhin neun der 30 besuchten Augenärzte und damit fast ein Drittel bestanden den Praxis-Check nicht; sie fielen mit „mangelhaft“ durch.

Die schlechten Gesamtnoten vieler Augenärzte ergaben sich vor allem durch eine mangelhafte Aufklärung und Beratung der Patientin. Insbesondere die Ungeduld mancher Ärzte wurde als sehr negativ empfunden. Viele Mediziner wirkten gestresst, untersuchten hektisch und stellten beispielsweise beim Sehtest Suggestivfragen wie „Das können Sie ja lesen“ statt „Können Sie das lesen?“.

Ärztinnen besser als Ärzte

Aufgefallen ist uns, dass Augenärztinnen im Durchschnitt wesentlich besser abschneiden als ihre männlichen Kollegen. Laut Untersuchung fielen lediglich 8 Prozent der Praxen durch, in denen eine Frau behandelte, aber 47 Prozent mit einem Mann an der Spitze. Sowohl fachlich als auch bei der Kommunikation mit der Patientin waren die Frauen in Bezug auf Einfühlungsvermögen und Empathie deutlich besser.

Die Fachgesellschaften und Berufsverbände der Augenärzte sollten noch mehr tun, um die Leistungsqualität all ihrer Mitglieder – Männer wie Frauen – zu steigern und aufrechtzuerhalten, denn die Zunft hat einen guten Ruf zu verlieren.