Antibiotika richtig einnehmen – Missbrauch stoppen!

Endlich ist es so weit: Das gesamte Hamburger Gesundheitswesen macht sich auf den Weg, den Missbrauch von Antibiotika zu bekämpfen – von der Ärzteschaft über die Krankenkassen bis zur Gesundheitsbehörde. Auch Patientinnen und Patienten sollten ihren Teil dazu beitragen. Das können Sie als ganz normaler Verbraucher, kranker Mensch oder Patient tun.

Apothekerin übergibt Medikament
Stand: 19.04.2018

10.000 bis 15.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an einer Infektion durch Bakterien, gegen die kein Kraut mehr gewachsen ist. „Multiresistente Erreger“ sind unempfindlich (resistent) geworden gegen alle Antibiotika. Sie haben sich einfach angepasst, weil Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft massenhaft zum Einsatz kommen. Doch wenn Antibiotika als „Lebensretter“ nicht mehr richtig wirken, können schon harmlose Verletzungen oder Infektionen zum Tode führen.

Diese Entwicklung ist nicht neu, aber jetzt endlich ist sie so weit ins Bewusstsein der Verantwortlichen vorgedrungen, dass etwas geschieht. Die Akteure des Gesundheitswesens in Hamburg verpflichten sich zu Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern, um unnötige Antibiotikaverordnungen zu verringern und die Resistenzlage zu verbessern. 

Was alles unternommen wird

  • Patientinnen und Patienten werden im Internet, mit Flyern und bei Ärzten in vielen Sprachen über den sinnvollen Einsatz von Antibiotika aufgeklärt. Plakate in der ganzen Stadt unterstützen die Kampagne. Ein einheitliches Logo macht deutlich, dass alle Akteure des Gesundheitswesens an einem Strang ziehen.
  • Ärzte und andere Gesundheitsberufe werden ebenso über den sinnvollen Einsatz von Antibiotika informiert, fortgebildet und durch ihre Standesorganisationen beraten.
  • Die Krankenkassen bezahlen ab Jahresmitte einen Schnelltest, der hilft zu unterscheiden, ob Viren oder Bakterien die Ursache einer Infektion sind. Denn nur Bakterien können tatsächlich mit Antibiotika behandelt werden.

    „Die Hamburger Initiative gegen den Missbrauch von Antibiotika war überfällig. Wir alle müssen verantwortungsvoll mit diesen Medikamenten umgehen, damit nicht eines Tages resistente Erreger die Fortschritte der Medizin zunichte machen. Wir rufen alle Patientinnen und Patienten auf, die Bemühungen der Akteure des Gesundheitswesens für einen sinnvollen Einsatz von Antibiotika zu unterstützen.“

    Christoph Kranich, Abteilungsleiter Gesundheit und Patientenschutz

    Was wir alle tun können

    Nicht nur die Politik und die Akteure des Gesundheitswesens sind gefragt, auch Sie als ganz normaler Verbraucher, kranker Mensch oder Patient können helfen, Antibiotika einzusparen.

    1. Verlangen Sie vom Arzt oder in der Apotheke kein Antibiotikum, wenn nicht nachgewiesen ist, dass Ihre Erkrankung von Bakterien verursacht ist. Gegen Viren helfen diese Medikamente nicht.
    2. Fragen Sie Ihren Arzt, wenn er Ihnen ein Antibiotikum verschreibt, ob er sicher ist, dass Bakterien Ihre Krankheit ausgelöst haben. Wenn nicht, muss er Ihnen glaubhaft erklären, warum er trotzdem ein Antibiotikum für richtig hält. Kann er das nicht, sollten Sie die Einnahme verweigern oder den Arzt wechseln.
    3. Ab 1. Juli 2018 bezahlen die Krankenkassen einen Schnelltest, der bei Infektionen unterscheiden kann, ob Viren oder Bakterien die Ursache sind. Sagen Sie das Ihrem Arzt, falls er es nicht weiß.
    4. Wenn Sie Antibiotika nehmen, halten Sie sich an die ärztliche Verordnung. Wenn Sie zu früh abbrechen oder weniger einnehmen als verordnet, kann das Medikament unwirksam sein und sogar die Resistenz der Bakterien, gegen die es eingenommen wird, fördern.
    5. Besorgen Sie sich einen Antibiotika-Pass oder ‑Ausweis, z.B. bei der Viamedica-Stiftung oder bei Medilys, dem Labor der Asklepios-Kliniken (der Ausweis und die Gebrauchsanleitung). Dann können Ihre Ärzte sehen, wann Sie welche Mittel genommen haben, das kann unnötige Mehrfachverordnungen verhindern.

    Ratgeber