Antibiotika: Hände weg von Fluorchinolonen!

Dass Antibiotika viel zu häufig und unbedacht eingesetzt werden, haben wir bereits ausführlich berichtet. Nun wird vor einer Gruppe der Medikamente gegen bakterielle Infektionen besonders gewarnt. Es sind die Fluorchinolone und Chinolone.

Tablette in Hand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Fluorchinolon- und chinolonhaltige Antibiotika können zu langanhaltenden Nebenwirkungen an Muskeln, Gelenken und am Nervensystem führen.
  2. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Wirkstoffe neu bewertet und empfiehlt, bei der Einnahme von Präparaten mit diesen Wirkstoffen besondere Vorsicht walten zu lassen.
  3. Patienten, die ein Mittel einnehmen sollen, das auf den Wortstamm „‑floxacin“ endet, sollten Arzt und/oder Apotheker auf mögliche Alternativen ansprechen.
Stand: 28.01.2019

Mehrmals haben uns Patienten in den letzten Jahren über gesundheitliche Schäden durch Fluorchinolone und Chinolone informiert. Betroffen sind die in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin.

Fluorchinolone und Chinolone können schwerste, lang anhaltende Nebenwirkungen hervorrufen, teils sogar nach nur zweimaliger Einnahme. Dazu gehören Sehnenrisse, Nervenschäden wie bei einer Multiplen Sklerose und psychische Erkrankungen. Ziemlich kurzfristig können sogar Behinderungen auftreten, die zu einer dauerhaften Berufsunfähigkeit führen.

Einschränkungen nach Neubewertung der Risiken

Fluorchinolone und Chinolone sind millionenfach verordnete Breitbandantibiotika, die eigentlich nur zum Einsatz kommen sollen, wenn andere, harmlosere Mittel nicht mehr wirken, also sogenannte Reserveantibiotika. Leider werden sie aber viel zu häufig und unbedacht verschrieben. Auf deutsche Initiative hin hat sich die europäische Arzneimittelbehörde EMA mit den Risiken der Fluorchinolone beschäftigt und die Risiken neu bewertet.

Wir fordern, dass Packungsbeilagen in Deutschland für Medikamente mit Fluorchinolonen oder Chinolonen bald mit verpflichtenden, gut lesbaren Warnhinweisen zu den möglichen Nebenwirkungen versehen werden müssen, so wie es heute schon in den USA der Fall ist. Damit Ärzte und Patienten auf die Gefährlichkeit dieser Antibiotika hingewiesen und diese wirklich nur noch als Reserveantibiotika eingesetzt werden.

Die EMA sprach aber schon jetzt wichtige Empfehlungen aus:

  • Bei leichten bis mittelschweren Infektionen sollen Ärzte Ciprofloxacin und andere Fluorchinolone nur noch verordnen, wenn harmlosere Antibiotika nicht mehr wirksam sind, zum Beispiel wegen Resistenzen.
  • Patienten, die schon einmal ernsthafte Nebenwirkungen aufgrund eines Fluorchinolons oder Chinolons hatten, dürfen sie generell nicht mehr verordnet werden.
  • Bei Senioren, bei Menschen mit einer Nierenfunktionsstörung oder nach einer Organtransplantation und bei Patienten, die innerlich mit Kortisonpräparaten behandelt werden, ist das Risiko für Nebenwirkungen erhöht. Hier sollten Fluorchinolone nur mit Vorsicht eingesetzt werden.

Unser Rat

  • Sollte Ihnen Ihr Arzt ein Mittel verordnen, das auf „‑floxacin“ endet, fragen Sie ihn (und ggf. auch den Apotheker, bei dem Sie das Medikament abholen), ob es wirklich notwendig ist oder ob es Alternativen gibt.
  • Sollten Sie bereits schwere Nebenwirkungen mit einem Fluorchinolon oder Chinolon gehabt haben, können Sie über das Fluorchinolone-Forum Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen und sich austauschen. Berichte einzelner Betroffener finden Sie auch auf der Website Ciprohilfe.
  • Auf der Campact-Petitionsplattform WeAct können Sie außerdem eine Petition für die Einschränkung des Einsatzes der Fluorchinolone unterzeichnen.

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