Corona: Abgesagte Arztbesuche, verschobene Behandlungen und OPs...

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen stellt uns jeden Tag aufs Neue vor Probleme, die gelöst werden wollen – im Großen wie im Kleinen. Vor allem das Gesundheitswesen ist stark von der aktuellen Ausnahmesituation betroffen. Wir beantworten Fragen von Patienten.

Ärztin schreibt Rezept
Stand: 17.09.2020

Was sollte ich tun, wenn ich nicht zum Arzt oder Zahnarzt gehen kann?

Sollten Sie aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen oder einer Erkrankung einen Arzt-, Zahnarzt oder gar einen OP-Termin nicht wahrnehmen können, sagen Sie diesen umgehend ab. Ansonsten müssen Sie möglicherweise ein Ausfallhonorar zahlen. Informieren Sie die Arztpraxis oder das Krankenhaus am besten schriftlich per E-Mail – um einen Nachweis zu haben – und zusätzlich telefonisch.

Wann kann ich mich telefonisch krankschreiben lassen?

Die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung bei leichten Atemwegs­erkrankungen (Halsschmerzen, Husten, Schnupfen) ist befristet bis zum Jahresende 2020 wieder möglich. Sie kann einmalig telefonisch für weitere sieben Tage verlängert werden.

Bekomme ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wenn ich ohne Symptome in Quarantäne muss?

Personen, die sich auf behördliche Anweisung in Quarantäne befinden, aber keine Symptome haben, erhalten keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Dennoch ist die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Reichen Sie dazu den Bescheid der Behörde über die Anordnung der Quarantäne bei Ihrem Arbeitgeber ein.

Welche Rechte habe ich, wenn mein OP-Termin verschoben wurde?

Derzeit werden noch nicht wieder, wie im Frühjahr 2020, geplante Operationen zugunsten von Patientinnen und Patienten mit Covid-19 abgesagt bzw. verschoben. Je nach dem weiteren Verlauf der Pandemie mag sich dies aber schnell ändern.

In diesem Fall haben Corona-Patienten aber nicht automatisch Vorrang: Medizinisch dringend gebotene Eingriffe müssen stattfinden, wobei die Entscheidung hierüber bei den behandelnden Ärzten liegt. In die Abwägung muss einfließen, ob ein Aufschub das Problem vergrößert, die Schmerzen mehr oder die Erfolgsaussichten der OP gemindert werden.

Unser Rat: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt und dem Krankenhaus. Wenn Ihre Operation verschoben wird, aber nicht hätte verschoben werden dürfen und Sie dadurch einen Schaden erleiden, können Sie diesen unter Umständen als Behandlungsfehler geltend machen.

Was kann ich tun, wenn mir das Geld für die Krankenversicherung fehlt?

Vor allem für Selbstständige und Freiberufler ist die aktuelle Krisensituation eine Herausforderung. Es fehlen Aufträge und Honorare, doch alle Kosten laufen weiter. Auch die Beiträge für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) werden nach wie vor fällig. Grundlage für die Höhe der Beiträge ist der aktuelle Einkommensteuerbescheid. Sollten die danach festgelegten vorläufigen Beiträge für Sie eine unverhältnismäßige Belastung darstellen, weil Ihr Einkommen sich deutlich reduziert hat, sollten Sie bei Ihrer Krankenkasse schnellstmöglich den Antrag stellen, die Beiträge zu reduzieren, gegebenfalls auf den Mindestbeitrag. Dieser liegt in der Gesetzlichen Krankenversicherung zusammen mit dem Beitrag für die Pflegeversicherung bei derzeit ca. 200 Euro pro Monat. Häufen Sie nicht erst Beitragsschulden an; eine Reduzierung ist immer erst möglich, wenn Sie den Antrag gestellt haben. Wenn Sie den Mindestbeitrag nicht aufbringen können, sollten Sie überlegen, bei der Arbeitsagentur einen Antrag auf Sozialleistungen zu stellen.

Betroffene mit einer Privaten Krankenversicherung (PKV) haben es schwerer. Denn ihre Beiträge richten sich nicht nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, sondern danach, welchen Tarif sie bei welchem Versicherungsunternehmen gewählt haben. Wir raten, Kontakt zum Versicherungsunternehmen aufzunehmen, um Möglichkeiten einer Stundung oder Teilleistung auszuloten. Um langfristig die Versicherungsprämie zu senken, kann auch ein Tarifwechsel in Betracht kommen. Vermeiden Sie auch hier Beitragsschulden, indem Sie einfach nicht zahlen. Diese führen dazu, dass Sie in den sogenannten Notlagentarif kommen, der günstiger scheint, für den aber Ihre Altersrückstellungen aufgebraucht werden, was die Rückkehr in den ursprünglichen Tarif erschwert. Die Kosten für eine Private Krankenversicherung zählen übrigens zu Ihrem Bedarf, der bei einem Antrag auf Sozialleistungen bei der Arbeitsagentur zu berücksichtigen ist.

Gleich, ob Sie zur Zeit gesetzlich oder privat krankenversichert sind: Wenn Ihre gesamten monatlichen Einkünfte nicht mehr als 455 Euro betragen und Ihr Ehepartner oder Ihr Lebenspartner (nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz) in der Gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, können Sie in der Krankenkasse Ihres Partners beitragsfrei mitversichert werden. Um in diese Familienversicherung  zu kommen, müssen Sie allerdings eine hauptberufliche Selbstständigkeit aufgeben.

Greift meine Reisekrankenversicherung, wenn ich in eine Corona-Risikogebiet reise? Übernimmt sie die Kosten einer (Corona-)Behandlung im Ausland?

Besteht für ein Land eine Reisewarnung (wie sie zurzeit wegen Corona für viele Länder außerhalb Europas gilt), ist es möglich, dass Versicherer aufgrund der Reisebeschränkungen Leistungen ausschließen. Manche Anbieter sehen sich auch bei Pandemien explizit nicht in der Pflicht. Trotz der Versicherung haben Sie dann keinen Versicherungsschutz. Erkranken Sie bei Ihrer Reise, tritt die Versicherung nicht ein, wenn Ihr Vertrag einen solchen Leistungsausschluss beinhaltet. Mehr darüber lesen Sie in unserem Artikel „Reisekrankenversicherung – das sollten Sie wissen!“.

Zum Weiterlesen

Das Coronavirus breitet sich in rasanter Geschwindigkeit in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Erde aus. Die Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Wir haben wichtige Informationen für Sie zusammengestellt, die Ihnen hoffentlich helfen, gut durch die nächsten Wochen zu kommen.
⇒ Weiterlesen: www.vzhh.de/coronavirus

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