Corona: Abgesagte Arztbesuche, verschobene Behandlungen und OPs...

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen stellt uns jeden Tag aufs Neue vor Probleme, die gelöst werden wollen – im Großen wie im Kleinen. Vor allem das Gesundheitswesen ist stark von der aktuellen Ausnahmesituation betroffen. Wir beantworten Fragen von Patienten.

Ärztin schreibt Rezept

Was sollte ich tun, wenn ich nicht zum Arzt oder Zahnarzt gehen kann? 

Sollten Sie aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen oder einer Erkrankung einen Arzt-, Zahnarzt oder gar einen OP-Termin nicht wahrnehmen können, sagen Sie diesen umgehend ab. Ansonsten müssen Sie möglicherweise ein Ausfallhonorar zahlen. Informieren Sie die Arztpraxis oder das Krankenhaus am besten schriftlich per E-Mail – um einen Nachweis zu haben – und zusätzlich telefonisch.

Wann kann ich mich telefonisch krankschreiben lassen?

Die Möglichkeit einer telefonischen Krankschreibung bei leichten Atemwegs­erkrankungen (Halsschmerzen, Husten, Schnupfen) ist befristet bis zum Jahresende 2020 wieder möglich. Sie kann einmalig telefonisch für weitere sieben Tage verlängert werden.

Bekomme ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wenn ich ohne Symptome in Quarantäne muss?

Personen, die sich auf behördliche Anweisung in Quarantäne befinden, aber keine Symptome haben, erhalten keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Dennoch ist die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Reichen Sie dazu den Bescheid der Behörde über die Anordnung der Quarantäne bei Ihrem Arbeitgeber ein.

Verfällt mein Rezept, wenn die Therapiepraxis geschlossen ist?

Für gesetzlich Versicherte verfallen Verordnungen für Physiotherapie, aber auch für Ergotherapie, Logopädie, Podologie oder Ernährungstherapien normalerweise, wenn die Behandlung nicht nach 14 Tagen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) bzw. 28 Tagen (Podologie, Ernährungstherapie) aufgenommen wird. Doch die gesetzlichen Krankenkassen haben die Regelungen für die Versorgung mit diesen sogenannten Heilmitteln bis zum 30. September 2020 gelockert.

  • Verordnungen, die nach dem 18. Februar ausgestellt wurden, bleiben gültig, auch wenn die Behandlung nicht innerhalb von 14 Tagen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) oder 28 Tagen (Podologie, Ernährungstherapie) beginnt.

  • Behandlungen, bei denen der letzte Termin nach dem 17. Februar stattfand, können für einen längeren Zeitraum unterbrochen werden. Achtung, die Therapeuten dürfen eine Teilabrechnung vornehmen. Bislang wurden Verordnungen ungültig, wenn die Behandlung länger als 14 Tage nicht stattfand.

  • Sollte es sich anbieten, können Therapeuten Behandlungen auch per Videochat oder am Telefon durchführen, zum Beispiel Stimm-, Sprach- oder Sprechübungen. Sie müssen aber als Patient damit einverstanden sein.

  • Ab dem 01. Oktober gilt mit Inkrafttreten der neuen Heilmittel-Richtlinien aber ohnehin für alle Verordnungen eine Frist von 28 Tagen, innerhalb derer eine Heilmittelbehandlung begonnen werden muss.

Welche Rechte habe ich, wenn mein OP-Termin verschoben wurde?

Derzeit werden noch nicht wieder, wie im Frühjahr 2020, geplante Operationen zugunsten von Patientinnen und Patienten mit Covid-19 abgesagt bzw. verschoben. Je nach dem weiteren Verlauf der Pandemie mag sich dies aber schnell ändern.

In diesem Fall haben Corona-Patienten aber nicht automatisch Vorrang: Medizinisch dringend gebotene Eingriffe müssen stattfinden, wobei die Entscheidung hierüber bei den behandelnden Ärzten liegt. In die Abwägung muss einfließen, ob ein Aufschub das Problem vergrößert, die Schmerzen mehr oder die Erfolgsaussichten der OP gemindert werden.

Unser Rat: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt und dem Krankenhaus. Wenn Ihre Operation verschoben wird, aber nicht hätte verschoben werden dürfen und Sie dadurch einen Schaden erleiden, können Sie diesen unter Umständen als Behandlungsfehler geltend machen.

Was kann ich tun, wenn mir das Geld für die Krankenversicherung fehlt?

Vor allem für Selbstständige und Freiberufler ist die aktuelle Krisensituation eine Herausforderung. Es fehlen Aufträge und Honorare, doch alle Kosten laufen weiter. Auch die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) werden nach wie vor fällig. Da die Höhe der Beiträge von der Höhe Ihrer Einnahmen abhängen, sollten Sie bei finanziellen Schwierigkeiten zunächst mit Ihrer Kasse sprechen und beantragen, die Höhe der Beiträge angesichts der zu erwartenden Mindereinnahmen nach unten korrigieren zu lassen. Wenn Sie auch das nicht zahlen können, ist es möglich, die Beiträge stunden zu lassen – also die Beitragszahlung auf später verschieben. Auch auf die Erhebung von Säumniszuschlägen verzichtet die Kasse dann.

Unser Rat: Fragen Sie Ihre Krankenkasse, welche Nachweise Sie zum jetzigen Zeitpunkt vorlegen müssen, damit Sie die Beitragszahlungen wegen eines „krisenbedingten Gewinneinbruchs“ reduzieren können. Die Hürden für die Genehmigung eines solchen Antrags wurden deutlich abgesenkt. Auch das Stunden von Beiträgen soll Versicherten laut GKV-Verband vorübergehend erleichtert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass Ihre finanziellen Schwierigkeiten tatsächlich auf die Corona-Krise zurückzuführen sind und Sie bereits alle anderen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung ausgeschöpft haben. Achtung, wir gehen davon aus, dass Sie trotz der außergewöhnlichen Umstände die geforderten Voraussetzungen entsprechend darlegen und belegen müssen.

Wichtig: Alle Erleichterungen der Krankenkassen sind vorübergehend und gelten zunächst bis Ende April.

Auch Betroffene mit einer privaten Krankenversicherung (PKV) können das Zahlen ihrer Beiträge auf später verschieben. Zwischen dem 1. April und 30. Juni 2020 haben Sie laut Bundesregierung sogar einen Anspruch darauf, ihre Beitragszahlungen zu stunden, wenn Sie anderenfalls Ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können. Der PKV-Verband rät Versicherten, zunächst direkt Kontakt zum Versicherungsunternehmen aufzunehmen, um über die Möglichkeiten wie eine Stundung oder Teilleistung von Beiträgen zu beraten.

Gleich, ob Sie zur Zeit gesetzlich oder privat krankenversichert sind: Wenn Ihre gesamten monatlichen Einkünfte nicht mehr als 455 Euro betragen und Ihr Ehepartner oder Ihr Lebenspartner (nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz) in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, können Sie in der Kasse Ihres Partners beitragsfrei mitversichert werden. Um in der Familienversicherung versichert zu sein, müssen Sie allerdings eine hauptberufliche Selbstständigkeit aufgeben und Sie dürfen nicht auf Antrag von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht befreit sein.

Wer bislang privat krankenversichert ist, kann diesen Weg nutzen, um in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Altersbeschränkungen gibt es hierbei nicht. Und wenn die Einnahmen wieder über 455 Euro steigen, können Sie sich selbst weiter in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern. Wegen der weitreichenden Konsequenzen sollten Sie sich dazu jedoch unbedingt individuell beraten lassen. Wer sich die Option einer Rückkehr in die private Krankenversicherung zu den derzeitigen Bedingungen erhalten will, kann etwa eine Anwartschaftsversicherung bei seiner Versicherung abschließen und später ohne erneute Gesundheitsprüfung in den bisherigen Versicherungstarif zurückkehren.

Greift meine Reisekrankenversicherung, wenn ich in eine Corona-Risikogebiet reise? Übernimmt sie die Kosten einer (Corona-)Behandlung im Ausland?

Besteht für ein Land eine Reisewarnung (wie sie zurzeit wegen Corona für viele Länder außerhalb Europas gilt), ist es möglich, dass Versicherer aufgrund der Reisebeschränkungen Leistungen ausschließen. Manche Anbieter sehen sich auch bei Pandemien explizit nicht in der Pflicht. Trotz der Versicherung haben Sie dann keinen Versicherungsschutz. Erkranken Sie bei Ihrer Reise, tritt die Versicherung nicht ein, wenn Ihr Vertrag einen solchen Leistungsausschluss beinhaltet. Mehr darüber lesen Sie in unserem Artikel „Reisekrankenversicherung – das sollten Sie wissen!“.

Zum Weiterlesen

Das Coronavirus breitet sich in rasanter Geschwindigkeit in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Erde aus. Die Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Wir haben wichtige Informationen für Sie zusammengestellt, die Ihnen hoffentlich helfen, gut durch die nächsten Wochen zu kommen.
⇒ Weiterlesen: www.vzhh.de/coronavirus

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