Corona: Abgesagte Arztbesuche, verschobene Behandlungen und OPs...

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen stellt uns jeden Tag aufs Neue vor Probleme, die gelöst werden wollen – im Großen wie im Kleinen. Vor allem das Gesundheitswesen ist stark von der aktuellen Ausnahmesituation betroffen. Wir beantworten Fragen von Patienten.

Ärztin schreibt Rezept
Stand: 18.05.2020

Krankenhäuser haben auf Corona-Notbetrieb umgestellt. Mediziner und andere Heilberufe können nur noch eingeschränkt arbeiten, denn sie müssen sich selbst und ihre Teams schützen. Menschen sind in Quarantäne, weil sie möglicherweise an Covid-19 erkrankt sind. Wir beantworten wichtige Fragen, die Patienten zurzeit haben.

Melden Sie sich bei uns, wenn Sie nicht wissen, was Sie in einer bestimmten Situation tun sollen. Unsere Experten geben Auskunft und helfen weiter.

    Was sollte ich tun, wenn ich nicht zum Arzt oder Zahnarzt gehen kann? 

    Sollten Sie aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen oder einer Erkrankung einen Arzt-, Zahnarzt oder gar einen OP-Termin nicht wahrnehmen können, sagen Sie diesen umgehend ab. Ansonsten müssen Sie möglicherweise ein Ausfallhonorar zahlen. Informieren Sie die Arztpraxis oder das Krankenhaus am besten schriftlich per E-Mail – um einen Nachweis zu haben – und zusätzlich telefonisch.

    Wann kann ich mich telefonisch krankschreiben lassen?

    Wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind und eine leichte Atemwegs­erkrankung haben (Halsschmerzen, Husten, Schnupfen), darf Ihr Arzt Sie telefonisch für sieben Tage krankschreiben. Sie können sich die sogenannte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) dann in der Praxis abholen oder per Post nach Hause schicken lassen. „Bei fortdauernder Erkrankung“ darf die Krankschreibung einmal und sieben Tage verlängert werden. Die Sonderregelung soll Mediziner und Patienten entlasten und gilt noch bis 31. Mai 2020.

    Unser Rat: Achten Sie darauf, dass Ihre Krankschreibung rechtzeitig bei der Krankenkasse eintrifft – innerhalb einer Woche nach Beginn Ihrer Arbeitsunfähigkeit. Geht die Bescheinigung erst nach Ablauf dieser Frist ein, ruht der Krankengeldanspruch solange. Sie bekommen erst dann Krankengeld, wenn der Krankenkasse tatsächlich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorliegt; Ihren Anspruch für die zurückliegenden Tage verlieren Sie. Am besten schicken Sie die Krankschreibung per Einschreiben mit Rückschein an Ihre Kasse, so können Sie – falls nötig – einen Nachweis vorlegen.

    Bekomme ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wenn ich ohne Symptome in Quarantäne muss?

    Personen, die sich auf behördliche Anweisung in Quarantäne befinden, aber keine Symptome haben, erhalten keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU). Dennoch ist die Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber nach dem Infektionsschutzgesetz gesichert. Reichen Sie dazu den Bescheid der Behörde über die Anordnung der Quarantäne bei Ihrem Arbeitgeber ein.

    Verfällt mein Rezept, wenn die Therapiepraxis geschlossen ist?

    Für gesetzlich Versicherte verfallen Verordnungen für Physiotherapie, aber auch für Ergotherapie, Logopädie, Podologie oder Ernährungstherapien normalerweise, wenn die Behandlung nicht nach 14 Tagen bzw. 28 Tagen aufgenommen wird. Doch die gesetzlichen Krankenkassen haben die Regelungen für die Versorgung mit diesen sogenannten Heilmitteln bis zum 31. Mai 2020 gelockert.

    • Verordnungen, die nach dem 18. Februar ausgestellt wurden, bleiben gültig, auch wenn die Behandlung nicht innerhalb von 14 Tagen (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie) oder 28 Tagen (Podologie, Ernährungstherapie) beginnt.

    • Behandlungen, bei denen der letzte Termin nach dem 17. Februar stattfand, können für einen längeren Zeitraum unterbrochen werden. Achtung, die Therapeuten dürfen eine Teilabrechnung vornehmen. Bislang wurden Verordnungen ungültig, wenn die Behandlung länger als 14 Tage nicht stattfand.

    • Sollte es sich anbieten, können Therapeuten Behandlungen auch per Videochat oder am Telefon durchführen, zum Beispiel Stimm-, Sprach- oder Sprechübungen. Sie müssen aber als Patient damit einverstanden sein.

    Welche Rechte habe ich, wenn mein OP-Termin verschoben wurde?

    Weil Krankenhäuser in den nächsten Tagen und Wochen viele Patienten mit Covid-19 erwarten, wurden vielerorts geplante Operationen abgesagt oder verschoben. Das ist prinzipiell sinnvoll, um die dringend benötigten Kapazitäten zu schaffen. Trotzdem haben Corona-Patienten nicht automatisch Vorrang: Medizinisch dringend gebotene Eingriffe müssen stattfinden, wobei die Entscheidung hierüber bei den behandelnden Ärzten liegt. In die Abwägung muss einfließen, ob ein Aufschub das Problem vergrößert, die Schmerzen mehr oder die Erfolgsaussichten der OP gemindert werden.

    Unser Rat: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt und dem Krankenhaus. Wenn die Operation nicht hätte verschoben werden dürfen und Sie dadurch einen Schaden erleiden, können Sie diesen unter Umständen als Behandlungsfehler geltend machen.

    Was kann ich tun, wenn mir das Geld für die Krankenversicherung fehlt?

    Vor allem für Selbstständige und Freiberufler ist die aktuelle Krisensituation eine Herausforderung. Es fehlen Aufträge und Honorare, doch alle Kosten laufen weiter. Auch die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) werden nach wie vor fällig. Da die Höhe der Beiträge von der Höhe Ihrer Einnahmen abhängen, sollten Sie bei finanziellen Schwierigkeiten zunächst mit Ihrer Kasse sprechen und beantragen, die Höhe der Beiträge angesichts der zu erwartenden Mindereinnahmen nach unten korrigieren zu lassen. Wenn Sie auch das nicht zahlen können, ist es möglich, die Beiträge stunden zu lassen – also die Beitragszahlung auf später verschieben. Auch auf die Erhebung von Säumniszuschlägen verzichtet die Kasse dann.

    Unser Rat: Fragen Sie Ihre Krankenkasse, welche Nachweise Sie zum jetzigen Zeitpunkt vorlegen müssen, damit Sie die Beitragszahlungen wegen eines „krisenbedingten Gewinneinbruchs“ reduzieren können. Die Hürden für die Genehmigung eines solchen Antrags wurden deutlich abgesenkt. Auch das Stunden von Beiträgen soll Versicherten laut GKV-Verband vorübergehend erleichtert werden. Voraussetzung hierfür ist, dass Ihre finanziellen Schwierigkeiten tatsächlich auf die Corona-Krise zurückzuführen sind und Sie bereits alle anderen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung ausgeschöpft haben. Achtung, wir gehen davon aus, dass Sie trotz der außergewöhnlichen Umstände die geforderten Voraussetzungen entsprechend darlegen und belegen müssen.

    Wichtig: Alle Erleichterungen der Krankenkassen sind vorübergehend und gelten zunächst bis Ende April.

    Auch Betroffene mit einer privaten Krankenversicherung (PKV) können das Zahlen ihrer Beiträge auf später verschieben. Zwischen dem 1. April und 30. Juni 2020 haben Sie laut Bundesregierung sogar einen Anspruch darauf, ihre Beitragszahlungen zu stunden, wenn Sie anderenfalls Ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können. Der PKV-Verband rät Versicherten, zunächst direkt Kontakt zum Versicherungsunternehmen aufzunehmen, um über die Möglichkeiten wie eine Stundung oder Teilleistung von Beiträgen zu beraten.

    Gleich, ob Sie zur Zeit gesetzlich oder privat krankenversichert sind: Wenn Ihre gesamten monatlichen Einkünfte nicht mehr als 455 Euro betragen und Ihr Ehepartner oder Ihr Lebenspartner (nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz) in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, können Sie in der Kasse Ihres Partners beitragsfrei mitversichert werden. Um in der Familienversicherung versichert zu sein, müssen Sie allerdings eine hauptberufliche Selbstständigkeit aufgeben und Sie dürfen nicht auf Antrag von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht befreit sein.

    Wer bislang privat krankenversichert ist, kann diesen Weg nutzen, um in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren. Altersbeschränkungen gibt es hierbei nicht. Und wenn die Einnahmen wieder über 455 Euro steigen, können Sie sich selbst weiter in der gesetzlichen Krankenversicherung versichern. Wegen der weitreichenden Konsequenzen sollten Sie sich dazu jedoch unbedingt individuell beraten lassen. Wer sich die Option einer Rückkehr in die private Krankenversicherung zu den derzeitigen Bedingungen erhalten will, kann etwa eine Anwartschaftsversicherung bei seiner Versicherung abschließen und später ohne erneute Gesundheitsprüfung in den bisherigen Versicherungstarif zurückkehren.

    Zum Weiterlesen

    Das Coronavirus breitet sich in rasanter Geschwindigkeit in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Erde aus. Die Pandemie wirbelt unseren Alltag mächtig durcheinander. Wir haben wichtige Informationen für Sie zusammengestellt, die Ihnen hoffentlich helfen, gut durch die nächsten Wochen zu kommen.
    ⇒ Weiterlesen: www.vzhh.de/coronavirus

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