Krankenversicherung für Selbstständige

Beamte sollen leichter die gesetzliche Krankenversicherung wählen können, plant die Hamburger Gesundheitsbehörde. Doch für Selbstständige wäre es noch sehr viel wichtiger, sich ordentlich krankenversichern zu können. Wir erklären, warum.

Handwerker auf Baustelle

Das Wichtigste in Kürze

  1. Kleinselbstständige und Freiberufler müssen in der gesetzlichen Krankenversicherung trotz eines geringen Einkommens meist hohe Beiträge für den Versicherungsschutz zahlen.
  2. Die günstigen Tarife der privaten Krankenversicherung kommen oft nicht für alle wichtigen Leistungen auf und werden von Jahr zu Jahr teurer.
  3. Die Politik sollte auch für Selbstständige realistische Möglichkeiten schaffen, sich bei einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern.
Stand: 12.09.2017

Hamburg will Beamten den staatlichen Zuschuss zur Krankenversicherung – die „Beihilfe“ – ab August 2018 nicht nur für die private Krankenversicherung (PKV) gewähren, sondern auf Wunsch auch als Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auszahlen. Das würde Beamten, die heute zu mehr als 95 Prozent privat versichert sind, eine interessante Alternative eröffnen. Doch für Selbstständige und Freiberufler wäre es noch viel wichtiger, eine realistische Möglichkeit in der GKV zu schaffen und sie vor den absehbaren Problemen, die in der PKV drohen, zu bewahren.

Krankenversicherung für Kleinselbstständige und Freiberufler

Heute wird ein Kleinselbstständiger, der 1.000 Euro im Monat erwirtschaftet, in der gesetzlichen Krankenversicherung so eingestuft, als würde er 2.232,25 Euro verdienen, und er zahlt davon fast 400 Euro Kranken- und Pflegeversicherung, also 40 Prozent seines Einkommens. Das ist ungerecht. Viele flüchten sich dann in die private Krankenversicherung. Doch dort drohen ebenfalls Probleme. Ein Beispiel:

Herr G. ist selbstständig und privat versichert. Seine 14-jährige Tochter, ebenfalls privat versichert, ist in einer stationären psychiatrischen Behandlung. Wahrscheinlich benötigt sie die psychologische Therapie noch einige Jahre. Die private Krankenversicherung jedoch übernimmt die Kosten nicht, und der Vater verdient in seinem Geschäft nicht genug, um die teuren Therapiekosten noch für Jahre zu bezahlen. Ein Wechsel in die gesetzliche Krankenversicherung, die eine solche Therapie bezahlen würde, geht nicht. Was tun? Herr G. muss sich verschulden und hoffen, dass er das eines Tages wieder abbezahlen kann.

Solche Geschichten sind in unserer Patientenberatung nicht selten. Die private Krankenversicherung wird zwar immer dafür gelobt, dass sie den Ärzten bessere Honorare bezahlt als die GKV, zugleich gibt es aber ganze Bereiche, die sehr häufig nicht versichert sind. Wie etwa die Psychotherapie. Herr G. hatte vermutlich damals, als er die Versicherung für seine Tochter abschloss, angenommen, eine psychische Krankheit werde weder ihn noch seine Familie treffen.

In der gesetzlichen Krankenversicherung ist das anders. Sie deckt die wichtigen Bereiche der körperlichen und seelischen Behandlung in jedem Fall ab.

Unser Rat

Wenn Sie sich zwischen der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV) entscheiden können:

  • Wählen Sie keine Billigtarife der PKV. Meist versichern sie nicht alles Wichtige und die Prämien steigen erfahrungsgemäß bald an.
  • Wenn Sie sich im Krankheitsfall nicht mit Anträgen, Rechnungen, Erstattungen – kurz mit einem Berg von Bürokratie beschäftigen wollen (oder können) –  entscheiden Sie sich besser gleich für die GKV. Da bekommen Sie keine Rechnungen und müssen nicht immer wissen, was genau versichert ist, das wissen Ihre Ärzte.
  • Wenn Sie eine besonders gute Versorgung wünschen, können Sie die auch über eine private Zusatzversicherung bekommen.

Wir bieten regelmäßig einen Vortrag an, der die beiden Systeme der Krankenversicherung ausführlich vergleicht. Haben Sie diesen gehört und sind dann immer noch unsicher, kommen Sie in unsere persönliche Beratung mit Tarifwahl.

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