20 Jahre unnötige Kosten durch doppelte Falschberatung

Stand: 06.04.2016

Frau S. ist seit 20 Jahren gesetzlich krankenversichert, ihr Ehemann selbständig und privat krankenversichert. Ihre beiden Söhne sind von Geburt an mit eigenen Verträgen ebenfalls in der privaten Krankenversicherung (PKV). Ein Vertreter des Versicherungsunternehmens sei damals der Meinung gewesen, das müsse so sein, da der Mann mehr verdiente als die Frau. Auch ein Anruf bei der Krankenkasse, bei der Frau S. versichert ist, habe dies bestätigt: Die Kinder müssten entweder privat versichert werden oder freiwillig in der Gesetzlichen, eine kostenlose Familienversicherung hingegen komme nicht in Frage.

Als 20 Jahre später der erste Sohn anfing zu studieren, schlug die Krankenkasse der Frau vor, ihn zum Studententarif zu versichern. Als dann auch der zweite Sohn mit dem Studium begann, stellte eine Sachbearbeiterin zum ersten Mal die Frage, ob das Einkommen des Ehemannes eigentlich über der Krankenversicherungs-Pflichtgrenze liege. Das hatte noch niemand gefragt.

Da Herr S. tatsächlich weniger verdiente (diese Grenze lag 2015 bei knapp 55.000 Euro Brutto-Jahreseinkommen), konnten beide Söhne, die noch unter 25 Jahre alt waren, plötzlich kostenlos bei der Frau familienversichert werden. Das wäre aber schon seit 20 Jahren möglich gewesen. Die Familie hätte viele tausend Euro gespart, wenn sie nicht vor 20 Jahren zweimal falsch beraten worden wäre: erst durch den Versicherungsmakler und dann durch die Krankenkasse – beide Male leider nur telefonisch. So ist kaum etwas beweisbar.

Was ist daraus zu lernen? Wichtige Beratungen sollten Sie immer schriftlich durchführen, Gespräche wenigstens dokumentieren und vom Gesprächspartner bestätigen lassen. Und: Immer eine zweite Meinung einholen.