Hautarzt will bei Kassenleistung abzocken

Frau S. vereinbart in einer Hamburger Hautarztpraxis einen Termin zur Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchung. Schon bei der telefonischen Terminvereinbarung wird ihr angekündigt, dass sie für die Untersuchung 30 Euro bezahlen müsse. Das glaubt sie nicht und erkundigt sich bei ihrer Krankenkasse. Dort erfährt sie, die Vorsorgeuntersuchung sei selbstverständlich kostenfrei, und wenn der Arzt eine verdächtige Stelle fände und weitere Untersuchungen nötig würden, übernehme die Krankenkasse dies auch.

Nun kommt Frau S. in die Praxis und wird als erstes aufgefordert, den Vertrag über die schon bei der Terminvereinbarung angekündigte selbst zu bezahlende Leistung zu unterschreiben. Sie entgegnet, sie wolle nur eine einfache Vorsorge-Untersuchung als Kassenleistung. „Das geht nicht”, zitiert sie die Antwort. Die könne sie nur zusammen mit einer Selbstzahler- oder IGeL-Leistung bekommen, das machten alle Fachärzte so. Als Frau S. das ablehnt und geht, wird sie noch höflich gebeten, künftig bei solchen Gelegenheiten vorher abzusagen, damit der Termin anderweitig vergeben werden könne. Frau S. empfindet das als Erpressung und schreibt an ihre Krankenkasse und an die Ärztekammer. Letztere meint, man könne prüfen, ob das Verhalten des Arztes ein Verstoß gegen seine vertragsärztlichen Pflichten sei. Dazu müsse Frau S. ihre Geschichte noch einmal ihrer Krankenkasse zusenden (was sie bereits einmal getan hat). Wenn auch die einen Vertragsverstoß für möglich hielte, könne sie den Sachverhalt der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zur Prüfung weiterleiten. Die könne dann ggf. auch weitere Maßnahmen veranlassen. Dies sei in § 60 Bundesmantelvertrag Ärzte geregelt.

Der Herr von der Ärztekammer weist Frau S. leider nicht darauf hin, dass derselbe Bundesmantelvertrag in § 18 Absatz 8 auch folgenden, sehr eindeutig klingenden Satz enthält: „Vertragsärzte, die Versicherte zur Inanspruchnahme einer privatärztlichen Versorgung an Stelle der ihnen zustehenden Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung beeinflussen, verstoßen gegen ihre vertragsärztlichen Pflichten.”

Doch zurück zur Geschichte von Frau S. Das Antwortschreiben der Ärztekammer enthält auch eine Liste von „Arztpraxen, die eine Berechtigung zur Durchführung der Hautkrebsfrüherkennung haben”. Frau S. findet auf dieser Liste auch einen Arzt aus derselben Praxisgemeinschaft, in der sie bereits zur Selbstzahlung gezwungen werden sollte. Verständlicherweise hat sie kein allzu großes Vertrauen in diese Liste.

Die Krankenkasse bietet an, die Beschwerde an die KV weiterzuleiten, wofür Frau S. noch eine Erklärung unterschreiben soll. Das tut sie. Die Antwort der KV an die Krankenkasse, die Frau S. viele Wochen später auf ihre Bitte hin in Kopie zugesandt bekommt, enthält eine ganz andere Schilderung des Sachverhalts durch den Arzt. Dort steht: „Laut Eintrag in der Akte wurde eine Durchführung der Hautkrebsvorsorgeuntersuchung unter Zuhilfenahme eines Aufsichtsmikroskops vereinbart und die Patientin informiert, dass hieraus Kosten in Höhe von 16,09 Euro entständen.” Damit steht Aussage gegen Aussage und die KV sieht keinen Nachweis einer Verletzung vertragsärztlicher Pflichten. Und Frau S. steht irgendwie als Lügnerin da, denn einem Arzt glaubt man vielleicht doch lieber als einer Patientin. Oder sollte man Ärzten grundsätzlich unterstellen, vor allem am Geld interessiert zu sein und erst in zweiter Linie an der Gesundheit ihrer Patienten? Eine gewagte These. Geschichten wie diese erhärten sie allerdings nach und nach.

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