Kasse darf Krankengeld nicht in jedem Fall einfach streichen

Stand: 29.11.2016

Nicht nur bei uns, auch bei anderen Patientenberatungsstellen sind Probleme mit der Bewilligung von Krankengeld durch die Krankenkassen eines der häufigsten Anliegen.

Frau G. wird wegen Mobbing und Burnout krankgeschrieben und bezieht Krankengeld. Sechs Wochen später, an einem Freitag gegen 14 Uhr, erhält sie einen Anruf ihrer Krankenkasse, der HEK: Der gemeinsame Medizinische Dienst aller Krankenkassen (MDK) habe mit dem Arzt, der sie krankgeschrieben hat, Rücksprache gehalten und der Arzt habe gemeint, sie könne ab Montag wieder arbeiten. Dabei war sie doch bis einschließlich Dienstag noch krankgeschrieben. Frau G. rief am Montag sofort bei zwei Ärzten an, die sie behandelt hatten. Beide hatten keinen Anruf des MDK oder der HEK erhalten und schon gar nicht behauptet, sie könne seit heute wieder arbeiten. Hatte die Kasse gelogen?

Einen Tag später, am Dienstag, lag im Briefkasten ein Einwurf-Einschreiben der HEK, in dem die Weiterbewilligung von Krankengeld abgelehnt wurde. Frau G. legte Widerspruch ein. Gut drei Wochen später hatte sie noch nichts von der Kasse gehört und rief bei uns an. Wir konnten sie auf die Urteile zweier Landessozialgerichte hinweisen, die schon vor vielen Jahren entschieden haben, dass Krankenkassen, wenn eine psychiatrische Erkrankung vorliegt, kein Recht haben, den weiteren Bezug von Krankengeld ohne eine persönliche Begutachtung der Patientin abzulehnen. Die hatte aber nicht stattgefunden. Frau G. wies die Krankenkasse sofort auf diese Urteile hin – und eine Woche später lenkte die HEK ein. Das Krankengeld wurde rückwirkend bewilligt.

Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen und eine Krankenkasse nicht als allwissende Autorität zu betrachten.