Krankenkasse müsste auf gleitende Härtefallregelung hinweisen

Stand: 06.10.2015

Frau W. wollte ein herausgefallenes Zahnimplantat im Backenzahnbereich durch eine Brücke ersetzen lassen. Die Patientin ist alleinstehend und ihr Einkommen liegt gerade oberhalb der Härtefallgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung (für 2015: monatlich 1.134 Euro brutto). Ihr Zahnarzt bestand aber trotzdem auf einer „Mercedes”-Lösung und erstellte einen Heil- und Kostenplan für zwei Kronen und ein Brückenglied aus Keramik. Dieser „Zahn-Mercedes” sollte insgesamt 3.800 Euro kosten, von denen Frau W. über 2.800 Euro aus eigener Tasche zahlen müsste. Einen Kleinwagen („Mini”) gäbe es bei ihm nicht, meinte der Zahnarzt. Frau W. stellte bei ihrer Kasse einen Härtefallantrag. Die Kasse aber lehnte ab und meinte nur lapidar, der geplante Zahnersatz sei zu teuer. Mehr nicht

Was tun? Wir rieten Frau W., einen zweiten Kostenvoranschlag für eine preiswertere Regelversorgung bei einem anderen Zahnarzt einzuholen. Keramik im nicht sichtbaren Seitenzahnbereich muss nach unserer Auffassung nicht sein. Angesichts der prekären finanziellen Lage empfahlen wir ihr außerdem, bei ihrer Krankenkasse einen sogenannten gleitenden Härtefallantrag zu stellen. Denn auch wer etwas mehr verdient als die Härtefallgrenze, bekommt höhere Zuschüsse, die mit zunehmender Höhe des Einkommens immer geringer werden. Darauf hätte ihre Kasse Frau W. eigentlich von sich aus hinweisen müssen!