Krankenkasse muss auch bei zahnärztlichen Behandlungsfehlern unterstützen

Stand: 29.11.2016

Seit fast vier Jahren sollen die Krankenkassen ihre Versicherten unterstützen, wenn diese einen Behandlungsfehler vermuten (§ 66 SGB V). Bis dahin galt, dass sie das auch schon konnten, wenn sie wollten; nun sind sie in aller Regel dazu verpflichtet.

Das gilt nicht nur, wenn beim Arzt ein Behandlungsfehler vermutet wird, sondern auch für die Behandlung von Zahnärzten. Auch hier kann der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) mit der Erstellung eines Behandlungsfehlergutachtens beauftragt werden. Manche Krankenkassen wissen das offenbar nicht – oder wollen es nicht wissen. Allerdings gibt es auch gute Gründe, erst einmal abzuwarten, wie unser Beispiel zeigt.

Frau W. ließ bei einem erkrankten Zahn eine Wurzelbehandlung durchführen. Der Zahnarzt füllte die Wurzel nur unvollständig; Zahnfleisch und Knochen wurden von ausgetretenem Formaldehyd angegriffen und durch Nekrose teilweise zerstört, ein Implantat wurde erwogen. Die Krankenkasse weigerte sich, ein Gutachten in Auftrag zu geben – obwohl sie seit drei Jahren laut § 66 SGB V dazu verpflichtet ist. Allerdings hatte die Kasse einen guten Grund für die Ablehnung: Frau W. hatte über die Zahnärztekammer bereits ein Schlichtungsverfahren eingeleitet. Das wollte die Krankenkasse abwarten.

Anders ist die Situation nur bei Zahnersatz, also wenn Kronen, Brücken, Implantate oder eine Prothese eingesetzt wurde, dann muss der Patient dem Zahnarzt zuerst mehrere kostenlose Nachbesserungen ermöglichen. Werden diese abgelehnt oder brachten keine Abhilfe, muss er bei seiner Kasse eine Begutachtung durch einen von der Kasse genannten Zahnarzt durchführen lassen.