Krankenkasse muss Nichtversicherte aufnehmen

Stand: 03.08.2016

Frau G. hat seit 2002 keine Krankenversicherung. Zuvor war sie bei der AOK versichert. Jetzt, Anfang 2016, hat sie einen Job angenommen und meldet sich nun wieder bei ihrer früheren Krankenkasse. Die jedoch sagt, Frau G. könne nicht mehr gesetzlich krankenversichert werden, denn sie ist bereits älter als 55. Die AOK behauptet sogar in ihrem ablehnenden Schreiben, Frau G. sei selbständig tätig und privat krankenversichert gewesen, das habe sie von der Steuerberaterin Frau L. erfahren, die Frau G. während ihrer Selbständigkeit betreut habe.

Hätte das gestimmt, wäre es ein anderer Skandal gewesen, einer des Datenschutzes, denn eine Krankenkasse darf selbstverständlich nicht ohne Erlaubnis Auskünfte bei einer Steuerberaterin einholen, und die hätte solche Auskünfte auch nicht ohne Einverständnis ihrer Mandantin geben dürfen. Beides stimmte jedoch nicht, Frau G. war weder privat versichert noch Frau L. ihre Steuerberaterin. Da Frau G. tatsächlich in den Jahren seit 2002 gar nicht krankenversichert war, musste die AOK sie als Nichtversicherte aufnehmen – die Altersgrenze von 55 Jahren, die normalerweise die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung für ältere Menschen unmöglich macht, ist in diesem Fall nicht anwendbar. Allerdings kommt Frau G. nicht darum herum, einen Teil der rückständigen Beiträge nachzuzahlen. Immerhin 2.300 Euro. Dafür rieten wir ihr, sie solle monatliche Raten à 50 Euro vereinbaren, wenn sie den Betrag nicht auf der hohen Kante haben sollte.

Wer nicht krankenversichert ist, muss dorthin gehen, wo sie oder er zuletzt versichert war. Entweder zur früheren Krankenkasse (bzw. deren Rechtsnachfolger) oder zu einer privaten Krankenversicherung. Dort muss er oder sie dann aufgenommen werden, unabhängig vom Alter.