Wie abhängig sind Selbsthilfe- und Patientenorganisationen von der Pharma-Industrie?

Stand: 01.06.2015

Schon vor einem Jahr veröffentlichte der Spiegel in einer Datenbank alle Spenden der Pharma-Industrie an Selbsthilfe-Organisationen des Jahres 2013 – mit 1.300 Einzelspenden kamen 5,6 Millionen Euro zusammen. Nutznießer seien überwiegend größere Patientenorganisationen auf europäischer Ebene gewesen wie beispielsweise „Eupati“, die „Europäische Patientenakademie für therapeutische Innovationen“, schreibt das Magazin. Der Name dieser „Patientenakademie“ deutet ja schon darauf hin, dass sie sich im Interesse der Pharmalobby für neue (und damit meist teure) Arzneimittel einsetzen wird.

Nun hat der Verband der Ersatzkassen (VdEK) seine 32-seitige Broschüre „Ungleiche Partner – Patientenselbsthilfe und Wirtschaftsunternehmen im Gesundheitssektor“ neu aufgelegt. Sie beschreibt das Problem der Abhängigkeit von Geldern der Industrie – auch der schleichenden, unbewusst bleibenden Beeinflussung – und gibt Ratschläge für Selbsthilfegruppen und -organisationen. Dazu gehört vor allem Transparenz. Eine Patientenorganisation, die offenlegt, wieviel ihres Geldes von welchen Unternehmen kommt, zeigt, dass sie bewusst damit umgeht und sich der Diskussion stellt. Noch besser ist es natürlich, ganz auf Industriegelder zu verzichten. Dafür gibt es zum Beispiel gesetzlich geregelte Förderprogramme der Krankenkassen.