Wo sind die Käfigeier versteckt?

Aus welcher Haltungsform ein Ei stammt, können Sie im Supermarkt sofort am Stempelaufdruck erkennen. Doch wie sieht es auch, wenn das Ei in einem Fertiglebensmittel verarbeitet wurde? Wir haben nachgefragt, welche Eier die Hersteller verwenden und ob sie es den Verbrauchern auch sagen.

Hühnerstall
Stand: 11.09.2014

Meinungsumfragen zeigen, dass die meisten Verbraucher für tiergerechte Hühnerhaltung sind. In Supermärkten werden daher praktisch keine frischen Eier aus der sogenannten Kleingruppenhaltung, die wie die inzwischen verbotenen Käfigeier mit „3“ gekennzeichnet sind, mehr angeboten. Während sich Verbraucher bei frischen Eiern durch die klare Kennzeichnung per Stempelaufdruck bewusst gegen die Haltung in Kleingruppenkäfigen und für Boden-, Freiland- oder Biohaltung entscheiden können, haben sie diese Möglichkeit bei Fertiglebensmitteln nicht.

Wir haben im Rahmen einer Umfrage 99 Hersteller und 17 Handelsketten befragt sowie 243 eihaltige Lebensmittel aus dem Supermarkt hinsichtlich der Kennzeichnung der Haltungsform auf den Verpackungen untersucht.

Welche Eier stecken in Fertiglebensmitteln?

  • 53 Prozent der Hersteller gaben an, in ihren Produkten nur Eier und Eiprodukte aus Boden- oder Freilandhaltung einzusetzen. Dazu gehören Bahlsen, Ferrero, Thomy (Nestlé), Knorr (Unilever) und Birkel.
  • 10 Prozent der befragten Produzenten teilten mit, dass sie teilweise Eier aus Kleingruppenkäfigen verwenden. Nur zwei Hersteller (2 Prozent) setzen nach eigenen Angaben im Wesentlichen nur solche Eier ein: Rieber & Son (Produktbeispiel: P & W Original Dänische Remoulade) und Dovgan GmbH (Süßwaren).
  • 28 Prozent der Unternehmen verweigerten die Auskunft, darunter so bekannte Firmen wie die des Fernsehkochs Schuhbeck und der Süßwarenhersteller Arko, oder sie gaben ausweichende Antworten (8 Prozent), darunter Mondelez International (ehemals Kraft Foods). Bei diesen Firmen kann die Verbraucherzentrale nicht ausschließen, dass Eier aus Kleingruppenkäfigen verwendet bzw. die Lieferanten nicht zum Ausschluss verpflichtet werden.
  • Von den 17 angeschriebenen Handelsketten gaben fünf (Aldi Süd, Coop, Edeka, Famila und Tegut) an, sie setzten ausschließlich Eier aus alternativer Haltung für die Eigenmarken ein. Sechs weitere erklärten, dass sie überwiegend – zu mindestens 90 Prozent – diese Eier verwenden.
  • Rund zwei Drittel der Hersteller, die geantwortet haben, informieren die Verbraucher auf dem Etikett nicht über die Haltungsform. Das deckt sich auch mit unsere Stichprobe im Supermarkt: Von 243 überprüften eihaltigen Produkten trugen über 70 Prozent (174) keine Hinweise zur Haltungsform.

Unsere Befragung der Hersteller und Supermärkte fand zwischen Januar 2013 und März 2013 statt. Alle Angaben beruhen auf den Aussagen der Angeschriebenen. Der Wahrheitsgehalt der Antworten kann von der Verbraucherzentrale nicht überprüft werden.

Schätzungen zufolge werden jährlich mehrere Milliarden Eier aus Kleingruppenkäfigen verarbeitet. Davon werden allein in Deutschland deutlich mehr als eine Milliarde Eier produziert, dazu kommen noch die Importe aus anderen EU-Staaten.

Bei der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt erfahren Sie, welche weiteren Unternehmen der jeweiligen Branche die Verwendung von Käfigeiern bereits beendet haben und welche Firmen die Käfighaltung vermutlich unterstützen.

Unser Standpunkt

Verbraucher, die frische Eier aus Kleingruppenkäfigen ablehnen, wollen diese auch nicht in Fertiglebensmitteln. Wenn Eier aus „Kleingruppenhaltung“ in Fertiglebensmitteln eingesetzt werden, sollte das auf dem Etikett stehen.

Ein weiteres ungelöstes Problem ist der Verkauf von illegalen Käfigeiern aus anderen EU-Staaten, die das seit dem 1. Januar 2012 EU-weit geltende Käfighaltungsverbot – trotz zwölfjähriger Übergangsfrist – immer noch nicht vollständig umgesetzt haben. Obwohl die Eier aus illegaler Käfighaltung stammen, können diese unerkannt als Zutaten in unseren Lebensmitteln landen. Die EU muss endlich Sanktionen gegen diese Staaten einleiten und den Schmusekurs beenden. Der Handel mit Eiprodukten aus illegalen Käfigeiern muss verboten werden.