Umfruchten: Wenn aus Äpfeln Himbeeren werden

Bei Fruchtabbildungen auf Verpackungen gilt oft: vorne hui und hinten pfui. Früchte in Fertiglebensmitteln – die große Illusion? Wir haben die Täuschungsmanöver der Hersteller entlarvt.

Smoothie im Plastikbecher
Stand: 27.05.2015

Mit Fruchtabbildungen auf Verpackungen wird oft geschummelt. Da erhält eine Frucht einen „Upgrade“ zu einer teureren Frucht durch Aromastoffe, da wird Fruchtmus zu Formfrüchten verarbeitet und Etiketten zeigen andere Früchte als die Zutatenlisten.

Täuschungsmanöver der Hersteller

Die Täuschungsmanöver der Hersteller lassen sich unter den drei Begriffen „Umfruchten“, „Formfrucht“ und „Fruchtillusion“ zusammenfassen.

  1. Beim Umfruchten werden Früchte mit Aromastoffen in eine andere, teurere Frucht umgewandelt. Es findet also ein „Upgrade“ zu einer vermeintlich hochwertigeren Frucht statt. Wenn aus Äpfeln wie durch ein Wunder Himbeeren oder aus Cranberrys mit Hilfe von Aromastoffen und Zucker plötzlich Kirschen oder Erdbeeren werden, ist das für die Hersteller lukrativ, weil Äpfel und Cranberrys im Vergleich zu Himbeeren und Kirschen im Einkauf deutlich weniger kosten.
  2. Ähnlich wie beim Formfleisch und Klebeschinken werden bei Formfrüchten einzelne Fruchtstücke aus Fruchtmus zusammen gefügt, mit Pflanzenextrakten gefärbt und aromatisiert.
  3. Die große Fruchtillusion erzeugt, wer dem Verbraucher auf der Schauseite der Verpackung ausschließlich die teure Frucht präsentiert, diese aber im Kleingedruckten auf der Rückseite von der Menge her nur eine untergeordnete Rolle spielt. Der fliegende Fruchtwechsel führt etwa vom „Sanddornsaft“ vorne zum „Apfelsaft mit einem Schuss Sanddornsaft“ hinten.

Wir haben im März 2011 verschiedene Produkte genauer unter die Lupe genommen und den Schwindel genau dokumentiert:

Im Kölln Müsli Schoko Kirsch stecken beispielsweise mehr getrocknete kostengünstige Cranberrys als Kirschen. Im N.A. Frucht Snack 100 % Frucht Erdbeere Softe Stückchen befinden sich aus Apfelsaft, Apfelmus und Erdbeermus zu Stückchen zusammengefügte Formfrüchte. Das Molkegetränk Müller Fructiv Mango Maracuja, das aufgrund der Bilder auf dem Etikett als Fruchtanteil nur Mango- und Maracujasaft vorgaukelt, enthält tatsächlich überwiegend Orangensaft.

Unser Standpunkt

„Die große Illusion“ darf nicht das Motto für unser Essen sein. Verbrauchern kann nicht zugemutet werden, in mühevoller Kleinarbeit das Kleingedruckte in der Zutatenliste zu studieren, um die Widersprüche zwischen den Versprechungen auf der Schauseite und der tristen Wahrheit aufzulösen. Dazu bleibt beim täglichen Einkauf keine Zeit. Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass auf der Schauseite des Produktes die wahre Zusammensetzung genannt und abgebildet wird.