Fleisch: Wirrwarr am Kühlregal

Wer Fleisch mit besseren Tierhaltungsstandards kaufen will, muss im Handel mit viel Aufwand danach suchen. Nicht immer bekommt man das, was man eigentlich erwartet. Die Verbraucherzentralen haben die Werbeaussagen von Herstellern und Händlern zur Tierhaltung von Schwein, Rind und Geflügel in einer bundesweiten Stichprobe untersucht.

Frau an der Fleischtheke

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Suche nach Fleisch mit besseren Tierhaltungsstandards im Handel ist für Verbraucher noch immer mit viel Aufwand verbunden. Meist fehlen verlässliche Informationen.
  2. Nachvollziehbare Aussagen zur Tierhaltung finden sich nur vereinzelt bei Geflügelfleisch.
  3. Verbraucherzentrale fordern: Der Handel sollte nach dem gesetzlichen Mindeststandard produziertes Fleisch nicht mit dem Image besserer Haltungsbedingungen bewerben.
Stand: 15.01.2019

Wer Fleisch mit besseren Tierhaltungsstandards kaufen will, muss im Handel aufwändig suchen, so das Ergebnis einer bundesweiten Stichprobe  der Verbraucherzentralen. Überprüft wurden die Werbeaussagen der Hersteller und Händler zur Tierhaltung von Schwein, Rind und Geflügel in Supermärkten und Discountern. Demnach sind Verbraucher in den Geschäften einer unüberschaubaren Flut an Siegeln und Werbebotschaften ausgeliefert. Die aktuellen Initiativen des Handels, Haltungsformen besser zu kennzeichnen, sind generell begrüßenswert. Doch die Maßnahmen bieten momentan noch zu wenig Orientierung beim Einkauf.

Kaum verlässliche Informationen auf Fleischprodukten

Das konventionelle Fleischangebot in den 17 aufgesuchten Handelsketten bot nur vereinzelt verlässliche und nachvollziehbare Werbeaussagen für höhere Tierschutzstandards. Die EU-Vermarktungsnormen für Geflügel definieren beispielsweise eindeutig die „Extensive Bodenhaltung“, „Freilandhaltung“, „Bäuerliche Freilandhaltung“ und „Bäuerliche Freilandhaltung – Unbegrenzter Auslauf“. Sie schreiben genau vor, wie viel Platz die Tiere haben, wie groß ihr Auslauf ist und wie sie gefüttert werden und bieten damit eine gute Orientierung. Solche Angebote sind allerdings selten.

Beim Schweine- und Rindfleisch ist das Angebot mit verlässlicher und nachvollziehbarer Werbung sehr mager. Informationen zu den ausgelobten Haltungskriterien, beispielsweise „Weidehaltung“, fehlen sowohl bei Aldi, Edeka, Hit, Lidl, Rewe als auch bei Real. Beschönigende Auslobungen zur Tierhaltung gibt es bei allen Discountern und Supermärkten. Beispiel Schweine-Minutensteaks von Netto Marken-Discount: Ein Foto auf der Vorderseite der Verpackung zeigt Schweine in Freilandidylle. Dies steht im krassen Widerspruch zum Haltungszeugnis der Stufe 1, das lediglich dem gesetzlichen Mindeststandard der Stallhaltung entspricht. Mit solchen Marketing-Tricks werden Kunden schnell hinters Licht geführt. Begriffe wie „artgerecht“, „tiergerecht“ oder „Tierwohl“ sind rechtlich nicht geschützt, werden aber willkürlich genutzt.

Initiative des Handels zur Haltungskennzeichnung

Zwar wollen große deutsche Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl ein einheitliches System der Haltungskennzeichnung mit 4 Stufen auf Verpackungen für Fleisch einführen, das laut der vom Lebensmittelhandel getragenen „Initiative Tierwohl“ vom gesetzlichen Standard bis hin zu Premium- oder Bioware reichen soll, doch von einem wirklichen Label für mehr Tierwohl kann nach Meinung des Verbraucherzentralen nicht gesprochen werden.

Unser Forderungen

  • Keine irreführende Werbung: Der Handel sollte nach dem gesetzlichen Mindeststandard produziertes Fleisch nicht mit irreführenden Begriffen bewerben. Mit besseren Haltungsbedingungen wie „Weidehaltung“, „mehr Platz“ oder „kleinere Tiergruppe“ dürfen Hersteller nur werben, wenn diese für Verbraucher auch nachvollziehbar sind. Aufmachungen ohne konkretere Angaben sind nichtssagend und wecken falsche Erwartungen. 
  • Staatliches Siegel: Der Gesetzgeber sollte zeitnah eine verpflichtende mehrstufige staatliche Tierwohlkennzeichnung einführen, um Verbrauchern eine bessere Orientierung beim Fleischeinkauf zu bieten, den Wildwuchs der Label einzudämmen und nicht allein dem Handel diese Deklaration überlassen. Ein einheitliches Logo des Handels, wie es aktuell von einigen Ketten angestrebt wird, kann nur eine vorübergehende „Behelfslösung“ sein. Denn die Kriterien für diese Tierwohlkennzeichnung sollten deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen.

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