Listerien bei Wilke: Neuste Informationen zum Wurstskandal

Der Fall Wilke mit Listerien in Wurstwaren zieht immer größere Kreise. Listen mit Wurst oder Fleisch von Wilke und entsprechende Rückrufaktionen in den Bundesländern finden Sie hier. Weitere aktuelle Informationen zu diesem Skandal haben wir für Sie zusammengefasst.

Salami mit Listerien

Das Wichtigste in Kürze

  1. Behörden haben die Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG geschlossen. Listerien wurden in Wurstwaren nachgewiesen.
  2. Drei Todesfälle werden mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dem Verzehr von Produkten der Firma in Verbindung gebracht.
  3. Die Informationspolitik ist völlig unzureichend und unverantwortlich. Anbieter wie Metro, IKEA oder Großhandelsfirma Kremers nennen Namen oder melden Rückrufe. Aber noch ist unklar, wo die Wurst verkauft wurde und wer diese eventuell noch im Kühlschrank hat.

Rückruf fast aller Produkte von Wilke

Stand: 15.10.2019

Am Mittwoch, den 2. Oktober 2019, haben Veterinärbehörden in Hessen die Produktion des Wurstherstellers Wilke Fleisch- und Wurstwaren endlich geschlossen. Bei Untersuchungen sind mehrfach Listerien in der Produktion und in den Lebensmitteln festgestellt worden und es wird über eklatante Hygienemängel berichtet. Das Robert-Koch-Institut einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Produkten der Firma Wilke und drei Todesfällen festgestellt. Es handelt sich dabei um Pizza-Salami, Brühwurst oder Schinken. Zudem gibt es mindestens 37 weitere Krankheitsfälle. Ein erster Fall  trat offenbar bereits 2014 auf und in den Jahren 2018 und 2019 haben sich die Fälle dann gehäuft. Eine Übersicht finden Sie hier  (ab Seite 431).

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat eine Lebensmittelwarnung vor den Erzeugnissen der Firma Wilke veröffentlicht. Am Ende dieser Warnung finden Sie eine sehr lange Übersicht mit ca. 1.100 zurückgerufenen Produkten. Diese Liste ist leider noch sehr ungenau.

Die Lebensmittel standen auch in Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, wie zum Beispiel Kantinen, Krankenhäuser sowie Altenheime auf dem Speiseplan. In diesen Einrichtungen sind die meisten Menschen daran erkrankt. Aber auch im Einzelhandel werden sie verkauft: Neben verpackter Waren gibt es viele unverpackte Produkte, z.B. an der Frischetheke für Wurst.

Listerien sehr gefährlich für Immungeschwächte und Schwangere

Eine Listerien-Erkrankung äußert sich meist innerhalb von 14 Tagen. Sie verläuft bei gesunden Menschen meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen, Durchfall und Fieber. Immungeschwächte, Schwangere sowie Senioren über 80 Jahren sind aber besonders gefährdet. Hier kann es zu schwereren Krankheitsverläufen mit Blutvergiftung sowie Hirnhautentzündung und sogar Todesfällen kommen. Bei Schwangeren sind Früh- und Fehlgeburten möglich. Weitere Infos unter erhalten Sie auf der Homepage des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Die Bakterien lassen sich durch Kochen bei über 65 °C abtöten. Diese Temperatur muss auch im Innern des Produktes erreicht werden. Beim Einfrieren können diese Bakterien überleben. Vakuumsverpackungen oder Kühlschranklagerung verhindern die Vermehrung der Bakterien nicht.  Lebensmittel wie Pizzen können übrigens auch nach der Herstellung mit Listerien kontaminiert werden, z.B. nach dem Erhitzen und noch vor dem Verpacken. Rohe Lebenmsittel wie Mettwurst oder Schinken werden bei der Produktion übrigens nicht erhitzt und können daher besonders problematisch sein.

Verantwortungslose Informationspolitik der Behörden und der Firma

Bisher wurden das Identifikationszeichen der Firma („DE EV 203 EG“) und Produktnamen genannt. Bilder von Verpackungen zur schnellen Erkennbarkeit, die bei Warnungen sonst üblich sind, sucht man vergeblich. Obwohl auch der Lebensmittelhandel beliefert wurde und die Ware in allen Bundesländern verkauft worden ist.

Vorbeugender Verbraucherschutz sieht anders aus!

  • Kunden erfahren noch zu wenig konkreten Produktnamen von möglicherweise betroffenen Produkten. Auf welcher Salami-Pizza ist zum Beispiel eine Wilke Wurst verwendet worden, in welchem Fertiggericht ist eine Wurst der Firma zugesetzt worden?
  • Es fehlen die meisten Namen der belieferten Handelsketten, in denen Kunden möglicherweise lose Scheiben der betroffene Wurst an der Frischtheke gekauft haben.
  • Das veröffentlichte Identitätszeichen DE EV 203 EG hilft Ihnen nur weiter, wenn Sie Wurstwaren gekauft haben, die die Firma selbst hergestellt oder verarbeitet hat. Dann muss dieses ovale Zeichen auf dem Etikett stehen. Fertigprodukte von anderen Firmen mit einzelnen Zutaten von Wilke tragen in der Regel ein anderes Identitätskennzeichen oder gar keins.
  • Behörden müssen Ross und Reiter nennen, d.h. alle betroffenen Produkte der Firma sowie alle Fertiglebensmittel mit Zutaten der Firma. Die Namen der Handelsketten müssen veröffentlicht werden, die Wurst und Fleischprodukte lose an ihre Kunden verkauft haben.

Update: Produkte, Händler und Einrichtungen

  • Weitere betroffene Marken: Haus am Eichfeld, Servisa, Pickosta, Esskutur-Sander Gourmet, Rohloff Fleischmanufaktur, Schnittpunkt, Korbach, Aro, Findt, Damino, Cock´s Vleeswaren, Arasco, OMACO, Delikrydret, Patissa, LA MILA, G&P, AFMO, BÄKO, Aleksa, La Roya, Vom Bauernland, La Persa, Wilbi, CASA, meatmaxx oder Yayla
  • Metro ruft neben den Produkten von Wilke, die sie verkauft hat, auch verschiedene Eigenmarken, die von Wilke produziert wurden, zurück:
    Aro Pizzasalami 1000g  4018905405031
     Aro Peperonisalami 1000g  4018905405055
     Metro Chef Pizzasalami geschnitten 1000g  4018905554890
     Metro Chef Peperonisalami geschnitten 1000g  4018905554890
  • Kaufland hat nach eigenen Angaben nur in den Filalen in Schwalmstadt, Korbach und Biedenkopf Wilke-Produkte verkauft und ruft die Wurstwaren zurück. Hier erhalten Sie weitere Informationen.
  •  Hans Kremers GmbH hat dem Internetportal Produktwarnung eine Auflistung von betroffenen Produkten und von Einrichtungen, die mit Wilke Pordukten beliefert wurden, zur Verfügung gestellt.
  • Situation in Hamburg: Ein Vertrieb von Waren hat bundesweit stattgefunden. Unter anderem wurden auch sieben Hamburger Großhändler mit Erzeugnissen der Firma Wilke beliefert. Die Fachämter der betroffenen Bezirke Altona und Mitte haben mittlerweile einen möglichen Weiterverkauf in den Einzelhandel gestoppt. Die Ware wird aus vorbeugendem Gesundheits- und Verbraucherschutz aus dem Verkehr genommen. Die Behörde informiert umfassend über weitere lokale Maßnahmen und gegebenenfalls auch über Krankheitsfälle.  
  • IKEA hat  nach eigenen Angaben alle Wurstwaren, die von der Firma Wilke stammten, aus dem Verkehr gezogen.
  • Ebkinder-Kitas haben die Ausgabe von Wilke-Wurst gestoppt, es waren wenige Einrichtungen davon betroffen.  

Die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher muss im Vordergrund stehen

Die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband fordern Konsequenzen aus dem Skandal und haben ein Forderungspapier veröffentlicht. Insbesondere fordern wir:

  • Die Verantwortung für die Überwachung muss künftig auf Länderebene liegen. Im Krisenfall muss der Bund die Koordinierung und Verantwortung übernehmen. Die kommunale Lebensmittelüberwachung ist bei komplexen Lieferketten nicht mehr zeitgemäß.
  • Die Behörden müssen Rückrufe sofort selbst durchführen können.
  • Betriebe sollten im digitalen Zeitalter jederzeit belegen können, dass sie ihre Lieferkette nachvollziehen können. Lieferketten sollten zudem in einem zentralen, digitalen System auf jeder Stufe abgebildet werden. Die amtliche Überwachung muss jederzeit Zugriff auf dieses System haben.
  • Rückrufe und Information der Verbraucher müssen schneller und umfassender erfolgen.

Bücher und Broschüren