So schummeln Restaurants bei Getränken und Gerichten

Einige Gastronomen nehmen es mit den Angaben auf der Speisekarte nicht so genau. So landen beispielsweise häufig preiswertere Garnelen statt Scampi auf dem Teller. Wir verraten Ihnen die Tricks der Restaurants.

Teller mit Essen in einem Restaurant

Das Wichtigste in Kürze

  1. Garnelen statt Scampi, Käseimitat statt Fetakäse, Formfleisch statt Schinken – Gastronomen nutzen für die Zubereitung von Speisen oft billigere Zutaten als auf der Speisekarte angepriesen.
  2. In vielen Restaurants suchen Verbraucher auf der Speisekarte vergebens nach Hinweisen auf Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Farbstoffe, die eigentlich deklariert werden müssen.
  3. Eine Liste der Verbraucherzentrale hilft, die Tricks der Gastronomen zu entlarven.
Stand: 29.09.2015

Manche hochpreisige Zutat auf der Speisekarte verwandelt sich auf dem Teller der Gäste in eine billigere Variante, z.B. von teuren Scampi zu preiswerten Garnelen oder von der hochwertigen Seezunge zum billigen Pangasiusfilet. Das spart dem Gastronomen Geld, aber für die Gäste ist diese Schummelei höchst ärgerlich. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass Restaurantbesucher nicht getäuscht werden. Kunden, die die angebotenen teuren Scampi bestellen, müsse diese auch serviert bekommen!

Die Mogeleien der Gastronomie

Beim Lesen mancher Speisekarte könnte man vermuten, dass Restaurantköche ausschließlich über den Wochenmarkt laufen oder sich nur mit frischer Ware beliefern lassen. Doch tatsächlich werden in der Gastronomie immer mehr vorgefertigte Gerichte beim Gastroservice der Lebensmittelindustrie gekauft; Beobachter gehen von bis zu 80 Prozent der Speisen aus. Verbraucher werden vielerorts über den Restauranttisch gezogen, denn sie wollen keine aufgewärmten Fertigprodukte, sondern in der Küche zubereitete Speisen. So kann es durchaus vorkommen, dass auf der Speisekarte durchschnittliche Instantware als hausgemachtes Premiumprodukt angepriesen wird. Die „Kochkunst“ besteht dann aus dem Auftauen oder dem Öffnen einer Dose. 

Garnelen statt Scampi, Käseimitat statt Fetakäse, Formfleisch statt Schinken, aufgesprudeltes Leitungswasser statt Mineralwasser. Wir zeigen Ihnen, wie Sie im Restaurant getäuscht werden.

Gesetzliche Vorgaben werden ignoriert

Ob die hausgemachte Erdbeertorte oder Omas Gulaschsuppe wirklich selbst gemacht sind, können Gäste kaum erkennen. Viele Gastronomen halten sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben, obwohl die Verwendung von Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärkern oder Farbstoffen deklariert werden muss. Die Branche hält es mit dem Sprichwort ,Reden ist Silber, Schweigen ist Gold’. Wenn der Geschmack der Suppe nicht von Gewürzen, sondern Geschmacksverstärkern stammt, verschlägt’s vielen Wirten die Sprache. Doch um den Verbraucherschutz im Restaurant zu verbessern, sollten sich Wirte endlich an die gesetzlichen Kennzeichnungsvorgaben halten. Vorgefertigte und nicht hausgemachte Speisen müssen entsprechend deklariert werden.

Den Speisekartenschwindel entlarven

Um Ihnen mehr Durchblick beim Restaurantbesuch zu verschaffen, haben wir verschiedene Materialien für Sie zusammengestellt:

  • Alternative Speisekarte: eine Zusatzstoff-Ermittlungskarte für Verbraucher zum Aufspüren von Deklarationslücken in Restaurants

Die Sache mit der Sauce Hollandaise

In Restaurants wird die zum Spargel gereichte Sauce Hollandaise oft nicht selbst mit Butter und Eigelb zubereitet, sondern es werden billige Imitate der Lebensmittelindustrie verwendet. Das ist das Ergebnis eines Testessens in elf Restaurants in Hamburg und an der Niedersächsischen Spargelstraße, das wir gemeinsam mit der Fernsehsendung Markt des NDR im Mai 2012 durchgeführt haben.

  • In sieben der elf Restaurants wurde Fertigsauce quasi ohne Butter aufgetischt. Fünf Lokale behaupteten sogar auf Nachfrage, dass die Sauce selbstgemacht sei – darunter so bekannte Restaurantketten wie Block House und Schweinske.

  • Nur vier Restaurants boten echte Sauce Hollandaise an.

Restaurant Echte
Sauce
Hollandaise?
Milchfettanteil in der
Sauce Hollandaise*
Bemerkungen
Schweinske
Reeperbahn 157
20359 Hamburg
Nein nicht nachweisbar
(<0,1 %)
Auf Nachfrage wurde behauptet, dass es sich um eine echte Sauce Hollandaise handelt.
Block House
Kirchenallee 49-51
20099 Hamburg
Nein 4,9 %,
nur 0,3 %
davon stammt aus Butter
Auf Nachfrage wurde behauptet, dass es sich um eine echte Sauce Hollandaise handelt.
Hofbräuhaus
Esplanade 6
20354 Hamburg
Nein nicht nachweisbar
(<0,1 %)
Die Bedienung war sich auf Nachfrage unsicher, ob die Sauce Hollandaise selbst gemacht ist.
Thiermann
Scharringhausen 23
27245 Kirchdorf
Nein nicht nachweisbar
(<0,1 %)
Auf Nachfrage wurde behauptet, dass es sich um eine echte Sauce Hollandaise handelt.
Baumann’s Hof
Kuppendorfer Straße 2
27245 Kirchdorf
Nein nicht nachweisbar
(<0,1 %)
Auf Nachfrage wurde behauptet, dass es sich um eine echte Sauce Hollandaise handelt.
Strandterrassen
Meerstraße 2
31515 Steinhude
Nein keine Analyse
Auf Nachfrage gab die Bedienung zu, dass die verwendete Sauce Hollandaise eine Fertigsauce ist.
Hafenblick
Deichstraße 5
31515 Steinhude
Nein keine Analyse Auf Nachfrage gab die Bedienung zu, dass die verwendete Sauce Hollandaise eine Fertigsauce ist.
Landhaus Walter
Hindenburgstraße 2
22303 Hamburg
Ja 77,1 %  
Old Commerical
Englische Planke 10
20459 Hamburg
Ja 70,0 %  
Rach & Ritchie
Holstenkamp 71
22525 Hamburg
Ja 44,9 %  
Falldorfs Gasthaus
Rahdener Str. 55
49419 Wagenfeld
Ja 52,9 %  

*Analyse durch KIN Lebensmittel-Institut, Neumünster; Stand Mai 2012

Danke für Ihren Hinweis!

Das Restaurantessen haben wir ins Visier genommen, weil Verbraucher mit Beschwerden an uns herangetreten sind. Wenn Sie auch schlechte Erfahrungen in der Gastronomie gemacht haben, freuen wir uns über eine E-Mail an ernaehrung@vzhh.de.