Nahrungsergänzungsmittel in der Überdosis

Eine Milliarde Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpräparate oder Fischölkapseln aus. Dabei sind solche Produkte meistens Geldverschwendung und oft nicht gut für die Gesundheit – so auch Magnesiumtabletten.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Viele Nahrungsergänzungsmittel sind im besten Falle überflüssig und somit reine Geldverschwendung; im schlimmeren Falle jedoch gesundheitsschädlich.
  2. Magnesiumprodukte beispielsweise sind oft überdosiert und werden falsch beworben.
  3. Nahrungsergänzungsmittel müssen nicht offiziell auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet, sondern lediglich angemeldet werden.
Stand: 18.01.2017

Der Großteil der Bevölkerung Deutschlands ist heute mit Nährstoffen ausreichend versorgt. Dennoch vermitteln viele Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln Verbrauchern, sie würden ihrer Gesundheit etwas Gutes tun.

Nahrungsergänzungsmittel in (fast) aller Munde

Jeder dritte Deutsche nimmt laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen Nahrungsergänzungsmittel ein. Rund die Hälfte der Befragten meinte, Nahrungsergänzungsmittel seien gesundheitsfördernd und die Produkte seien geprüft. Das ist leider ein Irrglaube. 

 

Behördliche Zulassung von Nahrungsergänzungsmitteln fehlt

Knapp die Hälfte der Verbraucher (47 Prozent) vertraut darauf, dass Nahrungsergänzungsmittel, die in Deutschland verkauft werden, vorher amtlich auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft wurden. Das ist jedoch nicht der Fall: Hersteller müssen neue Produkte lediglich anmelden.

 

Magnesiumprodukte oft überdosiert und falsch beworben

Ein Marktcheck der Verbraucherzentralen offenbarte, dass etwa bei magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln einiges im Argen liegt:

Viele der Produkte enthalten außerdem Vitamine und Mineralien in zu hohen Dosierungen oder ungünstigen Kombinationen.

Bei 40 Prozent der im Internet vertriebenen Magnesiumprodukte warben die Anbieter zudem mit nicht zugelassenen Gesundheitsaussagen.

  • 64 Prozent der untersuchten Produkte wiesen eine zu hohe Dosierung des Mineralstoffes auf. Je nach Magnesiumkonzentration kann es dadurch zu Nebenwirkungen wie Durchfall und Erbrechen kommen.

 

Wenn Sie wissen möchten, welches Produkt wie abgeschnitten, werfen Sie einen Blick in den Ergebnisbericht des Marktchecks.

Unsere Forderungen

  • Klare Regeln für sinnvolle Dosierungen und definierte Anforderungen an die Inhaltsstoffe: Europaweite Regelungen wie Positivlisten für zugesetzte Stoffe und eindeutige Höchstmengenregelungen.
  • Versprochene Wirkungen müssen wissenschaftlich abgesichert sein. Solange es keine europaweiten Regelungen gibt, sind nationale Vorgaben nötig.
  • Behördliche Sicherheitsprüfung und staatliche Zulassungsverfahren für Nahrungsergänzungsmittel.
  • Produktdatenbank: Öffentliche Liste für Verbraucher im Internet, die zeigt, welche Produkte von den Behörden geprüft wurden.
  • Beschwerdestelle: Für Beschwerden und unerwartete Wirkungen muss eine Meldestelle eingerichtet werden, an die sich Verbraucher unkompliziert wenden können.

Die Umfrage und der Marktcheck wurden gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

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