Fipronil in Eiern: Was kann man noch essen?

Immer noch gibt es neue Meldungen zum Thema Fipronil: In Eiern aus Betrieben in den Niederlanden wurde erneut Fipronil nachgewiesen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen und fordern mehr Transparenz. Verbraucher werden im Dunkeln gelassen.

Eier im Karton

Das Wichtigste in Kürze

  1. Eiercodes von mit Fipronil belasteten Eiern: 0-NL-4031002 und 1-NL-4050502
  2. Millionen in Deutschland verkaufte und verarbeitete Eier enthielten im Sommer 2017 den Insektizid-Wirkstoff Fipronil. Nun wurden erneut belastete Eier aus den Niederlanden entdeckt.
  3. Fipronil kann das Nervensystem schädigen. Es wirkt gegen Flöhe, Zecken oder Läuse und kann sich in Eiern anreichern.
  4. Auch Fertiggerichte können mit dem Gift belastet sein. Doch anders als bei den Eiercodes veröffentlichen die Behörden keine Namen von Produkten und Herstellern.
Stand: 15.06.2018

Das Thema Fipronil war aus der öffentlichen Berichterstattung fast verschwunden. Lange gab es keine Warnungen zu Fipronil in Eiern, das giftige Reinigungsmittel schien endlich aus den Hühnerställen verbannt worden zu sein. Doch nun wurde erneut Fipronil nachgewiesen – in Bio-Eiern aus den Niederlanden. Und auch Fertiggerichte können immer noch belastet sein. Das zeigen Untersuchungsergebnisse von Behörden, doch auf die Namen von Produkten und Herstellern wartet man vergebens. Verbraucher erfahren nicht, welche Lebensmittel belastet sind.

14.06.2018: Weitere mit Fipronil belastete Eier in NRW gefunden

Das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen gab einen weiteren Eiercode bekannt. Es handelt sich dabei um niederländische Eier aus konventioneller Freilandhaltung (1-NL- 4050502). Die ermittelten Fipronil-Werte lagen über dem EU-weiten Grenzwert von 0,005 mg/kg Ei. Verbraucher sollten vorsorglich keine Eier mit diesem Stempelcode verzehren. Ein Gesundheitsrisiko wird aber von den Behörden praktisch ausgeschlossen. Weitere Infos sind zu finden auf der Internetseite des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums. 

12.06.2018: Erneut Fipronil in Eiern (0-NL-4031002) entdeckt

73.000 mit Fipronil belastete Eier sind offensichtlich in den Bundesländern Baden Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein in den Verkauf gelangt. Das teilte das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (LAVES) mit. Es handelt sich um in den Niederlanden produzierte Bio-Eier. Ganz aktuell hat das Ministerium den Eiercode der belasteten Eier bekannt gegeben: 0-NL-4031002

Der seitens der EU festgelegte Grenzwert von 0,005 mg/kg Ei wurde deutlich überschritten. Die betroffenen Eier enthielten nach heutigem Stand bis zu 0,019 mg/kg Fipronil. Ein gesundheitliches Risiko ist nach Berechnung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) durch diese Kontamination jedoch praktisch ausgeschlossen.

Wir meinen: Die Werte liegen zwar deutlich unter den im Sommer des letzten Jahres gemessenen Höchstwerten von 1,2 mg/kg, doch sie zeigen einmal mehr, dass das Fipronil-Problem noch nicht vom Tisch ist. Vebraucher sollten die betroffenen Eier nicht verzehren, sie können in die Einkaufsstätte zurückgebracht werden

04.04.2018: Fipronil in Fertiglebensmitteln nachgewiesen

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat Untersuchungsergebnisse zu Fipronil in verarbeiteten eihaltigen Lebensmitteln veröffentlicht. Demnach konnte in 116 von 903 Lebensmittelproben das Insektizid Fipronil nachgewiesen werden. Von August bis Oktober 2017 wurden Produkte mit einem hohen Eigehalt wie Spätzle, Eierkuchen, Eierplätzchen, Eierlikör und Mayonnaise überprüft.

In der Kategorie Halbfertigerzeugnisse, unter die auch Erzeugnisse wie Eipulver oder Flüssigei fallen, wurde der höchste Anteil an Proben mit Fipronilnachweis gemeldet (25 % der Proben). Diese Erzeugnisse werden in der Regel noch weiter verarbeitet. Bei alkoholischen Getränken (z. B. Eierlikör) konnten in 17 % der untersuchten Proben Rückstände von Fipronil ermittelt werden. Die geringsten Nachweisquoten wurden für die Kategorien Feinkost (8 %) und Fertiggerichte (6 %) gemeldet.

Weitere Informationen sind zu finden im Bericht „Untersuchung von Fipronil in Ei-Verarbeitungsprodukten und eihaltigen Tiefkühlprodukten“ des BVL.

26.10.2017: Kritik an Informationspolitik in Deutschland und der EU

Es mehren sich die Stimmen, die die unzureichende europaweite Transparenz hinsichtlich der belasteten Lebensmittel kritisieren. Noch immer gibt es viel zu wenig Daten, zum Beispiel über das Ausmaß der Belastung.

10.10.2017: Fipronil in Eierlikör und Backwaren

Bisher waren bei behördlichen Untersuchungen von knapp 500 Fertiggerichten insgesamt mehr als 100 Proben belastet. Das sind 20 (!) Prozent – also jedes fünfte Fertiggericht!

Schon jetzt stimmen die Resultate nachdenklich, denn ein Viertel der auffälligen Proben überschritt deutlich die Höchstwerte. Dabei handelte es sich um Zutaten in Fertiglebensmitteln, z.B. „Vollei getrocknet“, Likör mit Eierzusatz, Eiersalat oder feine Backwaren.

Doch der eigentliche Skandal an der Geschichte: Die Anbieter werden nicht genannt. Wir fordern, die Veröffentlichung von Produktnamen und Anbietern und einen schnellen Rückruf!

27.09.2017: EU zieht Konsequenzen aus dem Eierskandal

Die Kommunikation zwischen den Ländern der EU war unzureichend, vor allem die Weitergabe von Informationen hat viel zu lange gedauert. Wichtige Verbesserungsvorschläge liegen vor.

06.09.2017: Belastete Fipronil-Eier in 45 Staaten

Nach Angaben der EU-Kommission wurden in 45 Staaten Fipronil-Eier gefunden: Alle EU Staaten – bis auf Kroatien und Litauen – und 19 weitere Drittstaaten außerhalb der EU. Mehr als 100 Betriebe in der EU seien betroffen. Diese wurden geschlossen und entsprechende Produkte restlos vernichtet. Als Konsequenz erklärte der für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar Andriukaitis nach Beratungen mit den Agrarministern in Tallinn, dass der Informationsaustausch zwischen unterschiedlichen Systemen innerhalb Europas verbessert werden müsse. Vor allem bräuchte man eine bessere Vernetzung der Frühwarnsysteme im Bereich Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelbetrug.

23.08.2017: Entwarnung aus Hannover in Sachen Amitraz

Bei Eier-Kontrollen in Niedersachsen konnten die Prüfer bislang keine Spuren des Pestizids Amitraz finden. Das teilte laut Spiegel Online das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mit. Amitraz ist ein Gift, das gegen Insekten und Milben eingesetzt wird und neben Fipronil in der für die Reinigung von Hühnerstellen genutzte Desinfektionslösung Dega 16 gefunden wurde.

22.08.2017: Fipronil-Eier in Sachsen

Erstmals sind auch in Eiern in Sachsen Spuren des Insektizids Firponil nachgewiesen worden. Laut Medienberichten liegen zwei amtlich bestätigte positive Fipronil-Nachweise vor. Dabei handelte es sich um gekochte und geschälte Salateier sowie eine Probe Eier gekocht und lackiert. Die betroffenen Eier stammten aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Insgesamt wurden in Sachsen bisher 34 Eier-Proben genommen.

18.08.2017: Amitraz in Desinfektionslösung

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, dass die Desinfektionslösung Dega 16, die als Auslöser des Skandals um Millionen verseuchte Hühnereier gilt, offenbar nicht nur das Kontaktgift Fipronil, sondern mit dem Pestizid Amitraz auch einen weiteren gefährlichen Wirkstoff enthielt. Ob und inwieweit das Gift in Eier gelangt sein könnte, wird derzeit offenbar noch geprüft. 
Amitraz ist ein Gift, das gegen Insekten und Milben eingesetzt wird, etwa bei Hunden. Als Pflanzenschutzmittel ist es seit 2008 EU-weit nicht mehr zugelassen, bei Menschen kann Amitraz zu Sprachstörungen, niedrigem Blutdruck und Desorientiertheit führen.

18.08.2017: Erste Fipronil-Eier in Betrieb aus Baden-Württemberg gefunden

In zwei Proben aus einem Eierbetrieb (2-DE-0804634 / 2-DE-0804635) im baden-württembergischen Hohenlohekreis wurde Fipronil gefunden. Die festgestellten Werte lagen bei 0,013 und 0,020 mg/kg. Das Reinigungsmittel Dega 16, das bisher als Ursache gilt, kam auf dem Hof laut Auskunft Hühnerhalters nicht zum Einsatz. Welche Ursache für den Eintrag verantwortlich sein kann, ermitteln die zuständigen Behörden vor Ort. Der Betrieb ist bis auf Weiteres gesperrt. Zur Lebensmittel- und Produktwarnung des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

18.08.2017: Friponil bei Eiern aus Hamburger Einzelhandel nachgewiesen

Bei Untersuchungen von Eiern, die die Behörden in Hamburg durchgeführt haben, wurde in einer Probe Fipronil nachgewiesen. Drei Proben der insgesamt 17 Proben stammten aus Hamburger Legebetrieben und 14 weitere aus dem Handel. In einer Probe von Eiern aus den Niederlanden (0-NL-4293801) wurden Rückstände von Fipronil (Summe von Fipronil und seinem Metaboliten Fipronilsulfon) von 0,017 ± 0,0085 mg/kg Frischgewicht festgestellt.

16.08.2017: Sind 35 Mio. belastete Eier nach Niedersachsen geliefert worden?

Das Landwirtschaftsministerium in Hannover teilte der Neuen Osnabrücker Zeitung mit, dass allein nach Niedersachsen über 28 Millionen Eier (Anmerkung: Diese Zahl wurde in der Zwischenzeit auf 35 Millionen korrigiert) geliefert worden sind, die möglicherweise mit dem Insektizid Fipronil belastet sind. Das hat demnach eine Auswertung der Meldungen im EU-Schnellwarnsystem ergeben, teilte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) mit. Weiter hieß es, dass aus dem Bundesland wiederum knapp 17 Millionen Fipronil-Eier weiterverteilt worden sind. Die Eier sollen sich jetzt aber nicht mehr im Handel befinden.
Das Bundeslandwirtschaftsministerium bleibt laut einer dpa-Meldung trotz der deutlich höheren Angaben aus Niedersachsen bei der Zahl von 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belasteten Eiern, die nach Deutschland geliefert wurden. Aus Sicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führe es zu einer „massiven Überschätzung“ der Zahl, wenn man die vom europäischen Schnellwarnsystem übermittelten Zahlen „rein mathematisch“ zusammenführe.

 


Informationen von Juli und August 2017

Das Insektizid Fipronil kam über Reinigungsmittel in niederländische, belgische und deutsche Hühnerställe. Der Verdacht besteht, dass in einer Fabrik in Rumänien Fipronil in größeren Mengen gekauft wurde. Ein belgischer Importeur soll das Mittel illegal dem Reinigungsmittel untergemischt haben.

Besonders schlimm: Bereits 2016 soll es erste Hinweise gegeben haben. Die Behörden waren laut Medienberichten seit dem 2. Juni 2017 informiert, doch diese schwiegen viel zu lange! Ein grenzübergreifender gesundheitlicher Verbraucherschutz sieht anders aus.

Momentan gibt es umfangreiche Untersuchungen, Sperrungen von Höfen sowie Rückrufaktionen seitens der Behörden und des Handels. Mit einem gemeinsamen Untersuchungsprogramm wollen die Bundesländer nun vor allem Fertiggerichte mit Eiern beproben.

Fipronil wirkt gegen Flöhe, Zecken oder Läuse und kann sich in Eiern anreichern. Leider ist es auch ein schlimmes Bienengift und sollte umgehend komplett verboten werden, weil das Bienensterben ein großes ökologisches Problem darstellt.

1. Wie überprüfe ich die Herkunft von Eiern?

Wollen Sie ein gekauftes Ei überprüfen, so raten wir dazu, immer den Karton zu öffnen und den Code auf dem Ei zu kontrollieren. Der Code auf dem Karton sagt nichts über die Herkunft der Eier aus; er gibt nur Auskunft über den Verpacker.

Es sind auch unterschiedliche Herkunftsangaben auf dem Ei und Karton möglich. Steht auf dem Ei die Herkunft NL (für Niederlande) und auf dem Karton DE (für Deutschland), dann stammen die Eier aus den Niederlanden und wurden in Deutschland verpackt. Der Selbstversorgungsgrad bei Konsumeiern in Deutschland liegt bei rund 70 Prozent, so dass fast jedes dritte Ei eingeführt wird. Hauptlieferant sind die Niederlanden!

Leider wird bei der Deklaration auch teilweise geschwindelt. So reklamieren einige Kunden Eier mit zwei Stempeln, schlecht lesbare Codes oder sogar komplett ungestempelte Eier. Derartige Verstöße können Sie bei der Lebensmittelüberwachung oder bei der Verbraucherzentrale melden. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat eine Pressemitteilung dazu herausgegeben.

So oder so gilt: Ob tatsächlich nur die genannten Chargen belastet sind, ist noch unklar. Das Handelsministerium in den Niederlanden hat noch viele weitere Eiercodes mit belasteten Eier veröffentlicht. Ob noch weitere Eier – außer der oben erwähnten – nach Deutschland gelangt sind, muss noch geprüft werden.

2. Warum ist Fipronil so gefährlich?

Schädigungen des Nervensystems, der Leber, der Niere oder der Schilddrüse können nicht ausgeschlossen werden. Eine Dosis von 0,72 mg/kg Fipronil im Hühnerei wird vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als Obergrenze definiert. Die Werte in den Niederlanden und Belgien lagen bei bis zu 1,2 mg/kg, also deutlich über diesem Wert. In Deutschland wurden bisher in Nordrhein-Westfalen bis zu 0,11 mg/kg in den Eiern aus den Niederlanden gemessen. Bei einem normalen Verzehr (ca. 250 Eier im Jahr) kommt es laut BfR bei Erwachsenen nicht zu akuten gesundheitlichen Gefährdungen.

3. Warum sollten Kinder gar keine belasteten Eier essen?

Hohe Mengen könnten für Kinder ein akutes Gesundheitsrisiko darstellen, daher sollten diese aus Sicherheitsgründen gar keine eventuell belasteten Eier essen.

Unsere Forderungen

Wir schließen uns den Forderungen unseres Bundesverbandes nach politischen Konsequenzen an. Vor allem wäre es wichtig, auch in Fertiggerichten generell die Herkunft und die Haltungsform der Eier zu kennzeichnen. Das fordert übrigens sogar der Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft

Eine rechtzeitig Warnung vor Fipronil in Eiern ist in Europa nicht gelungen: Ein Armutszeugnis für den vorsorglichen gesundheitlichen Verbraucherschutz!

Ratgeber