Produktrückrufe an die große Glocke hängen!

Jede Woche werden in Deutschland im Schnitt drei Lebensmittel zurückgerufen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Verletzungen oder Erkrankungen kommen, in einigen Fällen besteht Lebensgefahr, doch viele Menschen erfahren über Rückrufe nichts. Das muss sich ändern, finden wir. 

Mann mit Bauchschmerzen auf Sofa
Stand: 13.08.2018

Warnungen vor gefährlichen Lebensmitteln, Spielzeug oder Elektrogeräten erreichen viele Menschen in Deutschland oftmals nicht. Gemeinsam mit der Verbraucherorganisation foodwatch und den Betreibern der nicht-kommerziellen Rückrufportale produktrueckrufe.de und produktwarnung.eu haben wir daher an Chefredaktionen sowie leitende Journalistinnen und Journalisten appelliert, Produktrückrufe konsequenter zu veröffentlichen.

Appell an Redaktionen

Medien sollten die  Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung verstehen. Zahlreiche Erkrankungs-, mitunter sogar Todesfälle, ließen sich vermeiden, wenn die Informationen über Rückrufaktionen schnell und zuverlässig verbreitet würden. Wir raten den Redaktionen, möglichst zeitnah und konsequent über alle Rückrufaktionen zu berichten und dafür etwa eine feste Rubrik einzurichten.

Die Bekanntheit eines Herstellers, einer Produktmarke oder die Zahl der potenziell betroffenen Menschen darf unserer Meinung nach nicht darüber entscheiden, ob ein Rückruf verbreitet wird oder nicht. Zudem sollten die potenziellen Gefahren der Produkte möglichst klar und verständlich benannt und nicht bagatellisiert werden. Feste Ansprechpartner in den Redaktionen für das Thema wären auch sinnvoll.

Unzureichende Gesetzeslage für Produktwarnungen

Behörden und Firmen unternehmen bislang bei weitem nicht alles dafür, betroffene Menschen vor problematischen Lebensmitteln und anderen Produkten zu warnen. Dass viele Menschen über Rückrufe nichts erfahren, liegt nach unserer Auffassung vor allem an der unzureichenden Gesetzeslage und mangelhaften Standards: Während Behörden nur äußerst eingeschränkte Informationen haben und daher selten offensiv an die Öffentlichkeit gehen, informieren Supermärkte in der Regel gar nicht oder nur mit unscheinbaren Aushängen im Markt über den Rückruf eines Markenproduktes aus ihrem Sortiment – selbst dann, wenn es sich um ernsthafte Gesundheitsrisiken handelt.

Aktuelles Beispiel

Der Rückruf von Bio-Eiern mit der Printnummer 0-DE-0359721 am 8. August 2018 hätte kaum chaotischer laufen können. Ständig wurde er auf weitere Händler ausgedehnt. Darüber hinaus fehlten zum Teil Bilder der Verpackungen. Einzelne Händler gaben keine Informationen auf ihren Internetseiten heraus, obwohl Bio-Eier aus ihrem Sortiment betroffen waren. Auch die verantwortliche Firma Eifrisch-Vermarktung GmbH und das Portal der Lebensmittelüberwachung lebensmittelwarnung.de kommunizierten die Informationen nicht offen und transparent.

Bücher und Broschüren