Kandidat 1: Vitalis Früchtemüsli von Dr. Oetker

Die Fakten

  1. Weniger drin, Preis gleich: Statt 600 Gramm sind jetzt nur noch 500 Gramm in der Packung. Bei gleichem Preis entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von 20 Prozent.
  2. „Verbesserte Rezeptur“ entpuppt sich als leere Worthülse: jetzt mit Zuckerzusatz, extra gezuckerte exotische Trockenfrüchte, weniger Vollkorn. Einziger Vorteil kein zugesetztes Aroma mehr.
  3. Dr. Oetker verweist auf weichere Konsistenz und intensiveren Fruchtgeschmack. „Bessere Produktqualität“ verursacht höhere Rohstoffkosten.

Beim Vitalis Früchtemüsli von Dr. Oetker stecken jetzt nur noch 500 statt wie bisher 600 Gramm in der Packung. Bei gleichem Preis von zum Beispiel 2,99 Euro bei Kaufland entspricht das einer versteckten Preiserhöhung von 20 Prozent. Wer das Kleingedruckte nicht beachtet, wird die Veränderung rein optisch gar nicht wahrnehmen, denn die geringere Menge ist in einem nahezu identischen Karton verpackt. Zumindest die Schauseite ist gleich groß, nur die Tiefe des Kartons ist um etwa einen Zentimeter geringer.

Gleicher Fruchtanteil – trotzdem weniger Früchte

Auch der neue Hinweis „Verbesserte Rezeptur – schmeckt noch fruchtiger!“ kann viele Verbraucher täuschen. Warum? Der Fruchtanteil liegt nach Angabe des Herstellers zwar weiterhin bei 40 Prozent. Aber: Unklar ist aber, ob Dr. Oetker den zugesetzten Zucker beim Fruchtanteil herausgerechnet hat. Deshalb könnte der tatsächliche prozentuale Fruchtanteil gesunken sein. Die absolute Menge an Früchten wurde auf jeden Fall reduziert – von 240 Gramm natürlichen Trockenfrüchten auf 200 Gramm gezuckerte in einer Packung.

Mehr Zucker zugesetzt – Trockenfrüchte ausgetauscht

Noch etwas fällt auf, wenn beide Packungen nebeneinander liegen. Der Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ fehlt, denn in dem neuen Müsli wird extra Zucker zugesetzt. Beim alten Müsli war der Zuckeranteil nur auf die zugesetzten Trockenfrüchte zurückzuführen. Nun werden die Cranberrys und Papayastücke extra gezuckert, ebenso die Cornflakes – in der alten waren sie es nicht – sowie die neuen Weizenflakes. Insgesamt viermal wird Zucker zugesetzt. Zwar steigt der Zuckergehalt nur von 26 auf 27 Prozent pro 100 Gramm, wie viel davon jedoch zugesetzter Zucker ist, lässt sich aus diesem Zahlenwert nicht ablesen. Denn: Die getrockneten Früchte wurden zum Teil ausgetauscht, sodass sich der Fruchtzuckeranteil zwischen altem und neuem Müsli unterscheiden dürfte. Statt getrockneter Feigen- und Himbeerstücke sowie gerösteter Bananenscheiben sind jetzt gezuckerte Papaya und Cranberrys in der Müslimischung zu finden, neben den sowieso vorhandenen Rosinen, getrocknetem Pfirsich, Apfel- und Birnenstücken.

Kein Aroma mehr – aber auch weniger Vollkorn

Auf die ernährungsphysiologischen sinnvollen, aber zugleich teureren Mandeln verzichtet Dr. Oetker in der neuen Rezeptur. Auch der Vollkornanteil wird heruntergefahren: Nur noch 47 Prozent Vollkornanteil anstatt wie bisher 52 Prozent sind es. Das alles verkauft Dr. Oetker seinen Kunden als „Verbesserte Rezeptur“. Eine Verbesserung sehen wir lediglich in dem Verzicht auf Aroma, das in der Vorgänger-Packung noch eingesetzt wurde.

Statement von Dr. Oetker

Dr. Oetker hebt in einer Stellungnahme hervor, dass

„Verbraucher in Befragungen und Sensoriktests signalisiert haben, dass sie das Müsli von der Konsistenz her weicher und mit einem intensiveren Fruchtgeschmack wollen. (…) Die deutlich bessere Produktqualität schlägt sich allerdings in höheren Rohstoffkosten nieder, so dass das Produkt nicht mehr mit der ursprünglichen Füllmenge angeboten werden konnte.“

Wie so häufig hören wir auch hier aus dem Munde des Herstellers die Ausrede, dass die Verbraucher selbst schuld seien, an den versteckten Preiserhöhungen.