Kandidat 1: Evian Mineralwasser von Danone Waters

Die Fakten

  1. Mit 1,25 Litern statt 1,5 Litern weniger Inhalt pro Flasche.

  2. Bei einigen Händlern zusätzliche Preiserhöhung, z.B. von 0,89 Euro auf 1,09 Euro. (Stand Mai 2016)

  3. Versteckte Preiserhöhung: bis zu 47 Prozent.

  4. Gleiches Mineralwasser aus derselben Quelle in einer neu gestalteten Flasche.

  5. Neue „Premium“-PET-Flasche besonders umweltschädlich.

Stand: 05.01.2017

Deftige Preiserhöhung

Warum wird ein Mineralwasser plötzlich um fast 50 Prozent teurer? Ein deftiger Preisanstieg, der schwer nachvollziehbar ist. Denn: In der Flasche ist nach wie vor das gleiche Wasser, die Quelle ist dieselbe und die Produktionskosten sind vermutlich kaum gestiegen.

Bei dieser besonders dreisten Mogelpackung handelt es sich um die Mineralwasser­marke Evian, die von Danone Waters vertrieben wird. Statt 1,5 Liter für 0,89 Euro gibt es das Mineralwasser jetzt bei einigen Händlern nur noch in einer Flasche mit 1,25 Liter zum Preis von 1,09 Euro, was einer Preiserhöhung von knapp 50 Prozent entspricht! Der Preis für den Sechserpack ist sogar um bis zu 53 Prozent von 5,49 Euro (6 x 1,5 Liter) auf 6,99 Euro (6 x 1,25 Liter) gestiegen.

Gleicher Inhalt, neue Flasche

Das Einzige, was sich neben der reduzierten Füllmenge verändert hat, ist die Optik der Flasche. Diese neue sogenannte Konturflasche, die Evian als Premium-PET-Flasche bezeichnet, sieht moderner aus. Stilisierte Berge sollen die ansonsten glatte Oberfläche aufwerten. Durch die neue Verpackung wird den Verbrauchern ein kostbareres Nass vorgetäuscht, obwohl sich an der Herkunft des Wassers nichts geändert hat. So schön die neu gestaltete Flasche auch ist, als Einwegpfandflasche landet sie sowieso nach Gebrauch in der Regel im Schredder des Pfandrück­gabe­automaten. Unter ökologischen Gesichtspunkten sind Einweg­pfandflaschen also eine „Sünde“. Dennoch setzen große Konzerne wie Danone Waters immer öfter auf Einweg­flaschen und untergraben damit zunehmend das bewährte Mehrwegsystem bei Mineralwasser.

„Alter Wein“ in neuen Schläuchen 

Was steckt tatsächlich hinter der Preiserhöhung? Mit Evian soll Danone Waters eine Neupositionierung im oberen Preisband gelingen, um sich von der Masse des Mineralwasser-Angebots abzuheben. So wird Danone Waters, das auch die Wassermarke Volvic vertreibt, sinngemäß in der Lebensmittelzeitung zitiert. Die Idee, die dahintersteckt: Der Konzern will aus der 1. Liga der Mineralwässer in die Champions League als „Premiumwasser“ aufsteigen – wohlgemerkt ohne besondere Leistung. Und ein wichtiger Schritt, um als Premiumwasser wahrgenommen zu werden, ist offensichtlich – so will uns Danone lehren – zuerst einmal eine deftige Preiserhöhung.

Danone redet sich raus

Uns haben viele Beschwerden von Verbrauchern zu dieser frechen Preiserhöhung erreicht. Gegenüber der Fachpresse begründet Danone Waters den Verkauf von Evian als „Premiumwasser“ mit hohen Wachstumsraten in diesem Marktsegment, die auch für die Zukunft prognostiziert werden. Das dürfte die ehrliche Antwort auf diese dreiste Preiserhöhung sein.

Verbraucher hingegen werden mit Worthülsen zur Nachhaltigkeit und vermeintlichen Vorteilen in der Handhabung abgespeist: „(…),wir (wollen) der Quelle nicht mehr Mineralwasser entnehmen, als sie auf natürlichem Weg reproduzieren kann, damit auch zukünftige Generationen evian trinken können. evian ist dadurch also nicht unbegrenzt verfügbar“. Außerdem lägen die Flaschen „stabiler in der Hand“. Diese Zitate hat uns ein Verbraucher zur Verfügung gestellt, die Danone Waters auf seiner Facebook-Seite gepostet hat.

Auf unsere Anfrage hin betont Danone Waters, dass es sich um eine „Produkt­neu­einführung“ handele, wahrscheinlich um dem Vorwurf der Preiserhöhung zu entgehen. Mögen vielleicht heute noch beide PET-Flaschen – die normale und die Premium-Variante – mit Wasser befüllt werden, so sind sie doch längst nicht mehr überall verfügbar. Bei Rewe und Real steht beispielsweise nur noch die 1,25 Liter „Premiumwasser“-Flasche von Evian im Regal.

Auch uns gegenüber werden aufwendige Maßnahmen zur CO2-Kompensation angeführt. Aus unserer Sicht Lippen­bekenntnisse: Wer den Markt mit Einwegflaschen überschwemmt, statt auf Mehrweg zu setzen, sollte nicht mit Umwelt­freundlichkeit argumentieren. Ganz zu schweigen von dem Transportwahnsinn für das Wasser aus Frankreich nicht nur nach Hamburg, sondern auch unter anderem in die USA und nach Japan! Die Deutsche Umwelthilfe forderte im Juni 2016 sogar einen Stopp des Verkaufs der neuen Einwegflaschen, weil diese besonders unökologisch sind.

Gegenüber der Verbraucherzentrale Hamburg haben auch verschiedene Händler die Preiserhöhung bestätigt, verweisen aber auf die Preisempfehlung des Herstellers (UVP), die sie im Supermarkt abbilden. Der Protest des Handels bleibt leider aus. Im Gegenteil es wird sogar munter mitgespielt, in der Hoffnung, auch etwas vom Kuchen abzubekommen.