Kandidat 3: Squeezeflaschen von Heinz Ketchup

Das Wichtigste in Kürze

  1. Versteckte Preiserhöhung von bis zu 28 Prozent.

  2. Nur bei einem Produkt wurde die Rezeptur verändert.

  3. Schwer durchschaubare Preisgestaltung von Hersteller und Handel.

  4. 25 %-Gratis-Aktion täuscht Verbraucher.

Bei der sogenannten Kopfsteher-Squeezeflasche seines Curry Ketchups hat Heinz die Füllmenge von 500 auf 400 Milliliter reduziert. Der Preis stieg beispielsweise bei Rewe sogar leicht, so dass unterm Strich eine versteckte Preiserhöhung von bis zu 28 Prozent zu Buche schlug. Aber nicht nur das Curry Ketchup, sondern die ganze Palette der verschiedenen Kopfsteherflaschen von Heinz wurde kleiner, darunter auch das normale Tomato Ketchup und die „Light“-Variante, bei der als einzige Sorte nach Angaben von Heinz auch die Rezeptur verändert wurde.

Wie Heinz sich rausredet

Heinz teilte uns auf unsere Anfrage hin mit, dass „die Anzahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat“ und das Unternehmen deshalb eine kleinere Flasche anbieten wollte. Warum das aber mit einem identischen Verkaufspreis einhergehen muss, erklärte Heinz nicht.

Interessant in diesem Zusammenhang: Der Konzern ließ die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) für das kleinere Curry Ketchup und die „Light“-Variante als Empfehlung für den Handel gänzlich unberührt. Beim normalen Tomato Ketchup reduzierte Heinz nach eigenen Angaben die UVP von 1,99 Euro auf 1,79 Euro. Da liegt der Schluss nahe, dass das Unternehmen vor allem beim Curry Ketchup kräftig mitverdienen wollte, ohne eine Gegenleistung zu erbringen.

Handel kassiert teilweise mit ab

Die Verkaufspreise dürfen aus kartellrechtlichen Gründen nur die Einzelhändler festlegen. Welche Rolle die großen Handelskonzerne dabei genau spielen, ist ungewiss. Die größte Preiserhöhung für Heinz Curry Ketchup fanden wir bei Rewe; dort wurde der Preis trotz Füllmengenreduzierung sogar leicht von 2,19 Euro auf 2,25 Euro angehoben, was einer versteckten Preiserhöhung von über 28 Prozent entsprach. Andere Händler wie Kaufland, Lidl, Real und Edeka hingegen senkten die Verkaufspreise für die Ketchup-Produkte zwar teilweise, bezogen auf den Grundpreis pro Kilogramm blieb dennoch eine – wenn auch geringere – Preiserhöhung für die Kunden bestehen. Beim Tomato Ketchup senkte auch Rewe den Preis von 1,99 Euro auf 1,89 Euro. Unterm Strich betrug die Preiserhöhung durch die Füllmengenreduzierung knapp 20 Prozent.

Nur wenige Monate nach der Einführung der neuen „Schrumpfflasche“ brachte Heinz es offensichtlich fertig, eine Kopfsteherflasche, die wieder 500 Milliliter Ketchup beinhaltete, mit dem Etikett  „+25 % gratis“ in Umlauf zu bringen. So werden Verbraucher an der Nase herumgeführt.

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