Falsche Streaming-Dienste: Vorsicht vor Abo-Fallen!

Seien Sie wachsam beim Nutzen von Video-Streaming-Angeboten im Internet! Die Marktwächter sind durch Beschwerden auf ein ganzes Netzwerk an vermeintlichen Video-Streaming-Webseiten gestoßen. Auf diesen versuchen Betrüger, Verbraucher in eine Abofalle zu locken.

Ein alter Sharp-Fernseher vor einer weißen Wand

Das Wichtigste in Kürze

  1. Über vermeintliche Video-Streaming-Websites werden Verbraucher in Abofallen gelockt.
  2. Betreiber der Internetseiten sind zumeist die vier Unternehmen „Turquoiz Limited“, „Lovelust Limited“, „Bizcon Limited“ und „Anmama Limited“ mit Sitz in Großbritannien.
  3. Verbraucher sollten sich keinesfalls für ein kostenloses Testabonnement auf den rund 40 Domains der Betreiber registrieren.
Stand: 18.12.2017

Immer wieder gelangten Verbraucher, darunter häufig Minderjährige, über Pop-up-Fenster auf Webseiten für Video-Streaming-Dienste, wo sie in der Regel mit einem fünftägigen kostenlosen Testabonnement geworben wurden. Für die Nutzung mussten sich die Betroffenen registrieren und dabei neben ihren Adressdaten eine E-Mail-Adresse und eine Telefonnummer angeben. Sie konnten sich jedoch auf den Internetseiten entweder nicht erfolgreich registrieren oder nach der erfolgten Registrierung keine Filme oder Serien streamen. Folglich gingen sie davon aus, dass die Registrierung nicht funktioniert hatte. Allerdings sind die Daten dennoch bei den Betreibern der Webseiten gelandet, die dann die Kosten für ein Abo in Rechnung stellten.

Aggressive Zahlungsaufforderung

Nach Ablauf einer fünftägigen Testphase wurden die Betroffenen per E-Mail oder telefonisch von den Betreibern der Webseiten kontaktiert. Auf aggressive Weise forderten sie die Zahlung des Betrages für ein Jahresabonnement in Höhe von rund 144, 238 oder 359 Euro und beriefen sich dabei auf den Abschluss eines kostenpflichtigen Vertrags. Registrieren Sie sich also keinesfalls auf den betroffenen Internetseiten.

Meiden Sie diese Domains!

Auf fast allen Webseiten wird im Impressum eines der vier Unternehmen „Turquoiz Limited“, „Lovelust Limited“, „Bizcon Limited“ und „Anmama Limited“ mit Sitz in Großbritannien genannt wird. Nach Recherchen der Marktwächter betreiben die vier Firmen die folgenden Domains:

  • bigostream.de | boboflix.com | bobstream.de
  • cinemadome.net | cinemaxx24.com | cineplex24.de
  • dodoflix.com
  • felixkino.com | filmpalast24.com | fixago.de | flexkino.com | flixkino.com
  • imaxcine.com | imaxdome.com | imaxFilme.com | imaxkino.com | imaxtime.com | imaxWelt.com
  • kinoflexx.com | kinolox.de | kinopalast24.com | kinoplexx.com | kinowelt24.com | kinozeit.net 
  • loxostream.de
  • maxxflix.de | meinkinowelt.com | mexflix.com | mexkino.com
  • streamago.de | streamdome.de | streamgogo.de | streamlox.com | streamnox.com | streamogo.de | streamoro.de | streamtime.de | streamtoto.de | streamtox.com | streamzeit.de
  • wowflix.de
  • yalastream.de.

Etwa die Hälfte dieser Webseiten ist derzeit aktiv, die andere Hälfte haben die Betreiber der vermeintlichen Video-Streaming-Dienste entweder ganz oder zeitweise offline gestellt. Doch Achtung, es kommen offenbar regelmäßig neue Domains dazu.

Fehlende Verbraucherinformationen

Nicht auf allen betroffenen Webseiten sind verbraucherschützende Angaben wie Kosten des Abonnements, die automatische Verlängerung oder ein „Kostenpflichtig registrieren“-Button vorhanden. Dies ist offenbar Teil der Strategie der Betreiber.

Bei einem seriösen Angebot erhalten Verbraucher zudem eine Vertragsbestätigung mit den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben zu den geltenden Konditionen per E- Mail. Und sie können auf die Inhalte des Streaming-Dienstes sofort zugreifen. Auf den hier betroffenen Webseiten sind aber offensichtlich gar keine Filme oder Serien zum Abruf vorhanden.

Falsche Infos in YouTube-Videos

Einige Verbraucher konnten die Forderung der Streaming-Dienste nicht nachvollziehen und recherchierten im Internet, ob diese gerechtfertigt ist. Die Marktwächter stießen bei ihren Recherchen auf verschiedene Videos, welche die Betreiber der Webseiten offenbar für diesen Fall YouTube hochgeladen hatten. In diesen Videos lautet die vermeintlich anwaltliche Auskunft, die Forderung des Anbieters sei rechtens, da Verbraucher bei Abschluss die Nutzungsbedingungen akzeptieren mussten.

Über den Marktwächter Digitale Welt

Der Marktwächter Digitale Welt ist ein Frühwarnsystem mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den digitalen Markt aus Perspektive der Verbraucher beobachten und analysieren. Grundlage für diese Arbeit sind Verbraucherbeschwerden, empirische Untersuchungen und ein interaktives Onlineportal. Mit dem Marktwächter Digitale Welt können auch Aufsichts- und Regulierungsbehörden wie zum Beispiel die Bundesnetzagentur (BNetzA) bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Der Marktwächter Digitale Welt setzt sich aus fünf Schwerpunktverbraucherzentralen zusammen, die jeweils ein Handlungsfeld des digitalen Marktes näher untersuchen: Bayern – Digitale Dienstleistungen, Brandenburg – Digitaler Wareneinkauf, Nordrhein-Westfalen – Nutzergenerierte Inhalte, Rheinland Pfalz – Digitale Güter und Schleswig Holstein – Telekommunikationsdienstleistungen. Der Marktwächter Digitale Welt wird gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

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