Telefónica: Blaues Wunder mit Flatrate

Flatrate! Das Angebot, gegen Zahlung einer Pauschale unbeschränkt telefonieren zu können, ist bei der Auswahl eines Telefonanbieters für viele Verbraucher ein entscheidendes Kriterium. Wer solche Angebote beim Wort nimmt, kann allerdings sein blaues Wunder erleben.

Frau mit Smartphone in der Hand vor einem Laptop

Das Wichtigste in Kürze

  1. Telefónica Germany versprach Kunden eine Flatrate in bestimmte ausländische Netze gegen einen erhöhten Grundpreis.
  2. Vielnutzern kündigte der Telefonkonzern kurzerhand die Flatrate und rechnete die Gespräche ins Ausland danach einzeln ab.
  3. Das Landgericht Hamburg hat Telefónica derlei Geschäftspraktiken untersagt.
Stand: 03.06.2013

Flatrate gegen Zahlung einer Pauschale? Wer das Angebot von Telefónica / O2 / Alice annimmt, kann sein blaues Wunder erleben – nämlich in Form einer kurzfristigen Kündigung. Wir sind erfolgreich gegen das Unternehmen vorgegangen. Das Landgericht Hamburg hat Telefónica Germany die Vertragsklausel zur Kündigung des Flatrate-Tarifs „talk4free europa & more“ untersagt (Urteil vom 26. März 2013, Az. 312 O 170/12). Worum geht's?

Verträge von O2 und Alice

Zu Telefónica gehören die Marken Alice und O2. Das Unternehmen bot Verbrauchern Verträge mit einer Flatrate-Option „talk4free europa & more“ an. Danach sollten Kunden gegen einen erhöhten Grundpreis unbegrenzt in bestimmte ausländische Netze telefonieren können. Ein interessantes Angebot, das sich in der Praxis jedoch für etliche Verbraucher als Kostenfalle erwies.

Vielen Kunden – offenbar solchen, die dieses Angebot aus der Sicht der Telefónica allzu sehr nutzten – erklärte das Unternehmen kurzerhand die „Kündigung“ der Flatrate. Das sollte nach der vom Landgericht Hamburg für unwirksam erklärten Klausel im Kleingedruckten des Auftragsformulars auch kurzfristig möglich sein. Nach dem Willen der Telefongesellschaft sollte der Vertrag bis zum Ablauf der vereinbarten Mindestlaufzeit – meist 24 Monate – bestehen bleiben. Die vorher pauschal berechneten Gespräche ins Ausland sollten die betroffenen Kunden aber nunmehr im Einzelnen bezahlen.

Damit entpuppte sich ein eigentlich interessantes Angebot für viele Kunden als heiße Luft. Zudem war einigen Kunden die Bedeutung der Kündigung nicht bewusst. Erst mit der Folgerechnung – oft über mehrere Hundert Euro – wurde ihnen klar, dass die Telefónica nicht mehr bereit war, zu den ursprünglich vereinbarten Bedingungen abzurechnen.

Klage nach Abmahnung

Da Telefónica sich nach unserer Abmahnung weigerte, eine Unter­lassungs­erklärung zu unterzeichnen, reichten wir Klage beim Landgericht Hamburg ein. Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass die in dem Auftragsformular mitbestellte Option „talk4free europa & more“ Bestandteil eines einheitlichen Vertrags ist. Wenn nun der Kunde aufgrund der „Kündigung“ jedes einzelne Gespräch bezahlen muss – so erläutert das Gericht weiter – kann das von den Vertragsparteien insgesamt zugrunde gelegte Gleichgewicht von Leistung und Gegenleistung erheblich gestört werden. Die Klausel sei daher als für die Kunden unangemessen benachteiligend zu beurteilen.

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