Telefonieren auf dem Kreuzfahrtschiff – ein teures Vergnügen

Telefonieren, Nachrichten mit Urlaubsfotos schicken oder im Netz nach aktuellen Sightseeing-Tipps suchen. Für viele Menschen gehört das Smartphone zur Standardausstattung auf Reisen. Doch wer mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist, sollte beim Telefonieren und Surfen besonders vorsichtig sein, denn beides kann richtig teuer werden. 

Bug eines Schiffes auf dem Meer

Das Wichtigste in Kürze

  1. Auf hoher See gelten nicht die günstigen Roaming-Tarife der Europäischen Union. Verbrauchern können durchs Telefonieren und Surfen enorme Kosten entstehen. 
  2. Das Mobilfunknetz auf Schiffen wird über Satellitentechnik ermöglicht, deren Nutzung viel Geld kosten kann.
  3. Die hohen Rechnungen nach einen Kreuzfahrt müssen Verbraucher meistens bezahlen; manchmal können Betroffene auf Kulanz hoffen.
Stand: 27.08.2018

Wenn Sie während einer Reise auf See Ihr Smartphone zum Telefonieren oder Surfen nutzen, müssen Sie mit hohen Kosten auf Ihrer Mobilfunkrechnung rechnen.

Kein günstiges Roaming auf dem Kreuzfahrtschiff

Immer wieder melden sich Betroffene bei den Verbraucherzentralen, weil sie nach ihrem Urlaub von hohen Telefonrechnungen überrascht werden. Da geht es immer wieder um Beträge zwischen 800 Euro und 4000 Euro. In vielen Fällen ist der Grund die Nutzung des Smartphones auf einem Fähr- oder Kreuzfahrtschiff. Die Kosten für das Telefonieren oder Surfen auf See können deutlich höher liegen als an Land.

Wenn Sie mit einem Kreuzfahrtschiff Urlaub machen, sollten Sie bei der Mobilfunknutzung daher besonders vorsichtig sein.

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren im EU-Ausland greift auf dem Meer leider nicht; die günstigen Roaming-Gebühren gelten nur auf dem europäischen Festland. Da sowohl in Nordsee, Ostsee als auch an der Atlantikküste nicht auf Mobilfunkantennen zugegriffen werden kann, wird die Verbindung über Satellit aufgebaut – und das ist mit hohen Kosten verbunden. Wer sich dessen nicht bewusst ist, läuft Gefahr, durch die Nutzung seines Telefons an Bord eine außergewöhnlich hohe Mobilfunkrechnung zu erhalten. Der Download eines einzigen Megabytes kann beispielsweise bei Telefónica bereits 25 Euro kosten. 

Beispiel

Schaut man sich an Bord eines Kreuzfahrtschiffes zum Beispiel ein zehnminütiges Youtube-Video in HD-Qualität an, dann kann das bei 200 Megabyte etwa 5.000 Euro kosten. Den Marktwächtern der Verbraucherzentralen liegt ein konkreter Fall vor, in dem ein Verbraucher über 11.000 Euro zahlen sollte.

Informationen der Anbieter unterschiedlich

Eine aktuelle Analyse von Verbraucherbeschwerden durch die Marktwächter der Verbraucherzentralen zeigt, dass besonders Kunden des Anbieters Telefónica Gefahr laufen, erhöhte Mobilfunkrechnungen zu erhalten. Einerseits beinhaltet die Informations-SMS von Telefónica laut Marktwächtern keine Warnhinweise bezüglich der genauen Kosten, die entstehen können. Andererseits gibt es auch keine automatische Kostenbegrenzung. Laut Medienberichten hat Telefónica mittlerweile nachgebessert. Bei Telekom und Vodafone greift beispielsweise einen Kostenairbag, der bei rund 60 Euro liegt. Kunden von Drillisch oder Mobilcom sind nach den Rückmeldungen, die bei uns in Hamburg eingehen, ebenfalls oft von hohen Telefonrechnungen betroffen.

Die hohen Rechnungen nach einer Kreuzfahrt müssen regelmäßig bezahlt werden. Betroffene können nur auf Kulanz hoffen, wenn sie bei den Anbietern unzureichende Informationen monieren.

Unser Rat

Um hohe Telefonrechnungen zu vermeiden, sollten Sie sich vor Ihrem Urlaub dringend über mögliche Kostenrisiken informieren. Wenn Sie Geld sparen möchten, sollten Sie Ihr Smartphone möglichst während eines Landgangs nutzen und Ihr Netz manuell auswählen, sodass Sie das Mobilfunknetz des Landes und nicht Ihres Kreuzfahrtschiffes nutzen. Außerdem können Sie Freunde und Verwandten bitten, Sie anzurufen. Denn: Eingehende Anrufe sind in jedem Fall günstiger. Erkundigen Sie sich außerdem nach den Preisen, die für die WLAN-Nutzung an Bord erhoben werden.

Über den Marktwächter Digitale Welt

Der Marktwächter Digitale Welt ist ein Frühwarnsystem mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den digitalen Markt aus Perspektive der Verbraucher beobachten und analysieren. Grundlage für diese Arbeit sind Verbraucherbeschwerden, empirische Untersuchungen und ein interaktives Onlineportal. Mit dem Marktwächter Digitale Welt können auch Aufsichts- und Regulierungsbehörden, wie zum Beispiel die Bundesnetzagentur (BNetzA) bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Der Marktwächter Digitale Welt setzt sich aus fünf Schwerpunktverbraucherzentralen zusammen, die jeweils ein Handlungsfeld des digitalen Marktes näher untersuchen: Bayern – Digitale Dienstleistungen, Brandenburg – Digitaler Wareneinkauf, Nordrhein-Westfalen – Nutzergenerierte Inhalte, Rheinland-Pfalz – Digitale Güter und Schleswig-Holstein - Telekommunikationsdienstleistungen. Der Marktwächter Digitale Welt wird finanziell gefördert durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). http://www.marktwaechter.de/digitalewelt

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