Basisinformationsblätter ohne Informationen

Basisinformationsblätter (BIB) sollen über Kosten und Risiken von kapitalbildenden Versicherungen informieren und diese vergleichbar machen. Doch tun sie das wirklich ausreichend? Nein, sagen unsere Marktwächterexperten. Sie haben die BIB von verschiedenen Anbietern unter die Lupe genommen.

Drei Birnen und ein Apfel

Das Wichtigste in Kürze

  1. Basisinformationsblätter (BIB) sollen über die Kosten und Risiken von kapitalbildenden Versicherungen informieren.
  2. Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg haben 26 sogenannte BIB in einer Stichprobe überprüft.
  3. Das Ergebnis: Es fehlt an Vergleichbarkeit innerhalb einer Produktkategorie.
Stand: 23.10.2018

Basisinformationsblätter (BIB) sind seit dem 1. Januar 2018 neuer europäischer Standard im Bereich der kapitalbildenden Versicherungen. Sie sollen Verbraucher über Kosten und Risiken informieren und beim Produktvergleich helfen. Aus Sicht unserer Marktwächter werden die BIB diesen Anforderungen aber nur bedingt gerecht. Es fehlt eine einheitliche Verwendung und Darstellungsweise von Zahlen, Statistiken und Sprache in den untersuchten BIB innerhalb einer Produktkategorie. Nur so ließen sich die Angebote der Versicherer aber überhaupt erst miteinander vergleichen.

„Die BIB sind keine Hilfe für den Verbraucher, sofern sie nicht auf das individuelle Angebot zugeschnitten sind.“

Sandra Klug, Teamleiterin Marktwächter Finanzen Hamburg

Unsere Marktwächter bemängeln an den untersuchten Basisinformationsblättern zudem die unpräzise Nennung von Zahlen und Leistungsdaten der Verträge. Die Angabe von Spannen – etwa bei Kosten und Risikoklassen – bietet den Verbrauchern keine ausreichende Orientierung. Doch nur anhand von konkreten Zahlen lassen sich Produkte adäquat vergleichen. In keinem der überprüften BIB orientierten sich die angegebenen Zahlen und Werte genau an den Angaben des Musterkunden.


 

Die Stichprobe der Untersuchung umfasste 26 BIB verschiedener Versicherer zu dem Produkt fondsgebundene Rentenversicherung aus dem Jahr 2018. Dabei stammten zwölf aus konkreten und unterschriftsreifen Angeboten und 14 aus dem Internet ohne konkreten Angebotsbezug. Die großen Anbieter sind vertreten.

Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Insgesamt untersuchen fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt: Baden-Württemberg (Geldanlage und Altersvorsorge), Bremen (Immobilienfinanzierung), Hamburg (Versicherungen), Hessen (Grauer Kapitalmarkt) und Sachsen (Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite). Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert. www.marktwaechter.de/finanzen

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