Effektivkostenquote bringt nichts

Bei jedem Vertrag kassieren Versicherungskonzerne kräftig ab – ob für Vertrieb, Abschluss oder Verwaltung einer Police. Die 2014 eingeführte Effektivkostenquote für Kapitallebens- oder private Rentenversicherungen sollte die Kosten transparenter machen, doch genau diesen Zweck erfüllt sie nicht.

Wolken am Himmel, die ein Prozentzeichen formen

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Effektivkostenquote für Lebensversicherungen bringt Verbrauchern keine Transparenz hinsichtlich der Kosten eines Vertrags.
  2. Eine Stichprobenuntersuchung der Verbraucherzentrale zeigt, jeder Versicherer berechnet individuell und anhand unterschiedlicher Kriterien, wie viel Geld in Vertrieb und Verwaltung fließt. Die Quote lässt sich auf diese Weise auch schönrechnen.
  3. Produktinformationsblätter bilden die Kosten einer Police konkret in Euros und Cent ab und sind damit aussagekräftiger. 
Stand: 07.09.2015

Seit Inkrafttreten des Lebensversicherungsreformgesetzes müssen Lebensversicherer mit einer Kennziffer darauf hinweisen, wie sich die Kosten für Vertrieb, Abschluss und Verwaltung einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung auf deren Wertentwicklung auswirken. Doch diese sogenannte Effektivkostenquote, die Verbrauchern helfen soll, verschiedene Versicherungsangebote besser miteinander vergleichen zu können, erfüllt ihren Zweck nicht.

Zahlentricksereien mit der Effektivkostenquote

Wir haben anhand einer Stichprobe mit 14 Policen die Kennziffer mit den tatsächlichen Kosten eines Vertrags verglichen. Untersucht wurden stets die Konditionen für einen Versicherungsvertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einer monatlichen Rate von 100 Euro.

Demnach wies beispielsweise die DEVK Lebensversicherungs-AG für ihre Police eine Effektivkostenquote von 0,44 Prozent aus und behielt von den eingezahlten 100 Euro jeden Monat 11,93 Euro ein. CosmosDirekt, für dessen Angebot die Kennziffer mit 0,43 Prozent nahezu identisch war, verlangte hingegen nur 6,45 Euro pro Monat. Über eine Laufzeit von 30 Jahren berechnet die DEVK damit 1.972,80 Euro mehr als CosmosDirekt, doch die Effektivkostenquote bildet dies nicht ab.

Die Gothaer Lebensversicherung AG, Spitzenreiter in der Stichprobe, veranschlagte monatliche Kosten von 15,43 Euro für ihre Police; deren  Effektivkostenquote lag mit 0,59 Prozent jedoch im Mittelfeld aller untersuchten Anbieter.

Besser tatsächliche Kosten vergleichen

Jeder Versicherte will gerne wissen, wie viel von seinem eingezahlten Geld zur Vermögensbildung verwendet wird und welcher Anteil im Vertriebs- und Verwaltungsapparat der Versicherungskonzerne landet. Doch die Effektivkostenquote, mit der der Gesetzgeber Licht ins Dunkel bringen wollte, verwirrt eher. Die Kennziffer schafft keine Transparenz, denn jeder Lebensversicherer wendet bei ihrer Berechnung eigene Methoden an, und der Fall der Gothaer belegt eindeutig, dass sich die Quote auch schönrechnen lässt.

Unser Rat

Lassen Sie sich von der Effektivkostenquote nicht blenden! Bessere Auskunft gibt das Produktinformationsblatt, das jeder Versicherer inzwischen liefern muss. Darin werden die Kosten einer Police auch in Euro- und Cent ausgewiesen. Am besten ist es allerdings, gar keine Kapitallebensversicherung abzuschließen.

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