Gothaer: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt...

Regeln sind da, um gebrochen zu werden, dachte sich wohl die Gothaer Versicherung. Einem Kunden mit einer Lebensversicherung verweigerte der Versicherer die Auskunft über die Höhe seiner bislang eingezahlten Beiträge. Trotz gesetzlicher Auskunftspflicht. Jetzt hat die Gothaer diesen Fehler eingestanden.

Pippi Langstrumpf vor der Villa Kunterbunt

Das Wichtigste in Kürze

  1. Die Gothaer Lebensversicherung verpflichtet sich, geltendes Auskunftsrecht ihrer Kunden nicht länger zu ignorieren und gibt eine Unterlassungserklärung ab.
  2. Einem Versicherten hatte das Unternehmen die Auskunft über die Gesamthöhe seiner eingezahlten Beiträge für eine Lebensversicherung verweigert.
  3. Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg hatten die Gothaer daraufhin wegen Irreführung abgemahnt.
Stand: 10.12.2019

Ein Verbraucher aus Nordrhein-Westfalen hatte die Gothaer Versicherung um eine Aufstellung aller von ihm gezahlten Beiträge für seine fondsgebundene Lebensversicherung gebeten. Der Versicherer lehnte diese Forderung mit der Begründung ab, es handele sich um ein reines Auskunftsbegehren. In solchen Fällen sehe man von Berechnungen ab, da eine Aufstellung aller gezahlten Beiträge zu aufwendig sei.

Aus unserer Sicht ist diese Ablehnung ganz klar rechtswidrig. Im Paragraphen 155 Absatz 1 Nr. 5 des sogenannten Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) ist ein eindeutiger Auskunftsanspruch für die Versicherten formuliert. Dieser gilt für alle Versicherungen mit Überschussbeteiligung. Wir haben die Gothaer daher wegen Irreführung abgemahnt. Nun hat der Versicherungskonzern eine Unterlassungserklärung abgegeben. Es kann nicht sein, dass sich Unternehmen aus Bequemlichkeit und auf Kosten der Verbraucher um geltendes Recht herumdrücken!

Den Anstoß für eine Verschärfung der in §155 VVG formulierten Auskunftspflichten hatte eine Untersuchung unserer Marktwächter im Juni 2016 gegeben. Diese hatten die Standmitteilungen zahlreicher Lebensversicherungen analysiert und dabei erhebliche Defizite in Bezug auf Transparenz, Informationsgehalt und Vergleichbarkeit aufgedeckt.

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Über den Marktwächter Finanzen

Der Marktwächter Finanzen ist ein Projekt, mit dem der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und die Verbraucherzentralen den Finanzmarkt aus Perspektive der Verbraucher beobachten. Hierfür werden Beschwerden und Beratungen von Verbrauchern aus allen 16 deutschen Verbraucherzentralen über ein Frühwarnnetzwerk systematisch ausgewertet. Zudem werden empirische Untersuchungen durchgeführt. So können Schwachstellen und Fehlentwicklungen erkannt, Verbraucher frühzeitig gewarnt und Aufsichts- und Regulierungsbehörden bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Insgesamt untersuchen fünf Schwerpunkt-Verbraucherzentralen den Finanzmarkt: Baden-Württemberg (Geldanlage und Altersvorsorge), Bremen (Immobilienfinanzierung), Hamburg (Versicherungen), Hessen (Grauer Kapitalmarkt) und Sachsen (Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite). Der Marktwächter Finanzen wird durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert.

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