Riester-Rente: Doppelte Kosten wegen Kinderzulage

Verbraucher mit einer Riester-Rentenversicherung, die zulagenbedingt ihre Beiträge senken oder wieder erhöhen, zahlen häufig doppelt. Laut einer Umfrage unseres Marktwächter-Teams geben 15 von 34 Versicherungen an, bei zulagenbedingten Beitragsänderungen erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu erheben - entweder auf Zulagen und/oder auf Beitragserhöhungen.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Marktwächter-Umfrage: 15 von 34 befragten Lebensversicherungen berechnen ihren Kunden erneut Abschluss- und Vertriebskosten bei zulagenbedingten Beitragsänderungen.
  2. Dies belastet vor allem Riester-Sparer mit Kindern.
  3. Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert versicherungsförmige Altersvorsorge als zu unflexibel.

Betroffen von den erneut erhobenen Abschluss- und Betriebskosten sind insbesondere Riester-Sparer, die für bereits laufende Verträge Kinderzulagen erhalten und entsprechend ihren Eigenbeitrag senken. Wenn sie nach dem Wegfall der Kinderzulagen den Eigenbeitrag wieder erhöhen, werden sie ein weiteres Mal zur Kasse gebeten. Die Gesamtbeitragssumme bleibt dabei gleich. Die Versicherer verlangen zuerst für die Zulagen nochmals Abschluss- und Vertriebskosten, später für die Beitragswiedererhöhungen, obwohl das alles bereits zu Beginn bezahlt worden war.

Das Problem: Lebensversicherer interpretieren eine Senkung des Eigenbeitrags als Teilbeitragsfreistellungen nach § 165 VVG. Jede Wiedererhöhung des Beitrags wird dann wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt und führt zu neuen Kosten. Das steht im Widerspruch zu der politisch intendierten Flexibilität der Altersvorsorge mit Riester-Verträgen.

„Diese Praxis zeigt, wie ungeeignet versicherungsförmige Altersvorsorge ist, angemessen auf Veränderungen in der Lebenswirklichkeit zu reagieren."

Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt im Verbraucherzentrale Bundesverband

Über 360 Euro Mehrkosten pro Kind

Ausgangspunkt der Marktwächterumfrage war der Fall eines Verbrauchers mit einem Riester-Rentenversicherungsvertrag bei der Württembergischen Versicherung. Hier hätten sich die Mehrkosten für die Kinderzulage und anschließender Wiedererhöhung des Eigenbeitrages auf mehr als 360 Euro belaufen .

Ziel der Marktwächter-Experten war es, mit einer Umfrage unter Versicherern mit Riester-Rentenangeboten herauszufinden, wie verbreitet dieses Vorgehen in der Branche tatsächlich ist. Von den 34 Versicherern, die solche Verträge anbieten und dem Marktwächter geantwortet haben, räumten 15 ein, erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu erheben.

Ähnliche Doppelbelastungen ergeben sich auch für Riester-Sparer mit schwankenden Einkünften und sich entsprechend ändernden Riester-Eigenbeiträgen sowie für alle Riester-Sparer, sofern sie nach der jüngst erhöhten Grundzulage ihren Eigenbeitrag entsprechend abgesenkt haben.

Methodik zur Umfrage

Am 20.12.2018 haben die Marktwächter alle zu diesem Zeitpunkt unter der Aufsicht der Bundesan-stalt für Finanzdienstleistungen stehenden 85 Lebensversicherungsunternehmen angeschrieben und um die Beantwortung von sechs offenen Fragen bzw. Fragenkomplexen zum Thema „doppelte Erhebung von Abschluss- und Vertriebskosten bei Riester-Rentenversicherungen“ bis zum 31.01.2019 gebeten. 46 Versicherungsunternehmen haben geantwortet. Davon haben zwei Versicherungen mitgeteilt, nicht an unserer Befragung teilnehmen zu wollen. Zehn Versicherer haben angegeben, kein Riester-Produkt im Bestand oder im Vertrieb zu haben. 34 Versicherungsunternehmen haben Angaben gemacht.