Natur schlägt Aroma
Wer im Supermarkt ein Fertiglebensmittel ohne das Wort „Aroma“ in der Zutatenliste kaufen will, muss nach der Nadel im Heuhaufen suchen. Kaum ein Fruchtjoghurt schmeckt noch natürlich nach Frucht, kaum eine Gewürzgurke noch nach Gewürzen. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Etiketten zahlreicher Produkte untersucht und jetzt erstmals eine Positivliste von aktuell 50 Produkten veröffentlicht, die laut Zutatenliste und Versicherung der Anbieter keine Aromastoffe enthalten.
Die Anbieter sparen mit den Zutaten aus dem Chemielabor vor allem Kosten. So enthalten Fruchtjoghurts häufig nur einen geringen Anteil echter Früchte. Da deren Eigenaroma geschmacklich nicht ausreicht, wird mit billigen Aromen nachgeholfen. Beispiel: Mit Himbeeraroma für 6 Cent können 100 kg Joghurt aromatisiert werden. Echte Himbeeren würden mit rund 30 € zu Buche schlagen. Zudem nutzen Hersteller technologische Möglichkeiten, ein Fertiggericht mit dem Namen Gebratene Nudeln – Huhn auch dann noch nach Huhn schmecken zu lassen, wenn nur eine Prise Huhn – 1 % Hühnerfleisch – enthalten ist.
Weiteres Produktbeispiel: Aromatisierter Tee
Die Probleme der zunehmenden Aromatisierung:
- Übergewicht: Aromen regen zum Mehressen an.
- Standardisierter Einheitsgeschmack: Viele Lebensmittel sind überaromatisiert, das prägt das Geschmacksempfinden. Naturbelassenes schmeckt insbesondere Kindern nicht mehr.
- Wertvolle Bestandteile fehlen: Wenn Aromen statt Früchte gegessen werden, fehlt es in der Ernährung an Vitaminen und Mineralstoffen.
- Kennzeichnung für natürliche und künstliche Aromen: So entschlüsseln Sie die Begriffe!
Immer mehr Verbraucher fragen nach Lebensmitteln ohne Beigeschmack aus dem Labor. Die Positivliste gegen den schleichenden Prozess der Aromatisierung soll vor allem den Verbrauchern Hilfestellung geben, die den natürlichen Geschmack der Lebensmittel wieder genießen möchten. Die Liste wird ständig erweitert. Verbraucher sind zur Mithilfe aufgerufen.
Stand vom Montag, 14. März 2011
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