Weniger Pestizide aufm Teller

Wissenschaftliche Studien zeigen: Wer viel Obst und Gemüse isst, lebt gesünder. Doch immer wieder hört man auch, dass verschiedene Obst- und Gemüsesorten mit Pflanzenschutzmitteln, sogenannten Pestiziden, belastet sind. Wir haben für Sie zusammengestellt, was Sie zum Thema wissen müssen.

Schmuggel von illegalen Pflanzenschutzmitteln stoppen

Weltweit agiert eine sogenannte Pestizid-Mafia, die illegale Pflanzenschutzmittel verkauft – auch über den Hamburger Hafen. So finden Beamte des Zolls immer wieder falsch deklarierte Ladungen mit gefährlichen Substanzen, die rund um die Welt geschickt werden. Um die Pestizid-Belastung zu verringern ist eine verbesserte Kontrolle in den europäischen Häfen wünschenswert, jedoch nicht ausreichend. Besonders in Afrika werden illegale Pflanzenschutzmittel häufig flächendeckend eingesetzt: Ein hohes Gesundheitsrisiko für die Verbraucher, aber auch für die Arbeiter vor Ort, die meist vollkommen ungeschützt mit den giftigen Stoffen in Berührung kommen.

Auf einer Fachtagung zum Thema „Gemeinsam gegen illegale Pestizide“ am 16. September 2015 lud die Verbraucherzentrale Hamburg e.V. in Kooperation mit der Stiftung Partnerschaft mit Afrika e.V. deshalb Vertreter von Behörden, Wirtschaft, Verbraucherschutz und Umweltverbänden ein, um über die Probleme im Kampf gegen illegale Pestizide zu diskutieren und Ideen zur Kooperation der Institutionen zu erarbeiten. Die Ergebnisse der Tagung haben wir für Sie zusammengefasst. 

Wissenswertes über Pestizide


Welche Lebensmittel sind mit Pestiziden belastet?

PestizidspritzeIm konventionellen Anbau wird Obst und Gemüse mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Ziel des Einsatzes ist es Kulturpflanzen vor Schadorganismen zu schützen und dadurch die Erträge zu sichern. Untersuchungsergebnisse, welche Obst- oder Gemüseart besonders belastet ist, schwanken je nach Jahr und Schwerpunkt der Untersuchung. Anhand der Untersuchungsergebnisse des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) lässt sich erkennen, welche Produkte häufig bzw. weniger häufig mit Pestiziden belastet sind:

Unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel ohne Getreide und getrocknete Hülsenfrüchte; Probenzahl > 20 aus dem Jahr 2013
Anteil der Proben ohne Rückstände
Blumenkohl, Erdnüsse, Kohlrübe, Knoblauch, Kürbiskerne, Maronen, Mangold, Rhabarber, Pfeffer, Schwarzwurzeln, Spargel, Kaktusfeige, Wassermelonen,  Zwiebel über 70 Prozent
Avocados, Broccoli, Fenchel, Ingwer, Kohlrabi, Kürbis, Karotten, Kopfkohl, Lychee (Litchi), Persimonen (Kaki), Rote Rüben 50 bis 70 Prozent
Auberginen, Bananen, Chirocee, China Kohl, Erbsen (mit Hülsen), Feigen, Gurken, Heidelbeeren, Kartoffeln, Kiwi, Maracuja, Paprika, Physalis, Porree, Rambutan, Radieschen, Rettich, Spinat, Zucchini 30 bis 50 Prozent
Ananas, Äpfel, Aprikosen, Birnen, Brombeeren, Bohnen (mit Hülsen), Erdbeeren, Feldsalat, Frische Kräuter, Frühlingszwiebeln (Lauchzwiebeln), Granatapfel, Grapefruit, grüner Salat,  Grünkohl, Himbeeren, Johannisbeeren (schwarz, rot und weiß), Karambolen (Sternfrucht), Kirschen, Knollensellerie, Kraussalat, Limetten, Mandarinen, Mangos, Melonen, Orangen, Papayas, Pfirsiche, Pitahaya, Pomelo, Salatrauke, Rosenkohl, Rucola, Stachelbeeren, Stangensellerie, Tafeltrauben unter 30 Prozent

Quelle: Auszug aus den Untersuchungsergebnissen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2013 (neuere Daten liegen noch nicht vor)

Insgesamt gilt, dass Lebensmittel aus Deutschland und der Europäischen Union geringer belastet sind als Produkte aus Drittländern. Wurzel- und Stängelgemüse wie Spargel oder Rhabarber ist wesentlich rückstandsärmer als Blatt- und Fruchtgemüse wie Salate, Gurke, Paprika oder Tomate. Das liegt daran, dass der essbare Teil unter der Erde dem chemischen Pflanzenschutz nicht direkt ausgesetzt ist.

Gemüsekorb

2013 waren von den untersuchten Proben 8,3 Prozent der frischen Kräuter, 7,7 Prozent des Kohlrabis und 6,3 Prozent der Paprikaschoten so hoch belastet, dass der Höchstwert überschritten wurde.

Was die meisten nicht wissen: Auch China exportiert besonders viele Nahrungsmittel. Viele Produkte, wie zum Beispiel Tomaten, getrocknete Pilze oder Knoblauch stammen häufig aus dem Reich der Mitte und werden gern in verarbeiteten Lebensmitteln verwendet. So kommt etwa 80 Prozent der weltweiten Ernte für Saftkonzentrate von dort. Aus Sicht vieler Verbraucher spricht einiges gegen den hohen Import von Lebensmitteln aus China. Denn in keinem anderen Land der Welt werden so viele Pestizide verwendet. Dabei kommen auch Stoffe zum Einsatz, die in Deutschland und der Europäischen Union längst verboten sind. Doch weil in China die Untersuchungen der Lebensmittel nicht immer unabhängig oder auf dem neuesten Stand und die Kontrollinstanzen oft korrupt sind, gelangt das Gift unbemerkt ins Essen.

Biolebensmittel sind insgesamt wesentlich weniger belastet als konventionelle Ware. In knapp 70 Prozent der Proben wurden 2013 keine Belastungen gefunden. In 30 Prozent nur sehr geringe Gehalte.

Sind Pestizide gefährlich und wird man krank, wenn man belastetes Obst und Gemüse isst?

Verbraucher in Deutschland nehmen mit der Nahrung nur sehr geringe Mengen an Pflanzenschutzmittelrückständen auf. Allerdings ist dies lediglich ein Teil der Belastung, denen der Mensch täglich ausgeliefert ist. Über die Gefahr, die von mit Pflanzenschutzmitteln belasteten Lebensmitteln ausgeht, streiten sich die Fachleute. Einige stehen im Verdacht Nerven zu schädigen oder das Hormonsystem und die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinflussen.

Es gibt zwei Werte, die über die Giftigkeit von Pestiziden Auskunft geben:

1. Die akute Referenzdosis (ARfD): Hierbei handelt es sich um einen toxikologischen Grenzwert für Pestizide mit einer hohen akuten Giftigkeit. Die ARfD ist die Substanzmenge, die innerhalb eines Tages oder mit einer Mahlzeit aufgenommen werden kann – ohne dass ein erkennbares Gesundheitsrisiko daraus resultiert.

2. Die duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI-Wert - „Acceptable Daily Intake”) ist ein toxikologischer Grenzwert für die Langzeitaufnahme eines Pflanzenschutzmittelrückstandes mit der Nahrung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert sie als die Substanzmenge, die ein Verbraucher unter Berücksichtigung aller vorhandenen Kenntnisse täglich und lebenslang ohne erkennbares Risiko für die Gesundheit aufnehmen kann.

Weitgehend unerforscht sind die Wirkungen von Mehrfachrückständen. Hierbei werden verschiedene Pestizidarten in einer Probe nachgewiesen. Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Pestiziden spielen bei der Forschung eine noch untergeordnete Rolle, obwohl die Mehrheit der Untersuchungen ergibt, dass Obst und Gemüse mit einer Vielzahl an Pestiziden belastet ist. So wurden in einigen Proben bis zu 30 verschiedene Pestizidarten gefunden. Besonders betroffen sind viel verzehrte Obstsorten wie Trauben, Orangen, Erdbeeren, Äpfel und Birnen.

Produkt Anzahl der
Proben
Anteil der Proben mit
Mehrfachrückständen in %
Maximale Anzahl
an Rückständen
Johannisbeeren 129 86,0 16
Grapefruit, Pomelo 275 79,3 14
Erdbeeren 873 78,8 10
Tafeltrauben 445 78,7 24
Pfirsiche 330 77,0 19
Mandarinen 233 76,0 9
Rucola 123 74,0 12
Orangen 214 72,9 10
Feldsalat 133 66,9 10
Zitronen 136 66,9 11
Kirschen 223 65,0 22
Äpfel 620 64,8 18
Ananas 205 62,9 9
Grüner Salat 474 61,4 15
Himbeeren 271 60,5 9
Bananen 113 54,9 8
Birnen 381 52,8 18

Quelle: Auszug aus den Untersuchungsergebnissen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Jahr 2013

Bereits im Jahr 2012 fielen die Mehrheit diese Lebensmittel durch einen hohen Anteil an Proben mit Mehrfachrückständen auf. Neu hinzugekommen sind im Jahr 2013 die Lebensmittel Grapefruit/Pomelo, Ananas und Grüner Salat.

Eine akute Gefahr geht von einem direkten Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln aus. In Entwicklungsländern sterben jährlich tausende Menschen an den Folgen des Pestizideinsatzes, insbesondere Kinder. Aber auch in Industrieländern gibt es verstärkt Hinweise, dass Anwender von Pestiziden ein erhöhtes Risiko tragen, an Krebs und Parkinson zu erkranken.

PAN Germany ist eine gemeinnützige Organisation, die über die negativen Folgen des Einsatzes von Pestiziden informiert und sich für umweltschonende, sozial gerechte Alternativen einsetzt. Der Experte Lars Neumeister hat sein Fachwissen zu Pestiziden, deren Rückstände und Regulierung in zahlreichen Datenbanken und einer App zusammengeführt.

Was ist mit Glyphosat?

Die Internationale WHO-Agentur für Krebsforschung (IARC) hat das Herbizid Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ bewertet und in die zweithöchste Gefahrengruppe eingestuft, mehr zum Thema finden Sie hier.

Wie werden Lebensmittel auf Pestizidrückstände überprüft?

Für die Überwachung und Kontrolle der Lebensmittelsicherheit sind die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer zuständig. Die Bundesbehörden, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), haben koordinierende Funktion und dienen als zentrale Meldestelle für die nationale Berichterstattung.

Die Überwachung und Kontrolle auf Pestizidrückstände erfolgt nach einem Probennahmeplan. In diese Planung geht eine gewisse Anzahl so genannter Verdachts- und Beschwerdeproben ein.

Die Probennahme der Lebensmittelüberwachung erfolgt risikoorientiert, das heißt, es werden vor allem von den Produkten Proben genommen, bei denen hohe Rückstandsgehalte vermutet werden und weniger von den Produkten, bei denen erfahrungsgemäß nur geringe Rückstandsgehalte nachzuweisen sind. Die Probenahme für die Rückstandskontrolle von frischem Obst und Gemüse wird in den meisten Fällen bei den Großhändlern bzw. in den Verteilungszentren und bei landwirtschaftlichen Erzeugern vorgenommen und anschließend in den zugelassenen staatlichen oder kommunalen Laboren untersucht.

Gibt es festgelegte Höchstgehalte und was passiert wenn diese überschritten werden?

Die zulässigen Höchstgehalte in Lebensmitteln sind in einer entsprechenden Verordnung festgesetzt. Sie wurde von der Europäischen Union verabschiedet und in den Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt. Werden die Höchstmengen überschritten, dürfen die betroffenen Lebensmittel nicht in den Verkehr gebracht werden. Problematisch hierbei ist, dass die Lebensmittel parallel zu der Untersuchung in den Handel gelangen und so Überschreitungen erst festgestellt werden, wenn diese bereits verkauft bzw. verzehrt sind. Gesetzliche Grenzwerte für Pestizide im Essen schützen nicht immer vor eventuellen Gesundheitsgefahren, dazu hat Greenpeace eine aktuelle Studie veröffentlicht, die sich allerdings schwerpunktmäßig auf die Situation in der Schweiz bezieht. Die Argumente wie "Cocktaileffekte werden ignoriert" oder "fehlende Anpassungen" gelten auch für Europa.  

Was kann man unternehmen, um die Pestizidbelastung so gering wie möglich zu halten

Gesundes Essen

  • Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau sind weitgehend rückstandsfrei; Sie sollten es daher bevorzugen.

  • Waren mit dem QS-Prüfzeichen werden häufiger kontrolliert als andere Ware.

  • Waschen Sie Obst und Gemüse immer unter fließendem Wasser ab und reiben Sie es mit einem Tuch ab. Das Schälen von Äpfeln und Birnen ist nicht empfehlenswert, da dabei wertvolle Inhaltstoffe verloren gehen.

  • Waschen Sie sich nach dem Schälen von Bananen, Zitrusfrüchten und Mangos die Hände, damit die Rückstände von der Schale nicht auf das Fruchtfleisch übertragen werden.

  • Sollten Sie Orangen- oder Zitronenschale verwenden wollen, nehmen Sie Bio-Ware. Der Hinweis „unbehandelt” bei konventioneller Ware heißt nur, dass kein Schalenbehandlungsmittel eingesetzt worden ist.

  • Kartoffeln, die die Kennzeichnung „nach der Ernte behandelt” tragen, sollten vor dem Verzehr geschält werden.

  • Bei Salat sollten Sie die äußeren Blätter entfernen; die inneren sind rückstandsärmer.

Einen guten Überblick über das Thema Illegale Pflanzenschutzmittel und Tipps wie Sie sich am besten schützen, erhalten Sie im Flyer des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

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Stand vom Montag, 28. November 2016

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