Verursachen Fleisch und Wurst wirklich Krebs?

Eine Meldung der Internationalen Krebsforschungs-Agentur (IARC) – einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – hat in den letzten Tagen für viel kontoverse Diskussion und auch Verwirrung gesorgt. Ist Fleisch zu essen so schädlich wie Rauchen? Wie viel Fleisch kann man überhaupt ohne Bedenken essen?

Wir haben die sechs häufigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengefasst.

1. Was zählt zu verarbeitetem Fleisch?

Verarbeitetes Fleisch ist Fleisch, das durch Verarbeitungsprozesse wie Salzen, Räuchern, Reifen bzw. Fermentieren oder andere Verfahren verändert wurde, um den Geschmack zu verbessern oder es haltbar zu machen. Meistens sind Schweine-, Rind- oder Geflügelfleisch, aber auch Innereien enthalten. Wurstwaren, Schinken, Hackfleischprodukte und Fleischkonserven sind verarbeitetes Fleisch.

2. Was ist rotes Fleisch?

Unter rotem Fleisch versteht man Rind-, Lamm- und Schweinefleisch. Nicht dazu zählen Geflügelfleisch und Fisch.

3. Wie sicher lösen verarbeitetes Fleisch oder rotes Fleisch Darmkrebs aus?

Die Wissenschaftler der IARC haben untersucht, mit welcher Sicherheit gesagt werden kann, dass rotes Fleisch oder verarbeitetes Fleisch ein Auslöser für Darmkrebs sein können. Dafür haben sie über 800 Studien analysiert und die Ergebnisse zusammengefasst. Die Sicherheit oder Beweiskraft (engl. evidence) der Aussagen wurde bewertet.

Verarbeitetes Fleisch wurde in Kategorie 1 „ Krebserregend beim Menschen“ eingestuft.

Das heißt: Es gibt ausreichende, überzeugende Beweise, dass verarbeitetes Fleisch beim Menschen Darmkrebs auslöst. In dieselbe Grupppe fallen auch Stoffe wie Tabakrauch oder Asbest. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Fleischkonsum genauso viele Krebsfälle auslöst wie beispielsweise das Rauchen. Aber die wissenschaftlichen Beweise für die krebserregende Wirkung sind gleich stark.

Rotes Fleisch wurde in Kategorie 2 „ wahrscheinlich“ krebserregend beim Menschen eingestuft.

Das heißt: Die Beweislage ist nicht so sicher wie bei verarbeitetem Fleisch.


Bildquelle: Cancer Research UK

4. Wie hoch ist das Risiko durch das Essen von Fleisch Darmkrebs zu bekommen?

Die Beweislage, dass verarbeitetes Fleisch Darmkrebs auslöst, ist genauso gut wie bei Tabakrauch. Das Risiko, aufgrund des Fleischkonsums Darmkrebs zu entwickeln, ist jedoch wesentlich geringer als durch Rauchen an Lungenkrebs zu erkranken. Diese Grafik zeigt das anschaulich.


Bildquelle: Cancer Research UK

Während 86 Prozent aller Lungenkrebsfälle in Großbritannien durch Rauchen verursacht werden, werden nur 21 Prozent aller Darmkrebsfälle durch den Konsum von verarbeitetem und rotem Fleisch ausgelöst. Das bedeutet, dass für Darmkrebs noch viele andere mögliche Auslöser geben muss. Insgesamt – so schätzten Wissenschaftler im Jahr 2011 – werden etwa 3 von 100 Krebsfällen (insgesamt ca. 8.800 pro Jahr) in Großbritannien dadurch ausgelöst, dass zu viel rotes und verarbeitetes Fleisch gegessen wird, aber 19 von 100 Krebsfällen durch Rauchen (ca. 64.500 Fälle pro Jahr).

5. Wie stark erhöht sich das Darmkrebsrisiko für Menschen, die mehr verarbeitetes Fleisch essen als andere?

Die Studie der IARC zeigt, dass das Darmkrebsrisiko mit der Menge an verarbeitetem Fleisch, die gegessen wird, steigt. Die Forscher schätzen aus den Daten, dass mit zusätzlich 50 Gramm verarbeitetem Fleisch pro Tag, das Risiko an Darmkrebs zu erkranken um 18 Prozent steigt. Das hört sich viel an, wichtig ist aber zu fragen: 18 Prozent wovon? Also, wie hoch ist überhaupt das Risiko, jemals im Leben an Darmkrebs zu erkranken?

In Deutschland ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken, für Männer und Frauen etwas verschieden. So erkanken durchschnittlich 70 von 1.000 Männern aber nur 57 von 1.000 Frauen jemals in ihrem Leben an Darmkrebs. Für Männer, die 50 Gramm mehr verarbeitetes Fleisch pro Tag essen als der Durchschnitt der Bevölkerung, stiege damit das Risiko um 18 Prozent auf etwa 82-83 von 1.000, also 12-13 zusätzliche Fälle pro 1.000 Männer (für Frauen: von 57 von 1.000 auf etwa 67 von 1.000 Frauen, also etwa 10 zusätzliche Fälle).

6. Kann rotes oder verarbeitetes Fleisch überhaupt noch empfohlen werden, wenn man gesund essen will?

„Die Dosis macht das Gift“ – diese alte Erkenntnis von Paracelsus trifft nach den heutigen Erkenntnissen auch auf den Fleischkonsum zu. Eine gelegentliche Fleischmahlzeit erhöht wahrscheinlich nicht das Krebsrisiko. Wer jedoch über Jahre große Mengen rotes und verarbeitetes Fleisch isst, ist einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt.  

Wie viel Fleisch genau im Hinblick auf das Darmkrebsrisiko unbedenklich ist, diese Frage lässt sich leider bis heute nicht beantworten. Sicher ist hingegen, je weniger Fleisch man isst, desto geringer ist die Gefahr. Doch die Richtwerte für die Mengen variieren von Land zu Land.

Bezieht man neben dem Darmkrebsrisiko auch andere Gesundheits- und ökologische Erwägungen mit ein, so empfiehlt beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen, also 40 bis 80 Gramm pro Tag. Die Realität sieht allerdings anders aus: In Deutschland essen Männer über 1.000 g Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren pro Woche. Frauen liegen mit knapp 600 Gramm pro Woche an der oberen Grenze.

Wenn Sie noch mehr über die Untersuchung und ihre Ergebnisse erfahren möchten, dann werden hier – allerdings ausschließlich auf englisch – wichtige Fragen und Antworten zur Studie des IARC beantwortet.

Sollte es zukünftig einen Warnhinweis für Wurst und Fleisch geben? Auf unserer Facebook-Seite (www.facebook.com/vzhh) können Sie mitdiskutieren und Ihre Meinung äußern.

Stand vom Montag, 30. November 2015

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