Ausgesperrt und abgezockt

Ein typischer Fall: Eine Verbraucherin hatte sich abends in der eigenen Wohnung eingesperrt. Der Zylinder des Schlosses war defekt, so dass der Schlüssel sich nicht drehte. Der sogleich gerufene Schlossnotdienst befreite sie, tauschte sogleich Schloss, Beschlag und Zylinder der Tür aus und berechnete dafür der überrumpelten Frau 536,50 Euro.

Täglich benötigen zahllose Verbraucher die Hilfe von Schlossnotdienste, weil sie ihre eigene Wohnungs- oder Haustür nicht geöffnet bekommen. Doch Wucherpreise müssen Sie nicht akzeptieren!

Das kann jedem passieren

Haustürschlüssel verloren, Tür beim kurzen Gang zum Mülleimer aus Versehen ins Schloss gefallen oder beim Weggehen die Schlüssel vergessen – das kann jedem passieren. Geraten Sie nicht in Panik. Es ist zwar verständlich, dass Sie nervös werden, gerade am Abend oder in der Nacht, wenn man einfach nur in seine Wohnung hinein möchte. Die Übernachtung bei einer Freundin oder einem Freund oder sogar in einem Luxushotel kann aber billiger werden als ein übereilter Auftrag an einen Schlossnotdienst.

So sorgen Sie vor

Hinterlegen Sie bei einem Nachbarn oder einer Vertrauensperson in der Nähe einen Haustürschlüssel. Damit kann das Problem meistens gelöst werden.

Notieren Sie sich vorsorglich die Telefonnummer eines Schlossers in Ihrer Wohnortnähe, der auch Türöffnungen ausführt. Adresse gibt es bei der Metall-Innung, Große Bahnstraße 101, 22769 Hamburg oder unter www.metallinnung-hamburg.de.

Und hier noch der Vorschlag eines Verbrauchers: Man kann sich eine sogenannte Viertelstableiste im Baumarkt besorgen und anbringen. Dann muss man beim Schließen der Tür von innen zwar die Klinke betätigen, vermeidet aber, dass einem die Tür ins Schloss fällt, wenn man draußen ist; die Tür schnappt dann nicht ins Schloss sondern kann einfach aufgemacht werden.

Wenn es doch passiert ist

Bleiben Sie ruhig! Bevor Sie in heller Aufregung den erstbesten und leider meist schlechten Schlossnotdienst aus den Gelben Seiten anrufen, sollten Sie prüfen:

  • Lösung vertagen
    Haben Sie irgendwo einen Schlüssel hinterlegt? Können Sie bei einem Freund oder einer Freundin übernachten und das Problem in Ruhe am nächsten Tag lösen? Haben Sie die zuvor notierte Nummer eines seriösen Betriebes greifbar?

  • Festpreis vereinbaren
    Falls Sie wirklich einen Schlossnotdienst brauchen, sollten Sie am Telefon einen Festpreis vereinbaren. Lässt der Betrieb sich darauf nicht ein oder erscheint Ihnen der Preis zu hoch, rufen Sie einen anderen an.

  • Gewalt gegen die Tür stoppen!
    Nicht selten beschädigen die Handwerker die Tür oder das Schloss bei der Öffnung und geben vor, auf andere Weise sei eine Öffnung nicht möglich. Bei der Gelegenheit werden neue Schlösser oder Beschläge verkauft – fast immer zu überhöhten Preisen. Stoppen Sie die Arbeiten, wenn Sie erkennen, dass Tür oder Schloss ramponiert werden! In 99 Prozent der Fälle ist
    so die Innung eine Türöffnung ohne Beschädigung möglich. 

  • Überhöhte Forderung nicht bar bezahlen
    Haben Sie einen „Blanko-Auftrag” erteilt und keinen Preis vereinbart, zahlen Sie nicht vorschnell ein paar Hundert Euro. Für eine einfache Türöffnung ohne Austausch des Schlosses erscheinen 100 Euro oder 180 Euro am Wochenende bzw. nachts gerade noch angemessen. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen oder gar zur Fahrt zum Geldautomaten überreden. Holen Sie notfalls Nachbarn zu Hilfe. Der Betrieb kann Ihnen ja eine Rechnung schicken, die Sie später in Ruhe prüfen können.

Wenn Sie unter Druck gezahlt haben...

...ist es nicht einfach, jedenfalls einen Teil des Geldes zurück zu bekommen. Denn der Betrieb rückt gewiss nichts freiwillig heraus. Dennoch: Werfen Sie nicht die Flinte ins Korn. Wir besprechen mit Ihnen, wie Sie einen wucherisch überhöhten Betrag zurück fordern können. Das geht zwar meist nur per Gericht aber für einige Hundert Euro lohnt sich eine Klage schon!

Drei überaus erfreuliche Entscheidungen, auf die Sie sich berufen können:

  1. Amtsgericht Hamburg Altona, Urteil vom 28.06.2010 (Az. 316 C 340/09)
    Türöffnungskosten in Höhe von 520 Euro (anstatt lt. Gutachten angemessener 200 Euro) erfüllen den Tatbestand des Wuchers.

     
  2. Amtsgericht München, Urteil vom 27.08.2004 (Az. 141 C 27160/03)

    Eine Hamburgerin hatte für das drei Minuten dauernde Öffnen einer Wohnungstür 180,96 Euro bezahlt und anschließend gegen die Firma auf Rückzahlung geklagt. 40 bis 50 Euro seien angemessen, befand das Gericht und verurteilte die Firma zur Rückzahlung von rund 140 Euro.

  3. Amtsgericht Frankfurt/Main, Urteil vom 23.02.2006, (Az. 31 C 3075/05-44)
    Türöffnungskosten in Höhe von 718 Euro (anstatt lt. Gutachten angemessener 278 Euro) sind sittenwidrig.

  4. Amtsgericht Bergisch Gladbach, Urteil vom 16.12.2013, (Az. 68 C 404/13)
    Sittenwidrigkeit des Vertrages, da die Türöffnungskosten den Durchschnittspreis um fast 200 Prozent überschritten haben.

Sind auch Sie erfolgreich gegen eine überhöhte Forderung vorgegangen? Dann schicken Sie uns das Urteil.

Haben Sie noch Fragen?

Wir beraten Sie gern. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Freitag, 30. Mai 2014

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