Dispo: Immer noch Wucher!

Bereits seit Jahren zahlen Verbraucher für ihre Dispositionskredite (Dispo) Zinssätze, die in keinem angemessenen Verhältnis stehen. Banken leihen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld für derzeit nur 0,05 Prozent und verlangen für den Dispo bis zu 16 Prozent. Noch höher liegen die Zinssätze in der Regel für die von vielen Banken geduldete Überziehung des Dispos. Das ist Wucher und muss per Gesetz gestoppt werden.

Wucher mit Dispo und Überziehungszinsen

Eine Untersuchung der Zeitschrift Finanztest hat gezeigt: Den günstigsten Dispozins verlangt die Deutsche Skatbank mit 4,49 Prozent für ihr online geführtes Konto; bis zu 16 Prozent zahlen hingegen Kunden mit schlechter Bonität bei der Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut in Bayern. Der durchschnittliche Dispozins liegt bei 10,25 Prozent.

An der Situation hat sich in den letzten Jahren wenig geändert. Laut Finanztest hüten viele Banken die Höhe des Zinses wie ein Staatsgeheimnis. Von 1.472 angeschriebenen Banken antworteten nur 424 Kreditinstitute auf die Anfrage der Tester, 1.048 meldeten sich gar nicht. Appelle von Politik und Bankenverbänden, die genaue Höhe der Zinssätze in Filialen oder auf Internetseiten zu veröffentlichen, werden ignoriert ode nur halbherzig umgesetzt. Das bestätigen auch die Ergebnisse einer Sonderuntersuchung der Verbraucherzentrale Sachsen im Rahmen des Projekts Marktwächter Finanzen.

Banken und Sparkassen informieren Verbraucher nur unzureichend

Von Mai bis August 2015 haben die Verbraucherschützer in Sachsen die Werbung von 371 ausgewählten Banken und Sparkassen für 1.346 Girokonten untersucht, die in Deutschland in Verbindung mit einem Dispositionskredit angeboten werden. Geprüft wurde, welche Angaben die Unternehmen zu diesen Krediten im Netz veröffentlichen, wie leicht Verbraucher diese finden und wie verständlich die Informationen sind. Das Ergebnis: Banken und Sparkassen informieren Verbraucher nur unzureichend.

Die meisten Kreditinstitute veröffentlichen zwar im Internet die Höhe des Sollzinssatzes. Wo genau diese Informationen zu finden sind, variiert aber stark. Verbraucher müssen auf den Internetseiten von Anbietern meistens intensiv suchen, um grundlegende Informationen zu den Dispo-Konditionen zu finden. Von Preistransparenz beim Dispositionskredit kann also keine Rede sein und es sind dringend gesetzliche Regelungen notwendig sind.

Sie wollen mehr darüber wissen? Dann werfen Sie einen Blick in den ausführlichen Sonderuntersuchungsbericht „Transparenz bei der Werbung für Dispositionskredite im Internet“.

Gesetzentwurf kein großer Wurf

Im Juli 2015 hat sich die Bundesregierung endlich dazu durchgerungen, in Sachen Dispozins zu handeln. Der Gesetzentwurf von Verbraucherschutzminister Heiko Maas sieht vor, ein verpflichtendes Beratungsangebot für Verbraucher einzuführen, die ihren Dispokredit „dauerhaft und erheblich” in Anspruch nehmen. Doch wer will gerne mit seiner Bank reden, wenn das Konto andauernd ins Minus rutscht? Außerdem haben die Kreditinstitute wohl kaum ein Interesse daran, ihren Kunden günstigere Ratenkredite anzubieten, wenn sie mit den hohen Zinsen der Dispokredite viel mehr verdienen können.

Darüber hinaus sollen Banken zukünftig auf ihren Internetseiten transparent über die Höhe ihrer Dispozinsen informieren, so dass Verbraucher die Zinssätze verschiedener Anbieter besser vergleichen können. Doch wer denkt beim Eröffnen eines Kontos schon daran, welchen Dispozins er zahlen muss, wenn er einmal verschuldet ist?

Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes will das zuständige Ministerium die Entwicklung der Dispozinsen über fünf Jahre hinweg beobachten und anschließend entscheiden, ob weitere Schritte notwendig sind, um die Zinssätze zu senken.

Unsere Prognose: Information ist gut. Transparenz ist gut. Beratung ist gut. Dennoch werden alle drei Punkte zusammen nicht helfen, die Dispozinsen auf ein sinnvolles Maß zu reduzieren. Das Nachsehen haben die Verbraucher, die – wenn sie einmal in der Schuldenfalle stecken – auf keinen grünen Zweig mehr kommen. Da hilft nur die Deckelung der Zinssätze. Mit dieser Meinung stehen wir nicht allein da. Auch Hamburgs Verbraucherschutzsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks sagt, der Gesetzentwurf der Bundesregierung geht nicht weit genug.

Extraentgelte für Verfügungen

Zusätzlich verlangten viele Geldhäuser von den Betroffenen noch Entgelte für veranlasste Verfügungen in Höhe von 4 bzw. 5 Euro pro Posten.

Die Commerzbank beispielsweise bezeichnete dieses Vorgehen als „risikoadäquate Kostenstruktur” und meinte, wer sein Dispolimit überziehe, sei eben ein besonders wackeliger Kunde und müsse daher mehr bezahlen. Doch das Oberlandesgericht Frankfurt entschied, fünf Euro pro Überweisung sind nicht erlaubt.

Auch die Targobank glaubte, die Gebühren mit „höheren Kosten und Risiken” rechtfertigen zu können. Das Landgericht Düsseldorf untersagte die entsprechende Klausel, wonach Kunden für Verfügungen über das Limit hinaus 4 Euro extra zahlen sollten. Das Urteil, datiert vom 23. Juni 2010, ist seit dem 30. September 2011 rechtskräftig (Az. 12 O 313/09).

Holen Sie sich Ihr Geld zurück: Wenn Ihnen in der Vergangenheit zu Unrecht innerhalb der geduldeten Überziehung zusätzlich Gebühren pro Überweisung oder sonstiger Verfügungen vom Konto abgebucht wurden, können Sie von Ihrer Bank eine Erstattung verlangen. Das gilt auch rückwirkend für drei Jahre.

Wir finden es sozial diskriminierend, wenn arme Bankkunden noch einmal extra zur Kasse gebeten werden.

Unser Rat

Wenn Sie Fragen zum Thema Dispokredit haben oder Hilfe benötigen, ihre Ansprüche durchzusetzen, wenden Sie sich gerne an unsere Finanzexperten. Hier finden Sie eine Übersicht unserer Beratungsangebote und -zeiten.

Stand vom Freitag, 13. November 2015

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