Wie super sind Superfoods?

In Zeiten von Ernährungstrends wie Paleo, Clean Eating und der „Frei von“–Welle in Supermärkten versprechen Superfoods natürlichen und unbelasteten Genuss, der die Sinne anspricht und die Gesundheit fördert.

Tatsächlich enthalten sogenannte Superfoods häufig viele Vitamine, Mineralstoffe oder sekundäre Pflanzenstoffe. Doch auch viele heimische Pflanzen und Früchte, die wir schon immer gegessen haben, stehen den Superfoods in puncto wertvolle Inhaltsstoffe in nichts nach. Während früher fast ausschließlich exotische Lebensmittel wie Açai-Beeren, Chia und Moringa als Superfoods angepriesen wurden, werden heutzutage auch heimische Produkte wie Hagebutte oder Brennnessel zunehmend zum Superfood erklärt.

Doch was macht ein Lebensmittel zum Superfood und stimmen die Versprechen? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

1. Wie sind die „Top Five“ der Superfoods zu bewerten?

2. Wie wird ein Lebensmittel durch gutes Marketing zum Superfood?

3. Stimmen die versprochenen Gesundheitswirkungen?

4. Was ist von Superfoods als Kapseln, Pillen und Pulver zu halten?

5. Ist es überhaupt plausibel, dass einzelne Lebensmittel eine solche „Superwirkung“ entfalten können?

6. Können Superfoods auch schaden?

7. Wie steht es um die Nachhaltigkeit?

8. Welche einheimischen und preiswerten Alternativen gibt es zu den Superfoods?

9. Wozu rät die Verbraucherzentrale?

1. Wie sind die „Top Five“ der Superfoods zu bewerten?

Moringa oleifera Blätter, Früchte, Blüten, Schoten, Samen und Wurzeln können verwendet werden. In vielen asiatischen und afrikanischen Ländern werden die nährstoffreichen Blätter gekocht als Gemüse gegessen. Bei uns ist jedoch meist nur Moringaextrakt als Pulver oder in Kapseln zu bekommen.
Werbung Aus der Erfahrungsheilkunde (traditionelle ayurvedischen Medizin) wird Moringa oleifeira die Fähigkeit zur Vorbeugung oder Heilung hunderter Erkrankungen zugeschrieben. Nahrungsergänzungsmittel mit Moringa-Extrakten werden bei uns als „Vitalstoffbombe“ angepriesen.
Wirklichkeit

Heilwirkung: Aussagekräftige Studien am Menschen, die die die versprochenen Heilwirkungen belegen und die Unschädlichkeit der Einnahme von Moringa-Extrakten belegen könnten, fehlen bislang. Eine ausführliche Bewertung der Datenlage findet sich auf der Internetseite medizin-transparent.at

Nährstoffgehalt: Das Chemische Veterinär- und Untersuchungsamt Stuttgart hat 16 Proben von Moringapulver, die in Deutschland vertrieben werden, untersucht und kommt zu dem Schluss: Moringablätter haben zwar ein breites Nährstoffspektrum, sind jedoch auch nur ein „normales“ Lebensmittel. Die Art und Weise der Bewerbung der Nährstoffgehalte könnte Verbraucher daher täuschen. Außerdem bemängelten die Wissenschaftler, dass für 13 Produkte irreführende gesundheits- oder krankheitsbezogene Angaben gemacht wurden. (Details der umfangreichen Untersuchung).

Schadstoffe: Moringa-Produkte sind häufig mit Schadstoffen belastet: Zwei von 16 untersuchten Proben enthielten Salmonellen, 12 der 13 auf Pestizide untersuchten Erzeugnisse wiesen Rückstände auf – darunter auch 2 angebliche Bio-Produkte, bei denen sogar Höchstmengen überschritten wurden.
Unser Tipp Nutzen Sie einheimische Lebensmittel aus der Region, um Ihren Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen. Heimische Obstsorten wie beispielsweise Äpfel, Aprikosen und Mirabellen, heimische Gemüse wie Spinat, Pastinaken, Kohlrabi, Möhren, Kürbis, Kohartenl- und Zwiebelgewächse sowie Hülsenfrüchte und Vollgetreide sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Unser Saisonkalender zeigt die Haupterntezeiten heimischer Gemüse- und Obstsorten.

Goji-Beeren
Die reifen, orange-roten Gojibeeren des Bocksdorn-Strauches ähneln in getrockneter Form roten Rosinen und werden häufig Müslis oder Nussmischungen zugesetzt. Außerdem wird Goji als Saft oder Tee angeboten.
Werbung Goji-Beeren werden als Anti-Aging-Sensation angepriesen und sollen das Immunsystem sowie das Herz-Kreislauf-System stärken.
Wirklichkeit Gesundheitsversprechen: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat keine der beantragten gesundheitsbezogenen Aussagen (Health Claims) zugelassen.

Schadstoffe: Konventionelle Goji-Beeren sind immer wieder durch hohe Pestizidrückstände aufgefallen. In ökologischen Produkten hat das Magazin Ökotest zuletzt im April 2016 zwar keine Pestizide aber in 2 von 3 Produkten andere Schadstoffe (Mineralölrückstände, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Blei) gefunden.

Risiken: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfARM) warnt vor möglichen Wechselwirkungen von Goji-Beeren mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten. Goji-Beeren können die Wirkung der Medikamente verstärken und so zu Blutungen führen.
Unser Tipp Bocksdorn-Sträucher sind frostresistent und gedeihen auch in unserem Klima gut. So können Sie unbelastete Goji-Beeren aus dem eigenen Garten ernten.

Açai-Beeren Die Früchte der Kohlpalme wachsen vor allem am Amazonas und sind in Brasilien ein ganz normales Lebensmittel. Sie sind zunächst rötlich und glänzend, erst voll ausgereift haben sie die typische dunkelblaue Farbe.