Portionsgrößen: Häufig nur „halbe Sachen“

Freiwillige Portionsgrößen auf Lebensmittelverpackungen stimmen häufig nicht mit den tatsächlichen Essgewohnheiten überein. Das ergab eine bundesweite Befragung der Verbraucherzentralen. Demnach wurden im Durchschnitt mehr als zweimal so viel Müsli oder Chips verzehrt wie auf den Etiketten als Portionsgröße deklariert. Wir fordern von der Lebensmittelindustrie sinnvolle Angaben.

Portionsgrößen der Hersteller bestehen Realitätscheck nicht

1.490 Verbraucherinnen und Verbraucher hatten an der nicht repräsentativen Befragung teilgenommen. Dabei sollten sie die Portion Müsli und Chips abfüllen, die ihren üblichen Essgewohnheiten entspricht. Beim Müsli lag die Portionsgröße im Durchschnitt bei 81 Gramm, bei den Chips betrug sie 63 Gramm. Damit waren die tatsächlichen Portionen mehr als doppelt so groß wie die Portion, die die Hersteller auf der Verpackung empfahlen. Beim Müsli waren 40, bei den Chips 30 Gramm angegeben.

Portionsgrößen der Hersteller fielen beim REalitätscheck durch
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Die überwiegende Mehrheit der Befragten füllte größere Portionen ab als vom Hersteller empfohlen. Beim Müsli waren es 89 Prozent, für die eine Portion größer war als 40 Gramm. Bei den Chips sah es kaum anders aus: 74 Prozent gaben Portionen von mehr als 30 Gramm – der vom Hersteller ausgewiesenen Portionsgröße – an. 18 Prozent der Befragten wogen sogar eine Portion von über 90 Gramm ab. Das zeigt: Die Portionsgrößen der Lebensmittelindustrie sind sehr realitätsfremd.

Grafik: überwiegende Mehrheit füllte größere Portionen als Herstellerempfehlung ab
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Kleinere Portionen suggerieren geringere Zucker- und Fettgehalte

Zwischen Kennzeichnung und Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Nach unserer Auffassung rechnen die Hersteller ihre Produkte mit den Mini-Portionen „gesund“. Aus kleineren Portionsgrößen ergeben sich automatisch auch geringere Mengen etwa an Zucker oder Fett, die Verbraucher vermeintlich zu sich nehmen.

Ein Rechenbeispiel anhand der verwendeten Produkte aus der Umfrage verdeutlicht, dass die Befragten im Durchschnitt beim Müsli statt wie angegeben 14 rund 28 Gramm Zucker verzehren, bei den Chips sind es statt 9,9 sogar 20,8 Gramm Fett.

Kleine Portionen suggerieren geringe Zuckergehalte
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Einheitliche Portionsgrößen lassen sich nicht bestimmen

Nach den Ergebnissen der Umfrage lässt sich zudem schlussfolgern, dass die realistische Angabe von Portionsgrößen auf Verpackungen bei diesen Produkten gar nicht möglich ist: Die von den Verbrauchern eingefüllten Mengen variierten sehr stark. Die Werte lagen zwischen elf und 302 Gramm beim Müsli und zwischen drei und 250 Gramm bei den Chips, was beim höchsten Wert der gesamten Packung entsprach.

Portionsgrößen sind individuell
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Viele Befragte hatten zudem Schwierigkeiten, die Menge einer Portion überhaupt richtig einzuschätzen. Sie sollten aus vier Schalen mit unterschiedlicher Menge an Müsli oder Chips diejenige herausfinden, die der Portionsgröße auf dem Etikett entsprach. Nur 39 Prozent der Teilnehmer lagen beim Müsli richtig, bei den Chips waren es 50 Prozent.

Verbraucherzentralen wollen sinnvolle Portionsangaben auf Verpackungen

Prominent auf der Schauseite der Verpackung angegebene Nährwerte pro Portion sind den meisten bekannt. Über 86 Prozent der Befragten kannten diese Piktogramme, aber nur ein Bruchteil achtete darauf und orientierte sich daran. Die Mehrheit wünschte sich verständlichere und nachvollziehbarere Angaben, wie beispielsweise eine Kennzeichnung, die sich auf 100 Gramm oder eine erkennbare Portion bezieht. Auch die Ampelkennzeichnung fand eine größere Zustimmung.

Die Verbraucherzentralen fordern: Bei nicht eindeutig portionierbaren Lebensmitteln wie Chips oder Müsli sollen Hersteller auf Portionsangaben verzichten. Willkürlich gewählte Portionsgrößen verwirren statt zu informieren. Lediglich bei Verpackungen mit konkreten Portionen wie etwa einem Riegel, einer Scheibe oder einem Becher können die Informationen auf dem Etikett sinnvoll sein.

Portionsangaben nur bei eindeutigen Portionen sinnvoll
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Zum Weiterlesen

Alle Ergebnisse der Untersuchung sind übersichtlich und mit zahlreichen Schaubildern in einem Bericht zusammengefasst, der als PDF-Dokument zur Verfügung steht.

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Stand vom Dienstag, 27. Juni 2017

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