Mogelpackungen, Gentechnik, Lebensmittelverpackungen, Radioaktivität

Mineralöl im Essen

Hier geht es zu den aktuellen Ergebnissen der Untersuchung von Stiftung Warentest in Weihnachtskalendern

Ende September 2011 haben mehr als 400 Vertreterinnen und Vertreter aus vielen gesellschaftlichen Gruppen über die aktuelle Problematik von Mineralölrückständen in Lebensmittelverpackungen diskutiert. Doch dringende Maßnahmen zur Sicherstellung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes wie etwa die Verabschiedung eines Grenzwertes wurden erst einmal wieder verschoben.

Die Ausgangssituation

  Deutschland hat eine sehr hohe Recyclingquote bei der Altpapier­verwertung – aus Umweltschutzgründen eine begrüßenswerte Entwicklung! Doch zugleich ist damit ein massives Problem entstanden, das dringend einer Lösung bedarf:  Recyclingverpackungen können Rückstände in Lebensmitteln verursachen! Während Hygienepapiere wie Toilettenpapiere im Recyclingverfahren diverse Reinigungsprozesse durchlaufen, gilt dies für Lebensmittelverpackungen häufig nicht. Ein Kuriosum, müsste es doch aus gesundheitlichen Gründen umgekehrt sein. Vorsicht Mineralöl im Reis durch Übergang aus Recyclingkarton

Reis, Nudeln, Backmischungen, Semmel­brösel oder Popkorn für die Mikrowelle werden in Kartonverpackungen angeboten, die oft deutlich zu hohe Mineralölanteile enthalten. Diese Mineralölgemische, die z. B. aus Druckfarben von Zeitungen, Werbeprospekten  oder anderen Kartonver­packungen stammen, gehen in die Lebensmittel über. Je länger sie gelagert werden, umso mehr. Mineralöle können negative Langzeitwirkungen im Körper haben und treiben den Experten die Sorgenfalten ins Gesicht. So können in der Leber, in Lymphknoten oder in den Herzklappen Entzündungen ausgelöst werden, ein Krebsrisiko ist nicht auszuschließen.

Lebensmittelindustrie und Wissenschaftler arbeiten seit 2009 an dem Problem. Doch die Mühlen mahlen noch zu langsam. Den Verbrauchern kann nicht länger zugemutet werden, die eigene Gesundheit durch belastetes Verpackungsmaterial zu gefährden!

Die aktuellen Entwicklungen

  • Seit September 2011steht endlich eine Untersuchungsmethode zur Verfügung, mit der viele Labore und Untersuchungsämter  den Übergang von Mineralölgemischen auf Lebensmittel messen können. Diese Untersuchungen sollten in allen Bundesländern nun auch so schnell wie möglich durchgeführt werden. 
  • Ein von der Weltgesundheitsorganisation festgelegter Grenzwert, nachdem jeder Verbraucher nicht mehr als  0,6 Milligramm gesättigte Kohlenwasserstoffe pro Tag  aufnehmen sollte und für bestimmte Verbindungen (Aromaten) die Null-Toleranz-Grenze gelten muss, wurde in einen ersten Entwurf für eine Mineralölverordnung  aufgenommen. Leider wurde die Einführung dieser Verordnung auf 2015 verschoben. Der gesundheitliche Verbraucherschutz darf nicht hinter den Umweltschutzinteressen zurückstehen und die Werte dürfen auf keinen Fall aufgeweicht werden!
  • Zur Problemvermeidung gehört  das Verbot von Mineralöl in Druckfarben bei Zeitungen und deren Ersatz durch unschädliche Farben.
  • Zu den Lebensmittel, die besonders viel Mineralöl aufnehmen, gehören insbesondere trockene Produkte mit großer Oberfläche. Diese sollten nur noch in Verpackungen mit einer wirkungsvollen inneren Barriereschicht oder aus Frischfasern angeboten werden. Doch ist die Verpackungsart für Verbraucher von außen schwer zu erkennen, daher sollten Kartons aus Altpapier unbedingt gekennzeichnet werden. Die Lebensmittelindustrie arbeitet aktuell an weiteren wirksamen Barriereschichten.
  • Inzwischen gibt es erste Messergebnisse, die Stiftung Warentest fand im November 2010 z.B. in einer Portion Kartoffel­knödel von Pfanni 0,54 mg und von Norma 0,6 mg Mineralöl. Damit war die Grenze für eine täglich tolerierbare Aufnahmemenge für Erwachsene schon erreicht. Die Zeitschrift ÖkoTest untersuchte Reis (9/2010), belastet waren alle Reissorten in Pappkartons. Außerdem untersuchte Öko Test im Juli 2011 Cornflakes, auch hier waren mehr als die Hälfte der Produkte belastet, z.B. Kellog`s, Barnhouse, Real Bio, Golden Breakfast, Knusperone, Geltscherkrone, Granola, Hahne und  K-Classic. Bei einem Nachtest im Oktober 2011 gab es ein erfreuliches Ergebnis: Viele Anbieter haben eine neue Folie als Sperrschicht eingesetzt, die Cornflakes der oben genannten Marken waren nicht mehr belastet. Nur das Produkt von Hahne enthielt noch zu viel Mineralöl, über Kellogs und Real Bio liegen keine aktuellen Informationen vor. 

Fragen und Antworten des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) zu Mineralöl-Übergängen aus Verpackungsmaterialien auf Lebensmittel

Beitrag zum Thema von Plusminus (02.11.2010)

Die acht wichtigsten Verbrauchertipps: So können sie sich schützen!

Beim Einkaufen

• Recyclingkartons sind dunkel: Je dunkler ein Karton, desto höher ist normalerweise der Recyclinganteil. Sehr helle Pappen oder Papierbeutel sind meistens aus Frischfaser, von ihnen geht kein Risiko aus. Einzige Ausnahme: Wenn sie mit belasteten Farben bedruckt worden sind, diese sollen jedoch in Kürze verboten werden.

• Keine Lebensmittel aus Wellpappenkartons kaufen: Teilweise werden Lebensmittel im Supermarktregal neben der eigentlichen Verpackung noch zusätzlich in Wellpappe-Kartons angeboten (meistens geöffnete Transportkartons). Auch aus diesen Pappen, die immer aus Recyclingfasern hergestellt werden, können Mineralölrückstände in die Lebensmittel gelangen. Solange es keine „sauberen“ Wellpappen gibt, sollte dieses zusätzliche Risiko vermieden werden.

Beim Kochen

• Auftauen ohne Verpackung: Beim Auftauen von Tiefkühlware aus Recyclingkartons, z. B. Gebäck, Fertiggerichte, Obst oder Gemüse, entnehmen Sie diese in gefrorenem Zustand aus der Verpackung und lassen Sie diese ohne den Recyclingkarton im Kühlschrank auftauen.

• Kochen senkt das Risiko: Beim Kochen geht ein Teil des angereicherten Mineralöls mit dem Wasserdampf verloren. Wie hoch dieser Anteil ist, ist noch unbekannt.

Beim Lagern im Haushalt

• Trockene Lebensmittel umfüllen: Wenn Sie Lebensmittel mit großer Oberfläche, z. B. Reis, Gries oder Frühstückscerealien, länger lagern wollen, füllen Sie diese am besten gleich nach dem Einkauf in Vorratsdosen um. Dies gilt ganz besonders, wenn der Inhalt direkt mit dem Karton in Kontakt kommt, also kein Innenbeutel vorhanden ist. Denn grundsätzlich gilt: Je länger die Lagerzeit, umso mehr Rückstände gehen in die Lebensmittel über.

• Aluminium ist die wirksamste Barriere: Säuglingsnahrung ist fast immer durch Innenbeutel geschützt. Aluminiumbeutel stellen die wirksamste Barriere gegen das Ausgasen dar. Da Aluminium aus ökologischen Gründen sehr bedenklich ist, können diese Beutel nur eine vorübergehende Lösung sein.

• Entwarnung bei Tiefkühlkost: Während der Lagerung in der Tiefkühltruhe findet kein Mineralölübergang statt.

• Innenbeutel bieten nicht genug Schutz: Sie stellen eine Zeitlang eine gewissen Barriere für Mineralölübergänge dar, aber bei Langzeitkontakt, z.B. über mehrere Wochen oder Monate, lassen fast alle was durch. 

Stand vom Donnerstag, 6. Dezember 2012

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