Mineralöl im Essen

Deutschland hat eine sehr hohe Recyclingquote bei der Altpapier­verwertung – aus Umweltschutzgründen eine begrüßenswerte Entwicklung. Doch zugleich ist damit ein massives Problem entstanden, das dringend einer Lösung bedarf: Recyclingverpackungen oder Pappen können Rückstände in Lebensmitteln verursachen.

60.000 Tonnen Mineralöl im Altpapierkreislauf

Während Hygieneartikel wie Toilettenpapiere im Recyclingverfahren diverse Reinigungsprozesse durchlaufen, gilt dies für Lebensmittelverpackungen häufig nicht. Ein Kuriosum: So müsste es doch aus gesundheitlichen Gründen umgekehrt sein! Laut Umweltbundesamt werden über Altpapier jährlich mehr als 60.000 Tonnen Mineralöl in den europäischen Altpapierkreislauf eingetragen. Wir meinen, dass der gesundheitliche Verbraucherschutz auf keinen Fall hinter den Umweltschutzinteressen zurückstehen darf! Vorsicht Mineralöl im Reis durch Übergang aus Recyclingkarton

Gesundheitsschäden durch Mineralöl in Lebensmitteln

Denn viele Lebensmittel werden in Verpackungen angeboten oder transportiert, die zu hohe Mineralölanteile enthalten. Diese Mineralölgemische, die zum Beispiel aus Druckfarben von Zeitungen, Werbeprospekten  oder anderen Kartonver­packungen stammen, gehen auf die Lebensmittel über. Je länger sie gelagert werden, umso mehr. Mineralöle können negative Langzeitwirkungen im Körper haben und treiben den Experten die Sorgenfalten ins Gesicht. So können in der Leber, in Lymphknoten oder in den Herzklappen Entzündungen ausgelöst werden, ein Krebsrisiko ist nicht auszuschließen und das Hormonsystem kann beeinflusst werden.

Bislang keine Lösung für das Problem zum Schaden der Verbraucher

Lebensmittelindustrie und Wissenschaftler arbeiten seit 2009 an dem komplexen Problem, zumal auch behandelte Jute- oder Sisalsäcke für den Lebensmitteltransport, Schmieröle aus Erntemaschinen, mineralölhaltige Klebstoffe oder Druckfarben von Lebensmittelverpackungen und Paraffinöle als Pflanzenschutzmittel die Situation noch verschlimmern können. Doch die Mühlen mahlen noch zu langsam. Den Verbrauchern kann nicht länger zugemutet werden, die eigene Gesundheit durch belastetes Verpackungsmaterial zu gefährden!

Die aktuellen Entwicklungen: Was bisher geschah und was zu tun ist

  • Zur Problemvermeidung gehört  das Verbot von Mineralöl in Druckfarben bei Zeitungen und deren Ersatz durch unschädliche Farben auf Pflanzenölbasis. Fehlanzeige: Die Zeitungsindustrie hat bislang leider keine Umstellungen vorgenommen.

  • Zu den Lebensmitteln, die besonders viel Mineralöl aufnehmen, gehören insbesondere trockene Produkte mit großer Oberfläche. Diese sollten nur noch in Verpackungen mit einer wirkungsvollen inneren Barriereschicht oder aus Frischfasern angeboten werden. Doch ist die Verpackungsart für Verbraucher von außen schwer zu erkennen, daher sollten Kartons aus Altpapier unbedingt gekennzeichnet werden.

    In Arbeit: Die Lebensmittelindustrie arbeitet aktuell an wirksamen Barriereschichten in Form von Folien und Innenbeschichtungen. Teilweise werden mehr Frischfaserkartons eingesetzt oder häufig nur mineralölfreie Farben beim Bedrucken von Verpackungen verwendet. Dadurch konnte die Belastung gesenkt werden und international gesehen, schneiden deutsche Produkte vergleichsweise besser ab. Aber es muss weitere Anstrengungen geben, um den Mineralölgehalt zu minimieren! 

    Druck machen: Auf der Internetseite der Organisation Foodwatch könnt ihr euch an einer E-Mail-Aktion beteiligen und den EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittel Vytenis Andriukaitis auffordern, die Verwendung geeigneter Barriereschichten für Altpapierverpackungen vorzuschreiben und strenge Grenzwerte für Mineralöl in Lebensmitteln festzulegen.

  • Es gibt zahlreiche aktuelle Messergebnisse, die die Foodwatch 2015 in einer umfassenden Untersuchung veröffentlicht hat. Demnach waren deutsche Produkte weniger belastet als andere Lebensmittel aus der Europäischen Union, was sicherlich auf die intensive öffentliche Risikokommunikation und die eingeleiteten Reduktionsmaßnahmen in unserem Land zurückzuführen ist. Aber trotzdem werden immer noch zu viele Rückstände gefunden. Die Zeitschrift Öko-Test hat vor Kurzem den Mineralölgehalt in Grillwürstchen getestet und Foodwatch im Juli 2016 noch einmal Süßigkeiten und Chips. Die Stiftung Warentest untersuchte im Februar 2016 unterschiedliche Olivenöle, vier waren besonders hoch belastet: Herdade Paco do Conde, Livio, L`Estornell Arbequina-Picual und Mani Bläuel Kalamata g.U.(Bio).

Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) beantwortet auf seiner Internetseite die wichtigsten Fragen zu Mineralöl-Übergängen aus Verpackungsmaterialien auf Lebensmittel.

Die acht wichtigsten Verbrauchertipps: So können sie sich schützen!

Beim Einkaufen

• Recyclingkartons sind dunkel: Je dunkler ein Karton, desto höher ist normalerweise der Recyclinganteil. Sehr helle Pappen oder Papierbeutel sind meistens aus Frischfaser, von ihnen geht ein geringeres Risiko aus. Sie können allerdings auch durch Transportpappen oder Jutesäcke vorbelastet sein, das kann keine Endverpackung verhindern.

• Keine Lebensmittel aus Wellpappenkartons kaufen: Teilweise werden Lebensmittel im Supermarktregal neben der eigentlichen Verpackung noch zusätzlich in Wellpappe-Kartons angeboten (meistens geöffnete Transportkartons). Auch aus diesen Pappen, die immer aus Recyclingfasern hergestellt werden, können Mineralölrückstände in die Lebensmittel gelangen. Solange es keine „sauberen“ Wellpappen gibt, sollte dieses zusätzliche Risiko vermieden werden.

Beim Kochen

• Auftauen ohne Verpackung: Beim Auftauen von Tiefkühlware aus Recyclingkartons, beispielsweise Gebäck, Fertiggerichte, Obst oder Gemüse, entnehmen Sie diese in gefrorenem Zustand aus der Verpackung und lassen Sie diese ohne den Recyclingkarton im Kühlschrank auftauen.

• Kochen senkt das Risiko: Beim Kochen geht ein Teil des angereicherten Mineralöls mit dem Wasserdampf verloren. Wie hoch dieser Anteil ist, ist noch unbekannt.

Beim Lagern im Haushalt

• Trockene Lebensmittel umfüllen: Wenn Sie Lebensmittel mit großer Oberfläche, z. B. Reis, Gries, Haferflocken oder Frühstückscerealien, länger lagern wollen, füllen Sie diese am besten gleich nach dem Einkauf in Vorratsdosen um. Dies gilt ganz besonders, wenn der Inhalt direkt mit dem Karton in Kontakt kommt, also kein Innenbeutel vorhanden ist. Denn grundsätzlich gilt: Je länger die Lagerzeit, umso mehr Rückstände gehen in die Lebensmittel über.

• Aluminium ist die wirksamste Barriere: Säuglingsnahrung ist fast immer durch Innenbeutel geschützt. Aluminiumbeutel stellen zurzeit die wirksamste Barriere gegen das Ausgasen dar. Doch da Aluminium aus ökologischen Gründen (energieaufwendige Produktion und große Umweltbelastung) sehr bedenklich ist, können diese Beutel keine Lösung für alle Produkte sein.

• Entwarnung bei Tiefkühlkost: Während der Lagerung in der Tiefkühltruhe findet so gut wie kein Mineralölübergang statt.

• Innenbeutel bieten nicht genug Schutz: Innenverpackungen aus Papier, Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) verzögern den Übergang von Mineralölrückständen, unterbinden diesen allerdings nicht vollständig. Sie stellen nur eine Zeitlang eine gewissen Barriere für Mineralölübergänge dar, aber bei Langzeitkontakt, z.B. über mehrere Wochen oder Monate, lassen diese fast alle was durch.

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Stand vom Donnerstag, 21. Juli 2016

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