Mineralöl im Essen

In der Druckerschwärze von Zeitungen steckt Mineralöl. Wenn aus dem Altpapier Verpackungs­material für Lebensmittel hergestellt wird, können Mineralölbestandteile ausgasen und ins Essen übergehen. Was Politik und Industrie dagegen tun sollten. Und wie Sie sich schützen können.

Gebäck im Karton

Das Wichtigste in Kürze

  1. Lebensmittelverpackungen werden im Recyclingprozess nur ungenügend gereinigt. Dadurch gelangen Mineralölrückstände an den Inhalt der Packungen.
  2. Die Industrie forscht an Innenverkleidungen, die die Abgabe von Mineralölen stoppen sollen; eine wirklich befriedigende Lösung gibt es jedoch bislang nicht.
  3. Durch unterschiedliche Maßnahmen können Verbraucher die Abgabe von Mineralölen an Lebensmittel reduzieren oder sogar verhindern.
Stand: 20.04.2017

Deutschland hat eine sehr hohe Recyclingquote bei der Altpapier­verwertung – aus Umweltschutzgründen eine begrüßenswerte Entwicklung. Doch zugleich ist damit ein massives Problem entstanden, das dringend einer Lösung bedarf: Recyclingverpackungen oder Pappen können Rückstände in Lebensmitteln verursachen.

60.000 Tonnen Mineralöl im Altpapierkreislauf

Während Hygieneartikel wie Toilettenpapiere im Recyclingverfahren diverse Reinigungsprozesse durchlaufen, gilt dies für Lebensmittelverpackungen häufig nicht. Ein Kuriosum: So müsste es doch aus gesundheitlichen Gründen umgekehrt sein! Laut Umweltbundesamt werden über Altpapier jährlich mehr als 60.000 Tonnen Mineralöl in den europäischen Altpapierkreislauf eingetragen. Wir meinen, dass der gesundheitliche Verbraucherschutz auf keinen Fall hinter den Umweltschutzinteressen zurückstehen darf!

Gesundheitsschäden durch Mineralöl in Lebensmitteln

Viele Lebensmittel werden in Verpackungen angeboten oder transportiert, die zu hohe Mineralölanteile enthalten. Diese Mineralölgemische, die zum Beispiel aus Druckfarben von Zeitungen, Werbeprospekten  oder anderen Kartonver­packungen stammen, gehen auf die Lebensmittel über. Je länger sie gelagert werden, umso mehr. Mineralöle können negative Langzeitwirkungen im Körper haben und treiben den Experten die Sorgenfalten ins Gesicht. So können in der Leber, in Lymphknoten oder in den Herzklappen Entzündungen ausgelöst werden, ein Krebsrisiko ist nicht auszuschließen und das Hormonsystem kann beeinflusst werden.

Bislang keine Lösung für das Problem

Die Lebensmittelindustrie und Wissenschaftler arbeiten seit 2009 an dem komplexen Problem. So werden wirksamere Barriereschichten in Form von Folien und Innenbeschichtungen entwickelt. Teilweise kommen auch mehr Frischfaserkartons zum Einsatz oder es werden häufig nur mineralölfreie Farben beim Bedrucken von Verpackungen verwendet. Dadurch konnte die Belastung gesenkt werden und international gesehen schneiden deutsche Produkte vergleichsweise besser ab.

Aber es muss weitere Anstrengungen geben, um den Mineralölgehalt zu minimieren – zumal auch behandelte Jute- oder Sisalsäcke für den Lebensmitteltransport, Schmieröle aus Erntemaschinen, mineralölhaltige Klebstoffe oder Druckfarben von Lebensmittelverpackungen und Paraffinöle als Pflanzenschutzmittel die Situation noch verschlimmern können. Zwar plant Bundesagrarminister Schmidt eine neue Verordnung (die von Foodwatch sehr kritisch gesehen wird), doch die Mühlen mahlen zu langsam. Wir meinen: Den Verbrauchern kann nicht länger zugemutet werden, die eigene Gesundheit durch belastetes Verpackungsmaterial zu gefährden!

Unsere Tipps

Beim Einkaufen

  • Recyclingkartons sind dunkel: Je dunkler ein Karton, desto höher ist normalerweise der Recyclinganteil. Sehr helle Pappen oder Papierbeutel sind meistens aus Frischfaser, von ihnen geht ein geringeres Risiko aus. Sie können allerdings auch durch Transportpappen oder Jutesäcke vorbelastet sein, das kann keine Endverpackung verhindern.
  • Keine Lebensmittel aus Wellpappenkartons kaufen: Teilweise werden Lebensmittel im Supermarktregal neben der eigentlichen Verpackung noch zusätzlich in Wellpappe-Kartons angeboten (meistens geöffnete Transportkartons). Auch aus diesen Pappen, die immer aus Recyclingfasern hergestellt werden, können Mineralölrückstände in die Lebensmittel gelangen. Solange es keine „sauberen“ Wellpappen gibt, sollte dieses zusätzliche Risiko vermieden werden.

Beim Kochen

  • Auftauen ohne Verpackung: Beim Auftauen von Tiefkühlware aus Recyclingkartons, beispielsweise Gebäck, Fertiggerichte, Obst oder Gemüse, entnehmen Sie diese in gefrorenem Zustand aus der Verpackung und lassen Sie diese ohne den Recyclingkarton im Kühlschrank auftauen.
  • Kochen senkt das Risiko: Beim Kochen geht ein Teil des angereicherten Mineralöls mit dem Wasserdampf verloren. Wie hoch dieser Anteil ist, ist noch unbekannt.

Beim Lagern im Haushalt

  • Trockene Lebensmittel umfüllen: Wenn Sie Lebensmittel mit großer Oberfläche, z. B. Reis, Gries, Haferflocken oder Frühstückscerealien, länger lagern wollen, füllen Sie diese am besten gleich nach dem Einkauf in Vorratsdosen um. Dies gilt ganz besonders, wenn der Inhalt direkt mit dem Karton in Kontakt kommt, also kein Innenbeutel vorhanden ist. Denn grundsätzlich gilt: Je länger die Lagerzeit, desto mehr Rückstände gehen in die Lebensmittel über.
  • Aluminium ist die wirksamste Barriere: Säuglingsnahrung ist fast immer durch Innenbeutel geschützt. Aluminiumbeutel stellen zurzeit die wirksamste Barriere gegen das Ausgasen dar. Doch da Aluminium aus ökologischen Gründen (energieaufwendige Produktion und große Umweltbelastung) sehr bedenklich ist, können diese Beutel keine Lösung für alle Produkte sein.
  • Entwarnung bei Tiefkühlkost: Während der Lagerung in der Tiefkühltruhe findet so gut wie kein Mineralölübergang statt.
  • Innenbeutel bieten nicht genug Schutz: Innenverpackungen aus Papier, Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP) verzögern den Übergang von Mineralölrückständen, unterbinden diesen allerdings nicht vollständig. Sie stellen nur eine zeitlang eine gewisse Barriere für Mineralölübergänge dar, aber bei Langzeitkontakt, beispielsweise über mehrere Wochen oder Monate, lassen diese fast alle etwas durch.

Messergebnisse für Mineralöl in Lebensmitteln

  • Foodwatch testete im Dezember 2016 den Mineralölgehalt von Schoko-Weihnachtsmännern.

  • Die Zeitschrift Öko-Test untersuchte im Juli 2016 Grillwürstchen und Foodwatch Süßigkeiten und Chips.

  • Die Stiftung Warentest veröffentlichte im Februar 2016 die Mineralölgehalte von Olivenölen: die Produkte Herdade Paco do Conde, Livio, L`Estornell Arbequina-Picual und Mani Bläuel Kalamata g.U.(Bio) waren besonders hoch belastet.

  • In einer umfassenden Untersuchung hat Foodwatch im Oktober 2015 die Mineralölwerte von zahlreichen Lebensmitteln publik gemacht. Demnach waren deutsche Produkte weniger belastet als andere Lebensmittel aus der Europäischen Union, was sicherlich auf die intensive öffentliche Risikokommunikation und die eingeleiteten Reduktionsmaßnahmen in unserem Land zurückzuführen ist.

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